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Dr. Rolf-Hermann Schmahl hat immer dienstags und freitags Offene Sprechstunde für die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft Bleckeder Landstraße. Foto: t&w
Dr. Rolf-Hermann Schmahl hat immer dienstags und freitags Offene Sprechstunde für die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft Bleckeder Landstraße. Foto: t&w

Dr. Schmahl und die Ehrenamtlichen der Sprechstunde für Flüchtlinge

as Lüneburg. Im vergangenen Herbst haben sich Ärzte, Heilpraktiker und Therapeuten zu einer Initiative zusammengeschlossen. Sie bieten eine „Offene Sprechstunde“ für Flüchtlinge mittlerweile in sechs der zwölf städtischen Unterkünfte an. Um mobiler zu sein und das Angebot auszudehnen auch auf Unterkünfte, die wie Böhmsholz an der Peripherie der Stadt liegen, wünscht sich die Initiative einen Bus. Das kostet Geld. „Wir suchen deshalb Sponsoren“, sagt Elisabeth Winger, Sprecherin der Initiative.
Immer dienstags und freitags in der Zeit von 11 bis 13 Uhr hat Dr. Rolf-Hermann Schmahl in der Gemeinschaftsunterkunft Bleckeder Landstraße Sprechstunde, sie findet im Zimmer des Wachdienstes statt. Liege, Ultraschall und Medizinschrank hat der 70-Jährige aus seiner einstigen Praxis am Platz Am Sande mitgebracht. An einer Wand steht ein Schreibtisch, dessen Schubladen beschriftet sind: Einmalhandschuhe, Papiertücher, Verbandskasten, Ultraschallgel. Vis-à-vis ein Metallschrank, der mit homöopathischen Mitteln und Verbandsmaterial gefüllt ist. „Gespendet von Firmen und der Willkommensinitiative“, sagt Elisabeth Winger.

Dr. Schmahl gehört zu denen, die sich schon seit Jahren für Flüchtlinge ehrenamtlich engagieren. Im Zusammenhang mit der Gründung der Willkommensinitiative habe er Ines Gödeke, Sozialarbeiterin bei der Stadt und derzeit Ansprechpartnerin in der Gemeinschaftsunterkunft Ochtmisser Kirchsteig, angesprochen, „dass ich eine ehrenamtliche Sprechstunde anbieten möchte“. Anfang 2014, nachdem er seine Praxis als Allgemeinmediziner am Sande aufgegeben hatte, begann er mit dem Angebot. „Ich wollte etwas in meinem Beruf weitermachen“, sagt er knapp als wolle er Lob für sein Engagement abwehren. Seit Herbst 2015 gehört er zu einem Netzwerk „von Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen in der Medizin“.

Der Lüneburger Mediziner sieht die Ehrenamtlichen der Offenen Sprechstunde als Gesundheitsmittler. Das Ansinnen sei nicht, ein Parallelgesundheitssystem zu installieren. „Gesundheitsversorgung ist nicht originär Freiwilligen-Arbeit.“ Was die Ehrenamtlichen sich zur Aufgabe gemacht haben, sind Untersuchungen und Überweisungen zum Beispiel zu Fachärzten. Oder es wird geguckt, wer innerhalb der Gruppe helfen und unterstützen kann. Pro Sprechstunde suchen Dr. Schmahl fünf bis zehn Patienten auf. Sie haben Infektionen, Probleme im Magen-Darm-Bereich, viele leiden unter psychosomatischen Störungen aufgrund der traumatische Erlebnisse während der Flucht. „Für diese Menschen bieten Mitglieder unserer Initiative zum Beispiel auch eine Gruppentherapie mit Akupunktur an, die für eine gewisse Entspannung sorgt“, berichtet Elisabeth Winger.

Schmahl macht auch deutlich, dass viele Flüchtlinge nicht wissen, „wie der Zugang zum Gesundheitsysstem in Deutschland ist“. Sie gehen zum Teil direkt ins Klinikum und überlasten die Ambulanz, weil sie nicht wissen, dass erste Adresse die niedergelassenen Allgemeinmediziner sind. Da sind die Mittler gefragt. Die Verständigung ist nicht immer einfach. Viele sprechen nur Arabisch oder Farsi, die Initiative sucht deshalb weitere ehrenamtliche Dolmetscher zur Untersützung. Schmahl tippt auf sein Smartphone, er nutzt in manchen Fällen den Translator von Google.

Die Initiative habe den Wunsch, in allen zwölf Unterkünften aktiv zu sein aber auch für Flüchtlinge, die in Wohngruppen leben, erklärt Winger. Sozusagen eine rollende Offene Sprechstunde per Bus. Wer dabei mit einer Spende helfen will, kann unter www.offene-sprechstunde.de Kontakt aufnehmen. Die Initiative ist auch im Büro, Katzenstraße 2, unter Tel.:  6 05 62 44 zu erreichen.