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Danielle Atchoffo (v.l), Mia Charlott, Fred und Wilhelm schneiden die ungewöhnlich großen, andersfarbigen Bananen in Stücke. Sie freuen sich auf die Spezialität aus Kamerun. Foto: t&w
Danielle Atchoffo (v.l), Mia Charlott, Fred und Wilhelm schneiden die ungewöhnlich großen, andersfarbigen Bananen in Stücke. Sie freuen sich auf die Spezialität aus Kamerun. Foto: t&w

Kita WigWam: Rassismus mit Bananen bekämpfen

ap Lüneburg. „Kinder haben Rassismusgedanken naturgegeben nicht im Kopf, aber sie ahmen nach und reflektieren wenig“, sagt Tina Ebeling, Leiterin der Kita WigWam am Zeltberg. Dort läuft ein Projekt, angelehnt an die Lüneburger Wochen gegen Rassismus, die am Donnerstag, 10. März starten. Die Kita ist eine von 60 Beteiligten im Netzwerk und beschäftigt sich vier Wochen lang mit der Thematik. „Hier bei uns ist es ein Selbstverständnis: Egal woher wir kommen, was wir machen: Wir alle sind Menschen, die sich verstehen“, sagt die 46-Jährige.

Die drei bis sechs Jahre alten Kinder lernen auf spielerischem Wege, was Rassismus für Ursachen und Auswirkungen haben kann. So wurde beispielsweise gemeinsam gekocht: Ndolé, eine Spezialität aus Kamerun. Danielle Atchoffo, Mutter zweier Kinder, hat sich für den Koch-Tag extra frei genommen. Gemeinsam werden Kochbananen, Rindfleisch, Zwiebeln und Knoblauch geschnitten. Besonders die Bananen ernten viel Aufregung. „Die sind ja orange und so groß“, sagt einer der Jungen und schneidet sie in große Stücke. Ein anderer beginnt zu weinen, die Augen brennen vom Zwiebelschneiden.

Atchoffo, die seit neun Jahren in Deutschland lebt, hat ein persönliches Interesse an dem Projekt. „Das ist eine sehr tolle Aktion, im Alltag kann einem Rassismus begegnen, regelmäßig werden wir im Bus oder auf der Straße komisch angesehen“, sagt die 29-Jährige aus Kamerun. Ihr sei es wichtig, dass ihre Kinder mit der Tatsache aufwachsen, dass andere Kinder woanders herkommen.

Auch Tina Ebeling macht fast täglich Erfahrungen mit Formen von Rassismus, wenn sie mit Lorraine und Fred Atchoffo vor die Tür geht. „Ältere Damen kneifen ihnen in die Wange und fragen, woher sie kommen“, sagt Ebeling. „Wenn ich dann antworte, dass sie aus Aachen kommen, ernten wir komische Blicke.“ Sie wisse, dass es selten böse gemeint sei, aber es sei einfach nicht richtig, ein bestimmtes Aussehen oder Verhalten pauschal auf alle Kinder zu übertragen.

Neben dem Kochen von Spezialitäten aus anderen Ländern sieht das Projekt Malen, Singen, Lesen und Rollenspiele vor. Ein Memory, das eigens für die Kinder gebastelt wurde, zeigt Bilder und Stärken der Kinder. „Sie machen zwar vieles gleich, einiges aber ganz unterschiedlich. Durch das Aufzeigen ihrer Stärken lernen die Kinder, dass sie von anderen profitieren können“, erklärt die Kita-Leiterin. Sie will den Kindern helfen, das eigene Blickfeld zu weiten. „Zuerst im nahen Umfeld, Familie, Nachbarn, dann aber allgemein auf Lüneburger und die ganze Welt. So entdecken Kinder das Anderssein.“

Nach dem Projekt soll die Arbeit nicht vorbei sein, das lasse die aktuelle Situation in Europa nicht zu. „Das macht uns alle traurig, das ist ein Bildungsauftrag von längerer Dauer“, erklärt Ebeling. Die Aktion in der Kita schließt am 19. März mit einem Tag der offenen Tür, bei dem eine Ausstellung zum Thema Offenheit präsentiert wird.

Ndolé zum Nachkochen

Die Spezialität aus Kamerun besteht aus folgenden Zutaten: Grünkohl, geschälten Erdnüssen, Rindfleisch, Zwiebeln, Knoblauch, Kochbananen und Grießbrei. Die Nüsse werden in Wasser vorgekocht, anschließend im Mixer mit Zwiebeln und Knoblauch vermengt. Der Grünkohl wird ebenfalls in Wasser vorgekocht, herausgezogen und im Topf mit dem Nuss-Zwiebel-Mix vermengt.

Dann wird mit Brühe aufgefüllt, das Fleisch im Sud geschmort. Die Kochbananen dienen als Beilage, sie werden geschält, in große Stücke geschnitten und 25 Minuten mit viel Wasser gekocht. Der Grießbrei wird als Beilage serviert, in warmes Wasser eingerührt und dann fünf Minuten lang gekocht.