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Stadt und Landkreis Lüneburg müssen massiv in den Wohnungsbau investieren, um den Wohnraumbedarf zu decken. Bei der ersten Wohnraumkonferenz in der Ritterakademie suchten Politik, Verwaltung und Vertreter der Bauwirtschaft nach Lösungen. Foto: dth
Stadt und Landkreis Lüneburg müssen massiv in den Wohnungsbau investieren, um den Wohnraumbedarf zu decken. Bei der ersten Wohnraumkonferenz in der Ritterakademie suchten Politik, Verwaltung und Vertreter der Bauwirtschaft nach Lösungen. Foto: dth

Erste Konferenz für gesamten Kreis nimmt Wohnraumbedarf der Zukunft in den Blick

emi Lüneburg. Lüneburg wächst, die Nachfrage nach Wohnraum ist groß, die freien Flächen sind begrenzt: Bezahlbarer Wohnraum ist schon jetzt vielerorts im Landkreis knapp — ein Problem, das sich durch den aktuellen Flüchtlingszuzug und das erwartete Bevölkerungswachstum noch verschärft. Um Druck aus dem Wohnungsmarkt zu nehmen und ein gemeinsames Wohnraumkonzept zu schaffen, haben sich jetzt rund 100 Teilnehmer bei der ersten Wohnungsbaukonferenz für den Landkreis Lüneburg über Herausforderungen und Lösungsansätze ausgetauscht.

Neben Politikern aus Stadt, Kreis und den Kreisgemeinden waren auch Vertreter von Bauträgern, Hausverwaltungen und Wohnungsbaugesellschaften eingeladen. Sieben Fachvorträge in zwei Themenblöcken standen auf dem Programm.

Im Vorfeld der Konferenz war auf Antrag der rot-grünen Gruppen in Kreistag und Stadtrat ein Gutachten in Auftrag gegeben worden, das den Wohnraumbedarf der Zukunft im Landkreis Lüneburg ermitteln soll. Fertig ist diese Wohnungsmarktanalyse zwar noch nicht, aber Felix Arnold vom Hamburger Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung „Gewos“ trug jetzt einen Zwischenstand vor, sprach über die aktuelle Situation, Perspektiven und Handlungsbedarfe.

Zu den Faktoren, die zu steigenden Baulandkosten sowie hohen Miet- und Kaufpreisen in der Region führen, zählen laut Arnold sinkende Effektivzinssätze für Wohnungsbaukredite in Kombination mit steigenden Baukosten, außerdem eine hohe Nachfrage und begrenzte Flächenressourcen. Lüneburg sei ein wirtschaftsstarker Standort, der auch von der guten Lage in der Metropolregion Hamburg profitiere. Das schlage sich in den Angebotsmieten nieder.

Wo die Mietpreise besonders hoch sind, machte Arnold anhand einer Karte deutlich: Demnach kostet der Quadratmeter mit 7,74 Euro in der Stadt Lüneburg am meisten, ähnlich hoch ist das Niveau in den angrenzenden Gemeinden Reppenstedt (7,21 Euro pro Quadratmeter), Adendorf (7,34) und Bardowick (7,05). Je weiter entfernt von Lüneburg die Gemeinden im Kreis liegen, desto niedriger ist der durchschnittliche Quadratmeterpreis — in Amelinghausen, Bleckede und Amt Neuhaus liegt er bei weniger als 5,50 Euro.

Bei der aktuellen Bautätigkeit sieht das Gutachter-Bild etwas anders aus: Vergleichsweise viel gebaut wird in den nördlich Richtung Hamburg gelegenen Gemeinden, sehr wenig hingegen in den östlichen Gemeinden im Bereich Dahlenburg, Bleckede und Neuhaus. Arnold warnte: „Insgesamt reicht die Bautätigkeit nicht aus, um der Nachfrage in vier bis fünf Jahren gerecht zu werden.“

Der Gutachter gab den Politikern verschiedene Handlungsempfehlungen mit auf den Weg. Ein Schlüssel zur Dämpfung der Mietensteigerung ist aus seiner Sicht der „massive Wohnungsneubau“. Weitere Optionen: Die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie für den Siedlungs- und Wohnungsbau im Kreis Lüneburg, die Prüfung von Nachverdichtungs- und Aufstockungspotenzialen, eine Quotenregelung für bezahlbaren Wohnraum in städtebaulichen Verträgen und die Einführung einer Wohnungsmarktbeobachtung.

Bevölkerungsprognose 2030

Bis zum Jahr 2030 werden laut Felix Arnold vom Hamburger Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung „Gewos“ in der Stadt Lüneburg 3600 Neubürger erwartet, für den Kreis Lüneburg ergibt sich ein Plus von 2400 Personen. Ein hoher Bevölkerungsanstieg im Vergleich zu den weiteren Kommunen wird in diesem Zeitraum etwa für Westergellersen, Adendorf und Barendorf prognostiziert.

Bei den Haushalten rechnet man bis zum Jahr 2030 mit einem Plus von 2650 Haushalten in der Stadt, 2350 Haushalte mehr sollen es im Landkreis sein. Der Anteil der Seniorenhaushalte (Personen über 65 Jahre) steigt insgesamt von derzeit 25 auf 30 Prozent, so die Prognose. Die Alterungstendenzen gibt es flächendeckend, besonders ausgeprägt werden sie in den östlichen Gemeinden sein.

Wohnraumbedarf

Neubaubedarf bis 2030

Laut Felix Arnold vom Hamburger Institut für Stadt-, Regional- und Wohnforschung „Gewos“ müssen bis zum Jahr 2020 in der Stadt Lüneburg etwa 3080 Wohnungen geschaffen werden, bis zum Jahr 2025 werden 4230 benötigt, bis 2030 sind es 5200. Das entspricht einem Neubaubedarf von rund 350 Wohnungen pro Jahr.

Betrachtet man den Landkreis ohne die Stadt müssen 1400 Wohnungen bis zum Jahr 2020 errichtet werden, 2610 bis zum Jahr 2025 und 3610 bis 2030. Das entspricht einem Neubaubedarf von rund 240 Wohnungen pro Jahr.