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Martha Meyer (v.l.), Wolfgang Wiegand, Martin Rutkies, Carsten Banse vom Orgelarbeitskreis mit Kunstrestauratorin Patricia Gabriac und Orgelbauer Martin ter Haseborg vor der alten Meyer-Orgel aus dem Jahre 1836 in der Barskamper Kirche. Foto: cw
Martha Meyer (v.l.), Wolfgang Wiegand, Martin Rutkies, Carsten Banse vom Orgelarbeitskreis mit Kunstrestauratorin Patricia Gabriac und Orgelbauer Martin ter Haseborg vor der alten Meyer-Orgel aus dem Jahre 1836 in der Barskamper Kirche. Foto: cw

Orgelbauer installiert sanierte Meyer-Orgel wieder in der Barskamper St.-Vitus-Kirche + + + Mit Video

cw Barskamp. Sie ist wieder da: Stück für Stück wird die sanierte historische Meyer-Orgel aus dem Jahre 1856 derzeit in der Barskamper Kirche eingebaut. Über 1000 Teile müssen an ihren Platz, richtig justiert und überprüft werden. Bereits zu Ostern soll sie wieder spielbar sein, doch richtig eingeweiht wird sie mit einem großen Orgelfest Anfang Juni.

Sieben Monate lang wurde das wertvolle Instrument in der Werkstatt von Orgelbaumeister Martin ter Haseborg in Ostfriesland renoviert. „Das war schon ein ganz besonderer Auftrag“, sagt der Orgel-Experte. „Wir mussten unheimlich viel recherchieren.“ Vor allem die genaue Zusammensetzung der Metalllegierung für die Zink-Blei-Pfeifen brauchte seine Zeit. Das alte Metall wurde analysiert, dann neu hergestellt. Den Part der Sanierung übernahm ter Haseborgs Frau, Kirstin Karm. Sie ist gelernte Metallformerin und hat die Pfeifen originalgetreu nach dem Rezept der Gebrüder Meyer aus dem 17. und 18. Jahrhundert teilweise ergänzt, repariert oder ganz neu gegossen.

Insgesamt 837 Pfeifen wurden erneuert, davon 266 aus Holz und 137 aus der speziellen Zink-Blei-Mischung. Für die Holzpfeifen wurde langsam wachsendes Fichtenholz aus Finnland importiert, einige wenige wurden aus Eiche gebaut. Die Windkanäle sind komplett erneuert worden, das Gebälge wieder vergrößert. Mehr als 2000 Arbeitsstunden stecken in der Sanierung, aber ter Haseborg ist sicher: „Das hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn dieses Instrument ist ein unschätzbares Kulturgut.“ Nur noch eine Handvoll solcher Orgeln gibt es überhaupt, die für ihren warmen, vollen Romantikklang berühmt sind.

Das findet auch Pastor Martin Rutkies. „Damit bringen wir kulturelle Werte in die Region zurück“, macht er deutlich. Er kann noch immer nicht glauben, dass die Kirchengemeinde die rund 120000 Euro für die Sanierung über Förderungen und Spenden zusammenbekommen hat. „Es ist ein Glück, dass wir so engagierte Leute im Orgel-Arbeitskreis und einen so kompetenten Handwerker gefunden haben.“ Ter Haseborg gibt das Lob zurück. „Ich habe noch nie erlebt, dass sich eine Gemeinde so sehr für ihr Instrument einsetzt.“ Das große Fest im Juni will er sich nicht entgehen lassen. Denn auch, wenn er sich schon sehr gut vorstellen kann, wie die Orgel später klingen wird, will er nicht verpassen, was virtuose Organisten aus dem Instrument herausholen können.

„Wir haben verschiedene Organisten eingeladen, dazu Chöre aus mehreren Gemeinden“, sagt Pastor Rutkies. Nach dem Auftaktgottesdienst um 10 Uhr bittet der Kirchenvorstand zu einem musikalischen Fest, das den ganzen Tag dauern soll.

Bis dahin wartet auf ter Haseborg noch jede Menge Arbeit. Beim und nach dem Zusammenbau muss die Meyer-Orgel Pfeife für Pfeife abschließend gestimmt werden. Zuletzt wird die Orgel insgesamt intoniert, damit der warme Klang auch voll zur Geltung kommt. Mit ein bisschen Glück bekommen schon die Besucher des Ostergottesdienstes einen ersten Eindruck davon.

Die Meyer-Orgel

Sie ist ein historischer Schatz für alle Kirchenmusiker. Nur etwa 100 Instrumente bauten der berühmte Hannoveranische Hoforgelbaumeister Ernst Wilhelm Meyer und seine Söhne Eduard und Carl-Wilhelm. Die Orgeln sind bis heute für ihren warmen, vollen Klang berühmt, der in der Romantik in Mode war. Einige wenige davon sind mehr oder weniger im Originalzustand erhalten. In der Barskamper St. Vituskirche steht eine davon — Baujahr 1856, 17 Register.

Im vergangenen Jahr stellte man Schimmelbefall an dem kostbaren Instrument fest.

Rund 120000 Euro kostet die Sanierung der Meyer-Orgel in der Barskamper St.-Vituskirche. Ein Großteil der Summe wird über Spenden und Zuschüsse finanziert. Die größten Geldgeber sind die Landeskirche (29800 Euro), die Ritterschaft (6500 Euro), die Klosterkammer (10000 Euro), die Bingostiftung (20000 Euro) und die Volksbank (10000 Euro).