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Die runden Punkte stellen mögliche Altablagerungen dar. Die kleinen Rauten markieren Rüstungsaltlasten, und ein grünes V steht für eine Schlammgruben-Verdachtsfläche. Grafik: NIBIS® Kartenserver: Altlasten in Niedersachsen - Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), Hannover.
Die runden Punkte stellen mögliche Altablagerungen dar. Die kleinen Rauten markieren Rüstungsaltlasten, und ein grünes V steht für eine Schlammgruben-Verdachtsfläche. Grafik: NIBIS® Kartenserver: Altlasten in Niedersachsen - Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), Hannover.

Alles Müll, oder was? – Viele Altlasten in der Landschaft

dth Lüneburg. Das Auto ist Schrott? Ab in die Kuhle! Bauschutt gleich hinterher. Und auch Grünabfälle wurden auf den sogenannten Bürgermeisterkippen in der Landschaft entsorgt. Die letzten kommunalen Hausmülldeponien wurden auch im Landkreis Lüneburg vor rund 40 Jahren geschlossen. Über so manche Deponie ist nicht nur Gras gewachsen, sondern auch Bäume gedeihen. Der aktuelle Umweltbericht des Landes lenkt dieser Tage wieder den Blick auf die alten Müllhalden sowie andere Altlasten, die im Erdreich schlummern.

Von insgesamt 94650 Flächen niedersachsenweit ist die Rede. Im Altlasten-Kataster des LBEG (Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie) sind allein 247 Bürgermeisterkippen für den Landkreis Lüneburg verzeichnet. Hinzu kommen Rückstände aus der Rüstungsindustrie und mögliche Altlasten beispielsweise aus der Erdöl- und Erdgasförderung.

„Das Landesamt fasst in der Karte alle Altablagerungen zusammen. Mit den roten Punkten ist aber keine Wertung verbunden“, sagt Boris Reisgies, zuständig beim Landkreis Lüneburg für die Bereiche Immissionsschutz, Bodenschutz und Abfallwirtschaft. Im Landkreis Lüneburg seien mit Sicherheit rund zehn Prozent der Altablagerungen erkundet und auf ihre Gefahr für Boden und Grundwasser von null bis 100 bepunktet worden. 40 bis 60 Punkte böten ein mittleres Potenzial, ab 60 müsse gehandelt werden. Letzteres traf laut Reisgies auf die ehemaligen Kreis-Deponien zu bei Ventschau, Bleckede-Nindorf, Gifkendorf, Tellmer und Neetze. Sie wurden zumeist abgedichtet, um das Grund- vor Sickerwasser zu schützen, und an der Oberfläche renaturiert. Messbrunnen überwachen die Grundwassergüte. Bei der Bewertung der Bürgermeisterkippen flossen die Erfahrungen aus eigenen Deponie-Sanierungen, Besichtigungen sowie Betriebsberichte ein.

„Die Bürgermeisterkippen haben in der Regel ein sehr geringes Schadstoffpotenzial“, sagt Reisgies. „In den Dörfern wurden dort früher überwiegend Bauschutt, Schrott und Grünabfälle entsorgt. Heute wundert man sich darüber.“ Die Bandbreite reiche von einem Haufen Ziegelsteinen bis zu größeren Ablagerungen. Sperrmüll hingegen wurde seltener beispielsweise in die ehemaligen Sand- und Kiesgruben gekippt. Reisgies: „Früher war es noch üblich, mit Sperrmüll zu heizen.“ Auf der anderen Seite läutete vor Jahrzehnten die industrielle Müllverbrennung das Ende der herkömmlichen Hausmülldeponien ein.

Auf den ehemaligen Müllkippen der Dörfer seien zumeist keine weiteren Maßnahmen geplant, sie sind in der Landschaft kaum noch zu erkennen. Reisgies: „Wir müssten gegebenenfalls tätig werden, wenn die Areale irgendwann als Baugrund genutzt werden sollen.“ Auf anderen ehemaligen Kippen wird hingegen nicht gebaut, sondern bereits seit Jahrzehnten regelmäßig gefeiert, beispielsweise bei Mechtersen. Wo früher eine Bürgermeisterkippe mit 7000 Quadratmetern und einem Volumen von 21000 Kubikmetern lag, besteht bereits seit 1982 der Grillplatz der Gemeinde.

In der Karte des LBEG sind auch sogenannte Schlammgrubenverdachtsfälle verzeichnet. Beispielsweise bei Alt Wendischthun in Amt Neuhaus. Solche als Bohr- und Ölschlammgruben bezeichneten Orte seien Hinterlassenschaften der Erdöl- und Erdgasindustrie. Reisgies: „Bei Alt Wendisch­thun hat früher eine relativ tiefe Erkundungsbohrung stattgefunden. Dort wurden auch Hilfsstoffe eingesetzt, um das Wasser schwerer zu machen, um mehr von dem sogenannten Bohrklein zu binden.“ Die Gruben seien längst zurückgebaut, aber weiterhin als Verdachtsfläche verzeichnet.

Gutachten läuft

Der Leiter des Fachdienstes Umwelt beim Landkreis Lüneburg, Stefan Bartscht, berichtete kürzlich im Umweltausschuss des Kreises über den Fortgang der Untersuchungen bei den Altablagerungen am Ölhof Bleckede, in Alt Garge und Lüneburg Süd. Aufgrund der bisherigen Messergebnisse können die Beprobungen im Bereich Lüneburg Süd reduziert werden.

Für die Rüstungsaltlast des Ölhofs Bleckede hat die zuständige Behörde ein Gutachten in Auftrag gegeben, sagt Boris Reisgies vom Landkreis. „Das Land ist am Zug.“ Für die ehemalige HEW-Betriebsdeponie Alt Garge werde derzeit noch eine Untersuchungsreihe aufgebaut. Der Bericht soll noch 2016 vorliegen.