Dienstag , 27. September 2016
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50 Jahre hat der Ford Transit der Dahlemer Feuerwehr samt Schlauchanhänger auf dem Blech. Damit ist der Oldtimer Baujahr 1966 das älteste noch im Dienst befindliche Feuerwehrfahrzeug im Landkreis Lüneburg. Foto: kre
50 Jahre hat der Ford Transit der Dahlemer Feuerwehr samt Schlauchanhänger auf dem Blech. Damit ist der Oldtimer Baujahr 1966 das älteste noch im Dienst befindliche Feuerwehrfahrzeug im Landkreis Lüneburg. Foto: kre

Dahlem: Mit 65 Pferdestärken zum Einsatz +++ mit Video

kre Dahlem. Feuerwehrgerätehaus oder Feuerwehrmuseum? Die Antwort wissen Dahlems Ortsbrandmeister Helmut Seil und seine Kameraden wohl selbst nicht so genau. Zweifellos von beidem etwas. Stolze 50 Jahre ist ihr Fahrzeug bereits im Einsatz – und damit das älteste noch im Dienst befindliche Feuerwehrfahrzeug in der Samtgemeinde Dahlenburg. „Sogar im gesamten Landkreis“, weiß Feuerwehrmann Ralf Wachowski schmunzelnd. Grund genug also, sich das feurerrote Automobil genauer anzuschauen, mit dem die Dahlemer Brandschützer ausrücken, wenn es gilt, Leben und Sachwerte zu retten.

Und er läuft, und läuft, und läuft: Der Werbespruch, den einst Volkswagen für den VW-Käfer geprägt hatte, könnte auch auf den betagten Ford der Dahlemer Ortsfeuerwehr gemünzt sein. Allerdings nur fast, denn das Tragkraftspritzenfahrzeug hat bereits ordentlich Jahre auf dem Blech, aber kaum Kilometer auf der Tacho-Uhr: Gerade mal 37 076 Kilometer. „Allerdings auch schon einen Austauschmotor“, berichtet Helmut Seil sen., Vater des Ortsbrandmeisters und lange Jahre selbst oberster Feuerwehrmann in Dahlem. „Beim ersten Motor waren schon recht früh die Stirnräder der Nockenwelle kaputt gegangen“, berichtet der 81-jährige, also musste das Aggregat getauscht werden. Das heißt also, dass der „neue“ Motor sogar noch weniger als die 37 076 Kilometer gelaufen ist, die auf der Uhr stehen.

Jeder Einsatz ist die für Dahlemer Brandschützer freilich wie ein Zeitsprung. Jedenfalls dann, wenn sie mit ihren modernen Privat-Pkw zum Gerätehaus fahren, – um dann mit dem 50 Jahre alten Tragkraftspritzenfahrzeug zum Einsatzort auszurücken. Der Oldtimer verfügt nämlich weder über Sicherheitsgurte, noch Kopfstützen oder gar Airbags. Auch Bremskraftverstärker, Servo-Lenkung, oder ABS gab es noch nicht, als der Ford vor einem halben Jahrhundert vom Produktionsband lief. Wenn der Fahrer Frischluft braucht, muss er die Seitescheibe via Kurbel runter und wieder hochdrehen, elektrische Fensterheber? Fehlanzeige!

„Bei dem Auto muss man schon ordentlich zupacken und kurbeln“, sagt Ralf Wachowski. Dafür werden die Blauröcke auf dem Weg zum Einsatz von der Motorleistung alles andere als überfordert: Nur magere 65 PS stehen zur Verfügung, um das knapp drei Tonnen schwere Fahrzeug inklusive sechs Mann Besatzung und dem 600 Kilogramm schweren Schlauchanhänger zum Einsatzort zu bringen. Verständlich, dass das Auto da im Laufe der Jahre auch schon mal geschwächelt hat, die Kameraden aussteigen und schieben mussten. Trotzdem: Ob beim großen Scheunenbrand in Pommoissel 2014, wo die Dahlemer ebenfalls alarmiert wurden, bei Bränden in Harmstorf, Lemgrabe oder im eigenen Ort: bislang haben die Einsatzkräfte – darunter auch eine Frau – ihr Einsatzziel erreicht.

Auch bei den Hochwasser-Einsätzen waren Helmut Seil und seine Kameraden gefragt: „Florian 16-40-12“ – so der Funkname der Dahlemer waren jenseits der Elbe in der Gemeinde Aamt Neuhaus im Einsatz. „Da waren mehr als 600 Kilometer an An- und Abfahrten zusammen gekommen“, berichtet Ralf Wachowski.
Dass der feuerrote Ford Transit mit der weißen 910 auf der Motorhaube auch nach einem halben Jahrhundert den Anforderungen an eine moderne Feuerwehr genügt, ist vor allem auch den Dahlemer Feuerwehrmännern zu vedanken, die den Oldtimer nicht nur in Schuss halten, sondern von der Ausrüstung her stets auch auf Stand bringen. Das Einsatzgerät genauso wie den Funk.

Für Ortsbrandmeister Helmut Seil jun. ist das eine Selbstverständlichtlichkeit, schon deshalb, weil der Transit vor 50 Jahren von seinem Vater für die Wehr beschafft wurde. Helmut Seil sen. hatte mit dem Ford die autolose Zeit der Dahlemer Feuerwehr beendet. Dass der Transit so lange seinen Dienst in der Wehr versehen würde, damit hatte vor fünf Jahrzehnten allerdings wohl kaum jemand gerechnet. Und weil das Tragkraftspritzenfahrzeug ein schicker Oldtimer ist, versteht es sich von selbst, dass die Dahlemer mit ihrem Auto beim Ellringer Oldtimertreffen vertreten sind und – da sind sie wieder ganz Feuerwehr – bei der Kolonnenfahrt als Schlussfahrzeug die Absicherung übernehmen.

Wie lange der Ford noch im aktiven Dienst bleibt? „Ein neueres Auto wäre schon nicht schlecht“, sagen die Dahlemer Feuerwehrleute, die mit den Fahrzeug groß geworden sind. Doch das ist noch Zukunftsmusik – und so meistern die Dahlemer erst einmal weiter alle Einsätze mit ihrem 50 Jahre alten Ford-Transit. „Florian 16-40-12“ ist noch lange nicht abgemeldet…