Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Die Volkshochschule hofft für ihre Sprachkurse auf Geld des Bundes. Foto: t&w
Die Volkshochschule hofft für ihre Sprachkurse auf Geld des Bundes. Foto: t&w

VHS Lüneburg: Stadt will zur Not aushelfen

us Lüneburg. „Es ist unverantwortlich, was da abläuft.“ Oberbürgermeister Ulrich Mädge machte im gestrigen Wirtschaftsausschuss der Stadt keinen Hehl daraus, dass er in Sachen Sprachförderung für Flüchtlinge auf den Bund derzeit nicht gut zu sprechen ist. Grund für den Unmut des Verwaltungschefs ist die laut Mädge schleppende Zahlungswilligkeit des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Die führte dazu, dass die Volkshochschule tief in die roten Zahlen rutscht.

„Wenn wir uns um die Sprachförderung kümmern sollen, dann brauchen wir auch das Geld“, sagte Mädge. Wie berichtet, hat die Bildungs- und Kulturgesellschaft Hansestadt und Landkreis Lüneburg (BuK) als Trägerin der hiesigen Volkshochschule in ihrem Wirtschaftsplan für 2016 ein stattliches Minus in Höhe von 250 000 Euro ausgewiesen, 2015 waren bereits 100 000 Euro. Verursacht seien die Defizite im Wesentlichen durch Personalkosten und Mieten für die von der Volkshochschule durchgeführten Sprachkurse für Flüchtlinge, wie BuK-Geschäftsführer Martin Wiese erläuterte. Derzeit biete die Einrichtung 24 000 Unterrichtsstunden in diesem Bereich an, rund ein Drittel des gesamten Angebots der Volkshochschule mit einem Volumen von rund 3 Millionen Euro.

Aber nicht nur die schlechte Zahlungsmoral des Bundesamts, auch die gestiegenen Personalkosten trügen zur Kostenentwicklung bei. Da die Volkshochschule nicht alleiniger Anbieter auf diesem Markt sei und die Anzahl qualifizierter Kursleiter begrenzt sei, stiegen die Kosten kontinuierlich.

„Wir sind am Ende der Nahrungskette“, beschrieb Ausschussvorsitzender Ulrich Blanck (Grüne) die Situation, vor der Stadt und Landkreis stehen, da sie einerseits die Sprachkurse anbieten, zugleich aber auf Geld aus Nürnberg warten müssten. Eine Verringerung der Kurse komme gleichwohl nicht in Betracht, „die Sprachkurse müssen laufen“, erklärte Mädge.

Zur Frage von Eugen Srugis (SPD), ob die Volkshochschule jetzt in ein Liquiditätsprob-lem rutsche, sagte Wiese: „Das sehe ich im Augenblick nicht, schließe es aber auch nicht aus, wenn nicht bald Geld fließt.“ Sollte es sich nicht zwischenzeitlich „zurechtruckeln“, wie Mädge sagte, werde die Stadt aushelfen. Dies aber, entgegnete Michèl Pauly (Linke), dürfe nicht dazu führen, dass die Liquidität der Volkshochschule auf Kosten der verschuldeten Stadt vorsorglich gesichert werde. Auch regte Pauly an, in einer der kommenden Sitzungen einen Blick auf die von der Volkshochschule angemieteten Räume zu werfen, um zu prüfen, ob nicht möglicherweise Eigentumserwerb die sinnvollere Variante sei.

Am Ende stimmte der Ausschuss dem Wirtschaftsplan 2016 und damit dem Zuschuss der Stadt in Höhe von 215 000 Euro wie im Vorjahr einstimmig zu.