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foto:Michael Behns Amelinghausen Sparkasse Sparkassenfiliale Überfall Raub Raubüberfall Geiselnahme Polizei im Einsatz
23.01.2013
foto:Michael Behns Amelinghausen Sparkasse Sparkassenfiliale Überfall Raub Raubüberfall Geiselnahme Polizei im Einsatz 23.01.2013

Plädoyers im Prozess um Amelinghausener Banküberfall

rast Lüneburg. Zwei der vier Mitarbeiterinnen, die von vier Tätern beim Sparkassenüberfall am 22. Januar 2013 in Amelinghausen in ihre Gewalt gebracht wurden, leiden heute noch psychisch unter den Folgen der Tat. Seit genau zwei Monaten müssen sich zwei Polen im Alter von 34 und 54 Jahren vor der 2. Großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg für diese Tat und ein weiteres Delikt verantworten: Am 15. Juli 2013 soll das Duo mit mindestens einem weiteren Mittäter durch einen Kellerschacht in Räume der Sparkasse in Bohmte/Hunteburg im Kreis Osnabrück eingedrungen, aber ohne Beute wieder verschwunden sein. Gestern gab es die Plädoyers.

Für den 34-Jährigen fordert Staatsanwalt Konstantin Paus sieben Jahre Haft, für den älteren Angeklagten sei die Mittäterschaft im Fall Amelinghausen nicht bewiesen, für den zweiten Fall – einem versuchten Diebstahl in besonders schwerem Fall – soll er eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verbüßen. Paus ging kurz auf den schweren Raub in Amelinghausen ein. Vier Männer drangen damals durch ein Kellerfenster in die Sparkasse ein und fingen dort die zur Arbeit kommenden drei Frauen ab, hatten dabei einen nach einer funktionstüchtigen Schusswaffe aussehenden Gegenstand sichtbar auf den Tisch des Aufenthaltsraumes gelegt. In dem Raum wurden die Frauen gefesselt, ihre Münder wurden mit Klebeband zugeklebt. Die vierte Angestellte, die eintraf, verfügte über den Code zum Tresor und öffnete ihn. Die Täter verschwanden mit 434 415 Euro.

„So sehr DNA-Spuren manchmal ein Segen sind, beispielsweise bei Mordaufklärungen nach Jahrzehnten, sie können auch ein Fluch sein.“
Verteidiger Christian Wigger

Zu dem 34-Jährigen führte die Beamten eine Pinkelspur: Er hatte in der Sparkassentoilette uriniert, die DNA stimmte mit der an einer Zigarette überein, die im Zusammenhang mit einem anderen Banküberfall stand und für den der 34-Jährige bereits in Lübeck verurteilt worden war. Er gestand auch die ihm nun vorgworfenen Taten, nannte allerdings nicht die Namen der Mittäter. Laut Paus hatte der Mann, der erhebliche Vorstrafen in Polen hat, nicht die Führerrolle inne, er passte im Aufenthaltsraum auf die Mitarbeiterinnen auf. Und von der Beute sah er lediglich 15 000 Euro.

Auch bei dem älteren Angeklagten gab‘s einen DNA-Treffer. Seine DNA befand sich an einer weißen Skimaske, die im ersten Fluchtauto von den Tätern zurückgelassen wurde. Für den Amelinghausen-Fall machte Paus ihn allerdings nicht verantwortlich. Auf der Maske befanden sich auch DNA-Spuren fünf weiterer Personen, zudem sei er gut mit dem 34-Jährigen befreundet, die Spuren hätten bei gemeinsamen Motorradtouren in Polen übertragen worden sein können. Auch habe er Alibis: Am Tattag habe er in seiner Heimat den Führerschein gemacht und seine Frau ins Krankenhaus gefahren, das bestätigten sowohl der Fahrlehrer wie auch die Klinik. In Nähe des Tatortes in Bohmte/Hunteburg fanden Ermittler eine dunkle Unterziehhaube, der Staatsanwalt: „Das war seine Rein-DNA.“ Hier hat der Ankläger keine Zweifel an seiner Schuld.
„Mein Mandant wollte die Mitarbeiterinnen beruhigen“, sagte Rechtsanwalt Michael Jedrzejewski, der den 34-Jährigen vertritt, der habe nur eine untergeordnete Rolle gespielt und spontan in die Tat eingewilligt. Hintergrund seien Drogenschulden gewesen, die er „bei Personen hatte, die ihm und seiner Familie Angst machten“. Beim zweiten Fall geht der Verteidiger von einem Rücktritt von der Tat aus, seinem Mandanten sei lediglich Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch vorzuwerfen. Er plädierte auf fünf Jahre Freiheitsstrafe.

Freisprüche für beide Fälle fordert Verteidiger Christian Wigger für den älteren Angeklagten. Im Fall Amelinghausen argumentierte er wie der Staatsanwalt, machte auch deutlich, dass der 34-Jährige ausssagte, der Ältere sei nicht an den Taten beteiligt gewesen. Mit Blick auf die Osnabrücker Geschichte äußerte Wigger: „So sehr DNA-Spuren manchmal ein Segen sind, beispielsweise bei Mordaufklärungen nach Jahrzehnten, sie können auch ein Fluch sein.“ So wie bei seinem Mandanten. Die in Bohmte/Hunteburg gefundenen Spuren könnten wie auch bei der Maske aus Amelinghausen von Motorradtouren mit dem Mitangeklagten stammen und würden nicht beweisen, dass er selbst am Tatort war.

Die Strafkammer wird die Urteile am Montag verkünden.