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Patientin Nora-Vré Henneke (28) leidet unter Morbus Crohn. Hier schaut sie sich Aufnahmen einer Darmspiegelung mit Prof. Dr. Christian Maaser und Prof. Dr. Torsten Kucharzik (r.) an. Foto: t&w
Patientin Nora-Vré Henneke (28) leidet unter Morbus Crohn. Hier schaut sie sich Aufnahmen einer Darmspiegelung mit Prof. Dr. Christian Maaser und Prof. Dr. Torsten Kucharzik (r.) an. Foto: t&w

Nora-Vré Henneke leidet an Morbus Crohn

as Lüneburg. Bauchschmerzen, Krämpfe, ausgeprägte Durchfälle und massiver Gewichtsverlust das gehörte viele Jahre zum Leben von Nora-Vré Henneke. Zwar wurde bei der heute 28-Jährigen bereits im Alter von 13 Jahren Morbus Crohn diagnostiziert, aber es war ein langer Leidensweg, bis sie induviduell mit einem Medikament gut eingestellt war. Morbus Crohn sowie Colitis ulcerosa sind „chronisch entzündliche Darmerkrankungen“, denen ein Arzt-Patienten-Seminar am Sonnabend, 5. März, gewidmet ist. Es findet von 9.30 Uhr bis 13 Uhr im Hörsaal 3 der Universität statt. Die Teilnahme ist kostenlos.

Bevor bei ihr im Alter von 13 Jahren Morbus Crohn diagnostiziert wurde, hatte Nora-Vré Henneke bereits zwei Jahre massive Beschwerden. „Es hieß immer Magen-Darm-Grippe. Unterschwellig wurde mir unterstellt: Die will doch nur die Schule schwänzen“, erzählt sie. Dann klappte sie zusammen, und in einer Kinderklinik in Bremen sie wohnte damals mit ihren Eltern im Umland kam dann endlich die Diagnose. „Ich wurde medikamentös eingestellt, konnte mein Teenie-Dasein genießen.“ Mit 17 hatte sie dann einen schweren Schub. Es ging böse bergab, sie hatte einen erheblichen Gewichtsverlust. In der Zeit habe sie auch familiär und beruflich eine schwere Phase gehabt, erzählt sie und kommentiert: „Wenn es dem Kopf nicht gut geht, geht es auch dem Bauch nicht gut.“

Da sie ab dem 18. Lebensjahr nicht mehr in der Klinderklinik behandelt werden durfte, musste sie nach einem neuen Arzt suchen. Nicht einfach. „Eine greifende Therapie zu finden, gestaltete sich schwierig. Und für mich musste es auch ein Arzt sein, dem ich mich bei einer so intimen Sache auch voll anvertrauen konnte.“ Über Jahre sei sie von Arzt zu Arzt getingelt. Anfang 2014 bekam sie ihren ersten Sohn. Während der Schwangerschaft und in den ersten Wochen danach ging es ihr super. Dann wieder massive Durchfälle, Erbrechen, Übelkeit. Zum Ende der Schwangerschaft hatte sie 90 Kilo gewogen, Ende 2014 wog sie nur noch 53 Kilo. „Im Fernsehen habe ich eine Sendung gesehen, in der Prof. Dr. Maaser über die Behandlung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen am Klinikum berichtet hat. Ich bin dann sofort hierher gefahren.“ Ein Glücksfall, wie sie mit einem Schmunzeln sagt. Sie wurde nicht nur auf ein anti-entzündliches Medikament so eingestellt, „dass ich mich heute richtig gut fühle. Bei der Ultraschall-Untersuchung stellte Maaser auch fest, dass ich erneut schwanger war.“

Die häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED), Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, nehmen kontinuierlich zu. In Deutschland sind schätzungsweise 400000 Menschen betroffen. Die Krankheiten brechen besonders häufig im Alter von 15 bis 35 Jahren aus, können aber auch erst mit einem zweiten Gipfel ab einem Alter von 60 Jahren erstmalig Beschwerden verursachen. Heilbar sind die chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nicht, die Krankheitsschübe lassen sich jedoch mit medikamentöser Behandlung und einer Anpassung der Lebensgewohnheiten an Häufigkeit und Intensität reduzieren, erläutern Maaser, Leiter des Ambulanzzentrums Gas­troenterologie am Lüneburger Klinikum, und Prof. Dr. Torsten Kucharzik, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie, die für die Leitung des Seminars am Sonnabend verantwortlich zeichnen.

„In Vorträgen werden wir zum Beispiel der Frage nachgehen, welche Formen der Diagnostik es gibt wie zum Beispiel Darmspiegelung oder auch Kapseluntersuchung des Dünndarmes. Auch über neue Methoden der Blut- und Stuhl­untersuchung wird berichtet“, sagt Maaser. Außerdem geht es um neue Medikamente bei der Langzeittherapie, „mit denen wir Entzündungen kontrollieren können“, erläutert Kucharzik. Außerdem wird Prof. Dr. Bodo Schniewind, Facharzt für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie am Klinikum, über operative Möglichkeiten informieren. Wichtig ist, dass bei Patienten inviduell die richtige Therapie gefunden wird. Am Klinikum gibts dazu eine CED-Konferenz, an denen Klinikärzte verschiedener Disziplinen sowie niedergelassene Mediziner teilnehmen, um komplizierte Fälle zu besprechen.

Weitere Themen bei der Veranstaltung sind: Was müssen Erkrankte bei der Familienplanung bedenken? Und was leisten aktuelle klinische Studien, an denen das Lüneburger Krankenhaus zum Teil beteiligt ist?