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Mit der Gründung des Vereins Agade rückt Deutsch Evern ins Zentrum des Widerstandes gegen die Ausbaupläne der Bahn auf der Bestandsstrecke Lüneburg-Uelzen. Foto: A/t&w
Mit der Gründung des Vereins Agade rückt Deutsch Evern ins Zentrum des Widerstandes gegen die Ausbaupläne der Bahn auf der Bestandsstrecke Lüneburg-Uelzen. Foto: A/t&w

Widerstand gegen Gleisbau

emi Deutsch Evern. Neuer Widerstand formiert sich: Aus der Bürgerinitiative „Deutsch Evern 21“ wird der Verein „Anwohner gegen Ausbau DE21“ (Agade). Die Gründungsversammlung hat bereits stattgefunden, am Dienstagabend informierte der Verein über Ziele und Vorgehensweise. Mehr als 100 Interessierte waren zu der Veranstaltung in die Aula der Grundschule Deutsch Evern gekommen, darunter auch Bürger aus Lüneburg, Uelzen und Bad Bevensen. Viele nutzten die Gelegenheit, um einen der ausliegenden Mitgliedsanträge auszufüllen. Als Gründungsmitglied trat auch Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer ans Rednerpult. Er machte deutlich, warum er gegen das dritte Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen kämpft.

Die Vereinsmitglieder wollen sich laut dem Vorsitzenden Michael Hansen weiterhin gegen den Ausbau der Strecke Lüneburg-Uelzen im Zuge der Alpha-Variante E wehren. „Bis es so weit ist, dass die Verantwortlichen auf uns hören, werden wir den Ausbau der Strecke mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln verzögern“, kündigte er an. Gleichzeitig wolle der Verein „immer und immer wieder“ die „bessere Lösung“ vortragen: eine eng an die A7 gebaute, zweigleisige reine Güterverkehrsstrecke. Um seine Ziele zu erreichen, will der Verein künftig nicht nur Veranstaltungen ausrichten und besuchen, Umweltverbände und andere Organisationen zu Rate ziehen, sondern auch den Klageweg beschreiten.

Wie hoch die Erfolgschancen sind, darauf mochte sich Hansen nicht festlegen. Warum Grund zur Hoffnung besteht, führte Ilmenaus Samtgemeindebürgermeister aus. Peter Rowohlt setzt dabei auch auf die Hamburger: „Niedersachsen findet die Variante — anscheinend — ganz toll.“ Wenn aber das Bundesland Hamburg auf Bundesebene deutlich mache, dass der Gleisausbau nicht ausreiche, um die Güter aus dem Hamburger Hafen abzutransportieren, könnte das Vorhaben aus seiner Sicht doch noch ins Wanken geraten.

Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer hatte zunächst neben vielen anderen an der Entwicklung von Alpha E mitgewirkt. Dann sei er an einem Wendepunkt angekommen, sagte er — ausgelöst durch die Aussage des BVU-Gutachters Stefanos Kotzagiorgis, dass die Alpha-Trasse nicht ausreichend leistungsfähig sei. Seitdem gehört Krumböhmer zu den Gegnern des dritten — und womöglich vierten Gleises — auf der Strecke Lüneburg-Uelzen.

Er kritisiert besonders, dass die Bahn — trotz der negativen Bewertung — mit Alpha-E den schnellen Weg wähle: Sie wolle sich das Raumordnungsverfahren sparen und gleich in ein Planfeststellungsverfahren einsteigen — ohne Alternativen zu prüfen. Das sei rechtlich höchst problematisch wegen der betroffenen FFH-, also speziellen Natur- und Landschaftsschutzgebieten. Dazu gebe es eine Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichtes.

Krumböhmer ist überzeugt, dass der anvisierte Gleisausbau nicht ausreicht, um dem Güterverkehr an den Häfen gerecht zu werden. „Wenn wir es nicht schaffen, die Güter ordentlich zu verteilen, hat das negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung Norddeutschlands“, sagte er, und warnte: „Wir verschlafen hier eine Entwicklung!“ Dabei gehe es auch um konkurrierende Hafenstandorte, die mittlerweile einen Vorteil gegenüber Hamburg erreicht hätten.

Die eindringlichen Worte kamen offenbar an. Nach der Veranstaltung durfte sich Michael Hansen über rund 30 neue Mitstreiter freuen. Damit gehören „Agade“ aktuell 63 Mitglieder an — und geht es nach dem Vorsitzenden, soll ihre Zahl weiter steigen. Die nächste Info-Veranstaltung ist am 7. April in Bad Bevensen geplant.

Rekord im Hamburger Hafen

Einen Rekord im Seehafenhinterlandverkehr Hamburgs mit Österreich vermeldete jetzt die Hafen Hamburg Marketing: Demnach wurden im vergangenen Jahr auf der Schiene zwischen dem Hamburger Hafen und KV-Terminals in Österreich rund 295000 TEU (20-Fuß-Standardcontainer) transportiert — ein Plus von 9,26 Prozent. Der Anteil der auf dieser Relation per Eisenbahn transportierten Container liege über 90 Prozent und mache die Eisenbahn zum führenden Verkehrsträger.

„Österreich ist eine Paradedestination im effizienten und umweltfreundlichen Hinterlandtransport über den Hamburger Hafen“, sagt Alexander Till, Leiter der Hafen Hamburg Marketing-Repräsentanz in Wien. Aktuell verkehren wöchentlich circa 40 Container-Ganzzüge zwischen Hamburg und Wien. Insgesamt verbinden mehr als 80 Containerzüge jede Woche KV-Terminals in Österreich mit Deutschlands größtem Hafen.

Die Containerhäfen Bremerhaven und Rotterdam folgen auf den Plätzen zwei und drei.