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Fahrer Torsten Siegismund hat seinen Platz hinter dem Lenkrad für Erstklässler Henry geräumt und sich vor seinen Bus gehockt. Dort ist er für Henry ebensowenig zu sehen wie die Pylonen oder die blaue Tonne daneben. Foto: dth
Fahrer Torsten Siegismund hat seinen Platz hinter dem Lenkrad für Erstklässler Henry geräumt und sich vor seinen Bus gehockt. Dort ist er für Henry ebensowenig zu sehen wie die Pylonen oder die blaue Tonne daneben. Foto: dth

Bardowick: Verkehrserziehung am Bus

dth Bardowick. „Wenn ihr aussteigt, wartet ihr, bis der Bus weg ist. Lauft niemals davor oder dahinter auf die Straße“, erklärt Busfahrer Torsten Siegismund von Anker-Busreisen. Auf vielfachen Wunsch der Eltern der Bardowicker Grundschulkinder führen derzeit Torsten Siegismund sowie sein Kollege Raimund Krüdener ehrenamtlich Verkehrserziehungskurse für die Abc-Schützen durch. Bis Ende dieser Woche sollen rund 20 Grundschulklassen in Bardowick und Horburg über das richtige Verhalten im und außerhalb des Schulbusses hingewiesen werden. Anlass für die Präventionsmaßnahme ist der tragische Unfall eines Schülers kürzlich bei Mechtersen (LZ berichtete).
„Man kann solche furchtbaren Unfälle nie zu 100 Prozent verhindern, aber wir können bei den Kindern dafür ein Bewusstsein schaffen, vorsichtiger im Straßenverkehr zu sein“, sagt Lehrerin Julia Zeuke, die sich erfreut über das Engagement der Anker-Mitarbeiter zeigte.

Mit Hilfe einer blauen Tonne, fast so groß wie die Schüler, zeigte Siegismund, welche Kräfte beispielsweise auch innerhalb des Busses wirken können, falls plötzlich gebremst werden muss. Nachdem die Tonne ruckartig durch den Mittelgang gepoltert ist, sagt Siegismund zu den aufmerksam lauschenden Kindern der Klassen 1b und c der Grundschule: „Bleibt nach Möglichkeit auf euren Sitzen und schaut während der Fahrt aus dem Fenster. Dann könnt ihr eher abschätzen, ob es mal eng wird.“ Auch sollten vor allem kleinere Grundschulkinder in den als Schulbus eingesetzten Linienbussen nicht für „normale, gesunde Erwachsene“ einen Sitzplatz freimachen, so Siegismund, da die Kleinen eher bei einer Bremsung gefährdet sind.

Auch beim Aussteigen sei Vorsicht geboten. Zwar öffnen die gummierten Türen automatisch wieder, falls bespielsweise ein Arm dazwischen kommt, aber bei einer Jacke beispielsweise ist der Widerstand zu gering, die Türen schnappen zu. Torsten Siegismund: „Macht euch rechtzeitig zum Aussteigen bereit und lauft nicht im letzten Moment raus. Im Zweifelsfall ruft ihr dem Busfahrer laut zu, dass ihr noch aussteigen wollt.“

Eindrücklich vor Augen führten die Busfahrer den Kindern am Buswendeplatz der Grundschule Bardowick, warum es so wichtig ist, unbedingt hinter den Absperrgittern auf dem Bürgersteig zu warten. Testweise fuhr Krüdener den Niederflurbus vor. Dabei ragte die Bus-Front beim Einlenken in die Parkbucht kurz über einen Teil des Bürgersteigs vor dem Absperrgitter und räumte vor den Augen der Kinder die zur Demonstration aufgestellten Verkehrshütchen ab.

Die Verkehrshütchen und die Tonne kamen auch zum Einsatz, um die „toten Winkel“ des Busses zu verdeutlichen. Dafür nahm Henry aus der Klasse 1c testweise auf dem Busfahrersitz hinter dem Steuer Platz. Von dort aus waren weder die direkt vor dem Bus aufgestellten Verkehrshindernisse zu sehen noch Busfahrer Siegismund, der sich mit davor gehockt hatte. Eindringlich wiederholte er seinen Appell: „Wenn ihr draußen seid, haltet Abstand zum Bus und achtet auf andere Verkehrsteilnehmer.“

3 Kommentare

  1. Eine wunderbare Aktion, vielen Dank den Initiatoren und Mitwirkenden!
    Bei meinem Sohn hat sie großen Eindruck gemacht und bei mir ein Gefühl erhöhter Sicherheit vermittelt.
    Bitte führen sie die Aktion unbedingt regelmäßig mit allen Schülern durch. Wir Eltern können noch soviel zur Vorsicht mahnen, wenn die Kinder sich der möglichen Gefahren nicht wirklich bewusst geworden sind.

  2. leider vergisst man, das die busfahrer in einer eigenen parallelwelt leben und offensichtlich eine andere StVO haben, die ihnen alles erlaubt.
    zum beispiel bei 20cm abstand einen radfahrer auf der fahrbahn überholen oder eine bushaltestelle verlassen ohne zu blinken und dabei radfahrer einfach abzudrängen.
    man hat den eindruck, sie würden nur darauf warten,daß jemand die höhe der bushaltestelle erreicht,um ihn zu schikanieren und plötzlich schnell und zackig loszufahren, ohne auch nur eine sekunde den verkehr im spiegel zu beobachten.

  3. Eine super Aktion. Vielen Dank für das ehrenamtliche Engagement.
    Schade ist in diesem Zusammenhang nur, dass es erst zu einem dramatischen Unfall kommen musste und zusätzlich auf Drängen der Elternschaft solche Aktionen gestartet werden.