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Tim Kalkkuhl, Alicia Bälkner, Hanna Rösener und Ludwig Müller (v.l.) sind Erstsemester, sie haben sich drei Monate lang mit dem Thema Arbeit im Jahr 2030 auseinandergesetzt. Sie fordern viele Veränderungen, wollen den Menschen wieder mehr in den Mittelpunkt rücken. Foto: t&w
Tim Kalkkuhl, Alicia Bälkner, Hanna Rösener und Ludwig Müller (v.l.) sind Erstsemester, sie haben sich drei Monate lang mit dem Thema Arbeit im Jahr 2030 auseinandergesetzt. Sie fordern viele Veränderungen, wollen den Menschen wieder mehr in den Mittelpunkt rücken. Foto: t&w

Studenten der Leuphana präsentieren ihre Visionen für das Jahr 2030

ap Lüneburg. „Wenn jemand etwas verändern kann, dann wir“, sagt Studentin Alicia Bälk­ner selbstbewusst. Sie nimmt zusammen mit 750 anderen Studenten, 40 Wissenschaftlern und mehr als 150 Praxisakteuren am Wettbewerb „Zukunftsstadt Lüneburg 2030+“ teil. Alicia Bälkner earbeitete im Seminar „Zukunft der Arbeit: Vom Broterwerb zur Sinnstiftung“ mit ihren Kommilitonen Visionen für einen Arbeitsalltag in 14 Jahren heraus.

Lüneburg zählt zu den 51 Städten und Gemeinden, die im Wettstreit zeigen sollen, wie Bürger die großen gesellschaftlichen Herausforderungen gemeinsam mit Wissenschaft, Wirtschaft und Politik vor Ort lösen können. Die hiesigen Akteure wollen für das Jahr 2030 und darüber hinaus ein nachhaltigeres und lebenswerteres Lüneburg schaffen.

„Wir rücken den Menschen wieder in den Mittelpunkt der Arbeit, weg von wirtschaftlichem Wachstum, hin zu Wohlbefinden und nachhaltigem Unternehmertum“, erklärt Student Tim Kalkkuhl. Arbeit werde oft mit etwas Negativem assoziiert, nicht mit einer erfüllenden Tätigkeit. „Der Arbeitsplatz sollte sich in der Zukunft an den Menschen anpassen und nicht andersherum.“

Mit ihren Visionen sind die Seminarteilnehmer nicht allein: Denn viele andere Gruppen entwickelten 24 weitere Perspektiven für das künftige Lüneburg. Am Donnerstag, am letzten Tag der Konferenzwoche, präsentierten die Studenten ihre Projekte, die sie im abgelaufenen Semester zusammen mit Lüneburgern und Praxisakteuren entwickelt haben: beim „Zukunftspfad“ im Hörsaalgang, den sich auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge anschaute. Ob Konzepte zu einem werbefreien Lüneburg, Wohnen in einem Mehrgenerationenhaus, flächendeckender Einsatz von Elektrobussen, ein Stadtwald, eine Spielzeugbibliothek oder Lösungen für einen besseren Umgang mit früh straffällig gewordenen Jugendlichen — die Visionen für Lüneburg 2030 sind vielfältig.

Bei einer „Zukunftsarena“ im Hörsaal zitierte Eröffnungsredner Daniel Lang den amerikanischen Strategen Herman Kahn: „Aus der Vergangenheit kann jeder lernen, heute kommt es darauf an, aus der Zukunft zu lernen.“ Und: „Wie geht es jetzt weiter? Oft hält ein Prozess bei den Visionen an, das darf hier nicht passieren“, sagte Lang und verwies auf den „Atlas der Visionen“. Dieser umfasse alle Zukunftsprojekte, die an der Leuphana erarbeitet wurden. „Er wird aktuell gefüllt und im April dem Oberbürgermeister im Rathaus übergeben.“

Mädge lobte die Arbeit aller Beteiligten. „Für mich geht heute schon meine Vision von 1990 in Erfüllung. Es war richtig, diese Universität zu gründen“, sagte er und erntete viel Beifall. Bis 2030 sei es dennoch ein langer Marsch, zumal in drei bis vier Jahren wieder andere Studenten vor ihm sitzen werden. „Wir müssen uns genau überlegen, wie wir es schaffen können, diesen Stab weiterzugeben.“ Nicht nur Studenten brachten sich ein, ein Online-Team schaltete auch Kommentare über die sozialen Netzwerke zu. „Wie ernst werden die Visionen genommen? Was passiert nach der Amtszeit von Oberbürgermeister Mädge?“ Der antwortete: „Der nächste Kandidat, der sich das Thema nicht auf die Fahnen schreibt, hat keine nachhaltige Chance als Oberbürgermeister.“ Die Visionen nehme er sehr ernst, es sei wichtig, mit Offenheit vorzugehen, sich auf Diskussionen mit Studenten einzulassen. „Wir werden mit der Umsetzung der Visionen nicht an den Stadtgrenzen aufhören, wir müssen das regional lösen.“

Ihn begeisterten vor allem die Konzepte zur Mobilität, wie beispielsweise die Innenstadt ohne Autos mit Verbrennungsmotoren aussehen könnte, oder Energie-Konzepte, die Speicherung von Fernwärme beinhalteten. „Vieles ist schon zutreffend definiert, jetzt muss ich meine Leute und die Stadtgesellschaft zuschalten, die Studenten sind erst seit einem halben, dreiviertel Jahr in Lüneburg und brauchen Unterstützung. Wir müssen handfeste Umsetzungsstrategien entwickeln.“

Am 6. April erscheint eine Sonderausgabe des LZ-Nachhaltigkeitsmagazins „Was zählt“, LZ-Abonnenten erhalten sie automatisch. Darin werden einzelne Visionen für Lüneburg 2030+ ausführlicher erläutert und eine Übersicht geschaffen. Weitere Informationen soll es in Kürze auch auf dem Portal www.lueneburg2030.de geben. 

Mehr dazu:

Konferenzwoche: Visionen von Lüneburg im Jahr 2030 + + + Mit Video

Leuphana Konferenzwoche 2016: Wie wollen wir 2030 leben?

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