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Der Verkehr nimmt zu und damit auch der Lärm. Im Moorfeld hat die Umgehung vor Jahren sogenannten Flüsterasphalt erhalten, Anwohner fordern mehr Schutz vor dem Krach. Foto: t&w
Der Verkehr nimmt zu und damit auch der Lärm. Im Moorfeld hat die Umgehung vor Jahren sogenannten Flüsterasphalt erhalten, Anwohner fordern mehr Schutz vor dem Krach. Foto: t&w

Es wird lauter an der Umgehung

ca Lüneburg. Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen die Weisheit, die dem Physiker Niels Bohr ebenso wie dem Schriftsteller Mark Twain zugeschrieben wird, zeigt sich trefflich an der Ostumgehung. Vor dem Bau gingen die Planer davon aus, dass im Jahr 2015 täglich rund 15000 Fahrzeuge über den Asphalt rollen, der das Moorfeld durchschneidet. Tatsächlich sind es mehr als 40000. Für die kommenden Jahre waren 50000 Autos, Laster und Motorräder vorhergesagt, inzwischen soll eine neue Vorhersage von gut 65000 ausgehen. Was kommt, bleibt Spekulation.

Eins ist allerdings sicher: Anwohner haben Anspruch auf zusätzlichen Schutz vor dem Lärm. Und das unabhängig davon, ob die umstrittene Autobahn A39 je gebaut wird. Eigentlich hätte die Straßenbaubehörde handeln müssen. Denn weil die Verwaltung weitergehende Maßnahmen gegen den Krach mit Hinweis auf Kosten und den Autobahnbau auf die lange Bank geschoben hatte, war zwischenzeitlich nach Bürgerprotesten das alte Planfeststellungsverfahren wieder für Ergänzungen eröffnet worden. Kernsatz: Wenn bis Juni 2015 kein Autobahnbau begonnen werde, müsse die Straßenbauverwaltung mit Lärmschutzmaßnahmen beginnen.

Darauf warten Jens-Peter Fiedler und seine Mitstreiter von der Bürgerinitiative Lüne-Moorfeld seit vergangenem Sommer vergebens. Er weiß, dass die Landesbehörde für Straßenbau mit Verkehrszählungen begonnen hat, um Prognosen zu erarbeiten und auch um zu schauen, ob es zusätzlichen sogenannten passiven Lärmschutz geben muss, also bessere Fenster und Ventilatoren, weil Fenster wegen des Krachs geschlossen bleiben. „Wir warten auf den Planfeststellungsbeschluss“, sagt der BI-Sprecher. Gegen den werde man im Fall der Fälle klagen. 30 Anwohner haben sich zusammengeschlossen, arbeiten seit Jahren mit einem Experten für Verwaltungsrecht zusammen.

In der Lüneburger Straßenbauverwaltung in Lüneburg sagt Chef Dirk Möller, dass seine Mitarbeiter die zunächst bis 2025 reichende Lärmprognose um fünf Jahre fortgeschrieben haben. Ergebnisse seien Anfang Februar an den Landkreis als Planfeststellungsbehörde weitergeleitet worden. Der wiederum will die Stadt einschalten, die Stellung zu Emissionen nehmen soll.

Weder Möller noch Kreissprecherin Elena Bartels wollen Stellung zu Verkehrs- und Lärmwerten nehmen das Verfahren laufe noch. Bei der Stadt ist in dieser Sache zumindest offiziell keine Post angekommen. Möller bestätigt aber, was unter der Hand zu hören ist: Der Lärmpegel steigt. Er sagt: „Es wird mehr Betroffenheiten geben.“ Übersetzt bedeutet das: Ein paar mehr Bürger haben Anspruch auf Schutz. Vor allem aber müssen schon jetzt Betroffene mit mehr Dezibel rechnen. Beispiel: Bestand bislang nur für das Obergeschoss Anspruch auf dickere Scheiben, kann das nun auch für das Erdgeschoss der Fall sein.

Im Rathaus verweist Sprecherin Suzanne Moenck auf ein Treffen mit dem Kreis „vermutlich in Kürze“. Dann will die Stadt die Ergebnisse prüfen. Schon jetzt erhebt sie allerdings eine bekannte Forderung, die in der Vergangenheit vom zuständigen Ministerium in Hannover abgeschmettert wurde: Neben passivem Lärmschutz sollte ein strengeres Tempolimit kommen, statt 100 km/h nur noch 80 im Bereich Lüne-Moorfeld. Auch reicht der Stadt nicht, dass bislang offenbar nur der Abschnitt Moorfeld begutachtet wurde, weitere müssten folgen, nämlich Fuchsweg und Klosterkamp.

Die Bürgerinitiative wagt sich an eine Prognose. Sollte die Ostumgehung wegen des Verkehrs erweitert werden bekanntlich ist für den Bau der A39 seit jüngstem von sechs Spuren die Rede , müsste man über den Bau eines Tunnels reden, der dann Autos und Lärm schluckt. Dann bräuchte es aber wieder eines neuen Verfahrens. Klar, dann stehen wieder Prognosen für die Zukunft an. Die sind bekanntlich schwierig.