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Sigrun Bankwitz liebt das Musizieren: Damit hat sie auch die Kinder ihrer Chorklasse angesteckt. Nach nur einem Monat können alle das bekannte Kinderlied Singt ein Vogel im Märzenwald laut mitträllern. Foto: t&w
Sigrun Bankwitz liebt das Musizieren: Damit hat sie auch die Kinder ihrer Chorklasse angesteckt. Nach nur einem Monat können alle das bekannte Kinderlied Singt ein Vogel im Märzenwald laut mitträllern. Foto: t&w

Die erste Chorklasse der Grundschule Hasenburger Berg + + + Mit Video

ap Lüneburg. „Ihr seid jetzt Erdmännchen“, leitet Sigrun Bankwitz die Chorstunde mit ihren Erstklässlern an der Grundschule Hasenburger Berg ein. Sie hält eine gelbe Karte hoch. Darauf ist ein Tier in gebeugter Haltung zu erkennen. „Wenn Ihr wild durcheinander lauft, achtet darauf, niemanden zu berühren.“

Die Sechsjährigen hören brav auf die erste Anweisung, wuseln durcheinander, einige krabbeln und quieken sogar. Doch die zweite Anweisung zu befolgen, ist einfach zu schwer. Auch Erdmännchen laufen schließlich mal gegeneinander. Und schon weinen die ersten, die Kopf an Kopf zusammengestoßen sind.

Doch als ihre Lehrerin ihre Gitarre rausholt, sind alle mucksmäuschenstill und fokussiert. „Komm doch, lieber Frühling, lieber Frühling, komm doch bald herbei“, singen die 20 Kinder. „Jag den Winter, jag den Winter fort und mach das Leben frei.“ Nach der ersten Strophe beginnen die Schüler rhythmisch zu klatschen, einige tanzen, die Jungs spielen auf ihren Luftgitarren. Diese musikalischen Kinder gehören zur ersten Klasse der Schule, an denen das Konzept „Chorklasse“ getestet wird. Pädagogin Bankwitz ist seit Sommer an der Grundschule, erwarb ein Zertifikat zur Chorleiterin. Ihre Aufgabe ist es nun, die Kinder gesanglich auszubilden.

Seit einem Monat gibt die 46-Jährige Chorstunden in der 1d, dreimal wöchentlich — zusätzlich zum normalen Musikunterricht. „Sie profitieren in vielerlei Hinsicht, im Sozialen, in ihren Wahrnehmungsmöglichkeiten“, sagt die Expertin und beruft sich auf Evaluationen. Chorkinder hätten beispielsweise deutlich weniger Probleme mit der Rechtschreibung, könnten sich selbst besser bei Referaten präsentieren.

Auch Schulleiterin Marianne Borowski ist von dem Projekt angetan, schätzt vor allem die ausgeprägte musikalische Ader der Kollegin. „Dienstbesprechungen werden seither immer mit gemeinsamem Singen eröffnet“, sagt sie. Bei Geburtstagen werde stets gemeinsam ein Kanon angestimmt. Außerdem öffne das Singen Herz und Verstand. „Es ist eine körperliche Erfahrung, sich selbst zu hören.“ Außerdem sei sie ein Freund von dieser Art an Erfahrungen, weniger von der Entwicklung, früh mit digitalen Medien zu arbeiten. „Die Computer drängen immer mehr in die Schulen, bei Grundschülern halte ich das für fragwürdig.“ In diesem Alter seien doch Bewegung, draußen und produktiv sein und Unternehmungen der Schwerpunkt.

Sigrun Bankwitz betreut die Klasse noch die nächsten vier Jahre und erhofft sich viel von der Arbeit mit den Kindern. „Ich stehe hinter diesem Konzept.“