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Auf den Feldern im Hintergrund, direkt neben dem Landmaschinen-Fachbetrieb Hünert+Kramp, soll eine Wohnanlage entstehen. Hans-Hermann Menke (l.) und Ulf Moderer sehen Konfliktpotenzial. Foto: t&w
Auf den Feldern im Hintergrund, direkt neben dem Landmaschinen-Fachbetrieb Hünert+Kramp, soll eine Wohnanlage entstehen. Hans-Hermann Menke (l.) und Ulf Moderer sehen Konfliktpotenzial. Foto: t&w

Salzhausen: „Konflikte sind programmiert“

emi Salzhausen. Vor 23 Jahren wurde die „Hünert+Kramp GmbH“ in Salzhausen gegründet. Den Landmaschinen-Fachbetrieb, aus dem die Firma hervorgegangen ist, gibt es sogar schon seit 50 Jahren, auch die angerenzende Zimmerei Moderer ist seit vielen Jahren in der Gemeinde ansässig. Doch nun fürchten die Geschäftsführer Hans-Hermann Menke und Ulf Moderer, dass ihre langjährigen Handwerksbetriebe vertrieben werden könnten. Denn die Gemeinde Salzhausen will in unmittelbarer Nachbarschaft ein Mischgebiet für Wohnbebauung und Gewerbe ausweisen. Direkt an der Grundstücksgrenze zum Landmaschinen-Fachbetrieb — nur rund 15 Meter westlich vom Probelaufplatz — soll eine seniorengerechte Wohnanlage entstehen. „Konflikte sind programmiert“, glaubt „Hünert+Kramp“-Geschäftsführer Hans-Hermann Menke.

Sein Fachbetrieb, in dem derzeit 23 Mitarbeiter beschäftigt sind, verkauft, wartet und repariert Landmaschinen. Das Problem: Die bis zu vier Meter hohen Ackerschlepper und Mähdrescher machen nicht nur jede Menge Krach, sie wirbeln auch ordentlich Staub auf — zwei Faktoren, die potenziellen neuen Nachbarn nicht gefallen dürften. Menkes Befürchtung: Gibt es Beschwerden, müsste sein Betrieb sich gravierende Einschränkungen gefallen lassen — oder letztlich weichen.

Von Anfang an habe er die Gemeinde auf die kritischen Punkte hingewiesen, sagt der 57-Jährige. Genutzt hätten die Gespräche nichts. Deshalb geht der Geschäftsführer nun auch andere Wege: Schon im vergangenen Jahr waren Menke und Moderer vor das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg gezogen, jetzt haben die beiden Pressevertreter zum Ortstermin auf ihr Grundstück geladen. Auch zwei Vertreter von Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg sowie Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade waren dabei. Ihre Anliegen: Planungsfehlern vorzubeugen und die Betriebe ins rechte Licht zu rücken: „Sie torpedieren die Pläne nicht, sie kämpfen nur um ihr Recht!“

Das OVG hatte den ursprünglichen Bebauungsplan „Witthöftsfelde“ im November 2015 außer Vollzug gesetzt. Inzwischen hat die Gemeinde nachgearbeitet und einen neuen Plan aufgestellt. Doch aus Menkes Sicht weicht der neue kaum von dem beanstandeten Plan ab. Das Hauptproblem Lärmschutz sei immer noch nicht ausreichend gelöst. Der „Hünert+Kramp“-Geschäftsführer fordert: „Wir brauchen eine Pufferzone aus nicht wesentlich störendem Gewerbe!“

Das sieht Salzhausens Gemeindedirektor Wolfgang Krause anders. Er hält den bisher vorgesehenen Lärmschutz für ausreichend, verweist darauf, dass ein Schallschutzgutachten erstellt wurde, an der Grundstücksgrenze außerdem eine 2,70 Meter hohe Schallschutzwand errichtet werden soll. Auch die geplante Riegelbebauung („das können Sie sich vorstellen wie ein großes Reihenhaus“) sowie ein Laubengang sollen künftige Bewohner vor Lärm schützen.

„Eines dürfen wir auch nicht vergessen“, sagt Krause. „Wir haben großen Flächenbedarf und nur sehr geringe Flächen zur Verfügung, denn die Orte in der Region sind umzingelt von Landschaftsschutzgebieten. Außerdem haben wir als Grundzentrum den Auftrag, Arbeiten und Wohnen zusammenzubringen.“

Das Bebauungsplan-Verfahren befindet sich derzeit in der Auslegungsphase. Der Gemeindedirektor will jetzt abwarten, welche Änderungshinweise sich im weiteren Verfahren ergeben. Über Einwände müsse man sich dann im Rahmen der Abwägung auseinandersetzen.

Hans-Hermann Menke stellt klar: „Ich will keinen Krieg. Ich will eine Lösung!“ Er sei weiterhin gesprächsbereit. Denn letztlich liegt ihm nur eines am Herzen: „Wenn ich einmal in Rente gehe, soll es weitergehen.“ Schließlich gibt es „seinen“ Landmaschinen-Fachbetrieb schon seit 50 Jahren in Salzhausen.