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Antje Seidel und Dr. Edgar Ring erklären, was den Backstein für Lüneburg so besonders macht. Eine Backstein-Studie ist jetzt veröffentlicht worden. Foto: t&w
Antje Seidel und Dr. Edgar Ring erklären, was den Backstein für Lüneburg so besonders macht. Eine Backstein-Studie ist jetzt veröffentlicht worden. Foto: t&w

Forscher veröffentlichen Backstein-Studie über Lüneburger Baumaterial als Buch

hu Lüneburg. Die Lüneburger Altstadt lebt von ihren Jahrhunderte alten Backsteinfassaden. Aufwändig mit Terrakotten verziert, manchmal schief, aber immer schön, verzaubern sie Besucher und Bewohner. Seit 2010 hat sich ein niedersächsisches Forschungsteam um Corinna Grader und Antje Seidel mit den für das Stadtbild so prägenden Tonprodukten beschäftigt. Jetzt wurden die Ergebnisse der Untersuchungen im Museum Lüneburg vorgestellt.

Zentral dabei war die Frage, ob die historischen Backsteinbrennereien der Stadt eigene Herstellungsmethoden angewandt hatten und ob spezielle geologische Gegebenheiten vorliegen. „Bei der Ausgrabung einer alten Töpferei im Stadtgebiet standen wir vor Fragen, die wir einfach nicht beantworten konnten. Zum Beispiel, ob der Ton aus der Region oder von einem weiter entfernten Standort kam“, verrät Lüneburgs Stadtarchäologe Prof. Dr. Edgar Ring. Für die Studie wurde unter anderem im Kurpark nach Rohstoffen gebohrt, zahlreiche Gebäude der Altstadt, wie das Rathaus oder die Nicolaikirche, mussten für Proben herhalten.

Terrakotten aus Ton, wie hier mit gebräuchlichen Motiven der Renaissance, waren vor Jahrhunderten typische Produkte der historischen Brennereien der Stadt und im gesamten Ostseeraum vertreten. Sie sind im neuen Museum ausgestellt. Foto: t&w
Terrakotten aus Ton, wie hier mit gebräuchlichen Motiven der Renaissance, waren vor Jahrhunderten typische Produkte der historischen Brennereien der Stadt und im gesamten Ostseeraum vertreten. Sie sind im neuen Museum ausgestellt. Foto: t&w

Ton war im ausgehenden 13. Jahrhundert, als der erste Bauboom der Stadt startete, das ideale Baumaterial. Günstig zu produzieren, einfach zu verarbeiten und überall im Boden vorhanden, bestimmte er die Architektur der Stadt bis ins 19. Jahrhundert hinein. Auch die Witterungsbeständigkeit und der einfache Transport sorgten dafür, dass der Backstein die bislang vorherrschenden Fachwerkhäuser ablöste, und das zu einer Zeit, in der Hamburg noch lange nicht seine heutige Bedeutung hatte.

Kulturgeographin Antje Seidel von der Lüneburger Universität ist von der Relevanz ihrer Fragestellung überzeugt, weshalb sie auch ihr Dissertationsthema geworden ist. Sie hat den Lebenszyklus des Tons von der Erdlagerstätte bis zum fertigen Backstein im Stadtbild verfolgt und dabei herausgefunden, dass für stadtprägende Bauwerke wie die Nicolaikirche oftmals in direkter Nähe der Baustelle abgebaut wurde. Ohne den Ton hätte Lüneburg also niemals sein heutiges Gesicht bekommen oder — wie Stadtarchäologe Dr. Ring es ausdrückt — „Ohne Ton nix los!“.

Dass die Backsteinbauten heute noch zu bewundern sind, haben die Lüneburger auch dem Umstand zu verdanken, dass der Backstein sehr brandbeständig sei. Die Studienergebnisse sind als Buch unter dem Titel „Die vielfältige Bedeutung des Rohstoffes Ton für die Backsteinstadt Lüneburg“ veröffentlicht worden. Es ist im Museum erhältlich.

Ein kurzes Video zum Thema gibt es auf der LZ-Facebookseite.