Aktuell
Home | Lokales | Neue Arbeit: Neustart nach Insolvenz
Tanja Herzig und Michael Elsner von der Geschäftsführung der Neuen Arbeit mussten für den Sozialbetrieb Insolvenz anmelden. Nach der Umstrukturierung schreiben sie nun wieder schwarze Zahlen.
Tanja Herzig und Michael Elsner von der Geschäftsführung der Neuen Arbeit mussten für den Sozialbetrieb Insolvenz anmelden. Nach der Umstrukturierung schreiben sie nun wieder schwarze Zahlen.

Neue Arbeit: Neustart nach Insolvenz

ca Lüneburg. Ein schmerzhafter, aber nötiger Schritt – so schätzen Michael Elsner und Tanja Herzig die Insolvenz des Sozialunternehmens Neue Arbeit ein. Die beiden Chefs sehen das Ende und den Neubeginn positiv: Die ersten Wochen der Nachfolgegesellschaft seien gut gelaufen, Lieferanten und Kunden hätten Vertrauen und Treue bewiesen, sodass man in den verschiedenen Bereichen des Unternehmens schwarze Zahlen schreibe.

Wie berichtet, hatten der Geschäftsführer und seine kaufmännische Leiterin im vergangenen Herbst den Gang zum Insolvenzgericht antreten müssen. Als Grund war die „unsichere Einnahmensituation“ genannt worden. Die Neue Arbeit, eine Tochter des Herbergsvereins, ist ein Verbund verschiedener Angebote. Der Möbelladen Sack & Pack gehört ebenso dazu wie beispielsweise ein Catering- und Hauswirtschaftsservice. Einige Teile liefen nicht: Im Rahmen der Insolvenz strich der vom Amtsgericht eingesetzte Verwalter gastronomische Angebote im Kurpark und im Museum, zudem trennte er sich von Umsonstläden in Bad Bevensen und Uelzen. Die Zahl der 130 Mitarbeiter, davon war ein Teil saisonal und befristet eingestellt, ist auf heute 76 gesunken.

In den Betrieben der Neuen Arbeit, die eben auch ein Bildungsträger ist, sind oftmals Menschen beschäftigt, die auf dem regulären Arbeitsmarkt nur schwerlich eine Chance auf einen Job haben. Um sie zu fördern, machte die Arbeitsverwaltung die Schatulle auf. Doch dann blieben Mittel weg. Nun sollen sich alle Unternehmensteile selber tragen.

Das hat Konsequenzen. Bei Sack & Pack, dem Flaggschiff des kleinen Konzerns, wurde beispielsweise eine Abteilung mit Kinderkleidung geschlossen. Zum einen habe der Bereich keine Überschüsse erwirtschaftet, eher das Gegenteil; zum anderen gebe es andere Anbieter etwa bei der Caritas, die Kleidung für Mädchen und Jungen im Sortiment haben, berichtet Elsner. Also ein Schnitt. Auch das Lager für gespendete Möbel wurde neu organisiert. Tanja Herzig sagt: „Wir haben dort den Umschlag erhöht.“ Das bedeutet mehr Kunden für preiswerte, gebrauchte Möbel, aber eben auch höhere Einnahmen.

Ähnliche Schritte sei man bei anderen Töchtern gegangen: Hauswirtschafter, Grünwerker, Bauwerker, Pack & Go, das Fundus-Kaufhaus in Dahlenburg, das Café im Kloster und auch Catering und Gemeinschaftsverpflegung für Kitas und Schulen liefen stabil, zum Teil mit steigenden Umsätzen und Gewinnen.

Auch für Bad Bevensen und Uelzen habe sich eine Lösung gefunden. Dort seien unter anderem Kirchen und Diakonieverband in die Angebote eingestiegen, berichtet Elsner. Vier Mitarbeiter und ein Dutzend Ehrenamtliche wollen die Arbeit fortsetzen.

Tanja Herzig, die Frau für die Zahlen, sagt: „Es war ein großes Aufräumen. Aber ohne eine andere Kostenstruktur wäre es nicht gegangen. Wir haben einiges verschlankt und vereinfacht.“ Die Aussage zeigt allerdings auch, dass man in der Vergangenheit zu spät auf Probleme reagiert hat.

Jetzt blicken die beiden Chefs „zuversichtlich in die Zukunft“. Elsner sieht einen neuen Schwerpunkt auf den Bildungsträger zukommen: Angebote für die Integration von Flüchtlingen. Arbeit sei da eine Perspektive.