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Der Kreideberg in Lüneburg: Viele, die einen Anspruch auf Wohngeld haben, nehmen diesen gar nicht in Anspruch. Foto: phs
Der Kreideberg in Lüneburg: Viele, die einen Anspruch auf Wohngeld haben, nehmen diesen gar nicht in Anspruch. Foto: phs

Wohngeldregelungen: Ein Antrag, der sich lohnen kann

pet Lüneburg. Der Zwei-Personen-Haushalt, der statt 113 Euro nun 186 Euro monatlich Wohngeld bezieht, ist nur ein Beispiel einer Entwicklung, die an vielen Bürgern offenbar vorbeigegangen ist: Seit dem 1. Januar 2016 gibt es mehr Geld vom Staat — und viele haben es noch gar nicht gemerkt. Auslöser ist die Reform des Wohngeldgesetzes, die Anfang dieses Jahres in Kraft getreten ist. Um nichts kümmern mussten sich diejenigen, die schon im Vorjahr Wohngeld bezogen haben — bei ihnen wurden die Zuschüsse automatisch angepasst.

In der Gesetzesnovellierung, die die in den Vorjahren stark gestiegenen Wohnraumpreise abfedern soll, sind die Einkommensgrenzen ebenso wie die anrechenbare Miete deutlich erhöht worden. Bei Eigenheimbesitzern, für die das Wohngeld „Lastenzuschuss“ heißt, wurde die Belastung, die für eine Förderung berücksichtigt wird, ebenfalls angehoben. Finanziert wird das Wohngeld je zur Hälfte von Bund und Ländern.

Christian Ratzeburg, Leiter des Fachdienstes Sozialhilfe und Wohngeld beim Landkreis Lüneburg, sagt: „Wir gehen davon aus, dass längst nicht alle Haushalte, die Anspruch auf Wohngeld haben, ihre Ansprüche auch verwirklicht haben.“

Und Joachim Eckhardt, bei der Stadt Lüneburg für Wohngeld zuständig, sagte schon Anfang des Jahres: „Viele wissen gar nicht, dass sie einen Anspruch haben. Insbesondere diejenigen, die schon einmal Wohngeld beantragt haben und deren Anspruch abgelehnt wurde, weil sie mit ihrem Einkommen knapp über der damals gültigen Einkommensgrenze lagen.“ Die Mitarbeiter von Stadt und Landkreis raten gerade dieser Personengruppe, einen neuen Antrag zu stellen.

Die Anzahl der Haushalte, die vom Landkreis Lüneburg Wohngeld erhalten, ist seit Januar zwar um 30 Prozent gestiegen. Konkret: Von 305 zum 31. Dezember 2015 auf 410 zu Anfang März 2016. Aber: „Wir hatten mit einer Steigerung um 60 Prozent gerechnet“, sagt Christian Ratzeburg. Ähnlich ist die Entwicklung bei der Stadt Lüneburg: Dort gab es Ende 2015 etwa 900 Wohngeldempfänger, zurzeit sind es etwa 1100 bewilligte Anträge.

Im Landkreis Lüneburg ist durch die Reform die Höchstgrenze „bereinigten“ Einkommens, das ist das Bruttoeinkommen, vermindert um verschiedene Pauschalen und Werbungskosten, für einen Vierpersonenhaushalt von bisher 1780 auf 2223 Euro gestiegen. Für die gleiche Personengruppe wurde der Höchstbetrag der anrechenbaren Miete von 556 auf 656 Euro angehoben.

Wie sehr es sich lohnen kann, einen Antrag zu stellen, zeigt ein Beispiel, ebenfalls aus dem Landkreis: Ein Fünf-Personen-Haushalt mit einem Haushaltseinkommen von 3000 Euro brutto und einer Gesamtmiete von 800 Euro in einer 90 Quadratmeter-Wohnung ging bis Ende 2015 leer aus. Exakt die gleichen Werte zu Grunde gelegt, steht dem Haushalt nach neuem Recht ein Wohngeld von 93 Euro zu, rechnet Gaby Dierks, Sachbearbeiterin beim Landkreis, vor.

Und der Bezug von Wohngeld hat, so gering er auch sein mag, noch eine weitere Wirkung: Familien mit Kindern haben als Wohngeldbezieher automatisch einen Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes, können Unterstützung für Klassenfahrten, Schulbedarf oder Nachhilfeunterricht beziehen.

Wer möglicherweise einen Anspruch hat, sollte sich nicht scheuen, ihn einzufordern, sagt Christian Ratzeburg: „Wohngeld ist kein Almosen, sondern ein Rechtsanspruch, der auch wahrgenommen werden sollte.“

Hier gibt es Hilfe zum Thema

Stadt und Landkreis raten möglicherweise Wohngeldberechtigten, direkt bei ihnen ihre Ansprüche prüfen zu lassen. Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck sagt: „Stadt-Lüneburger können gern unverbindlich bei uns anrufen und schon mal grob vorbesprechen, ob sich ein Antrag lohnt.“ Das Gleiche gilt für den Landkreis, für den Christian Ratzeburg eine „formlose, überschlägige Berechnung“ anbietet.

Für Einwohner des Landkreises (ohne Stadt Lüneburg) ist die Wohngeldstelle jeweils montags, mittwochs und freitags von 8.30 bis 11.30 Uhr geöffnet. Telefonische Anfragen unter 261402.

Für Einwohner der Stadt Lüneburg ist die Stelle für Wohngeldbewilligung (Neue Sülze 31) geöffnet: montags und mittwochs, von 8.30 bis 11.30 Uhr sowie donnerstags, von 13 bis 16 Uhr. Telefonisch können Termine vereinbart werden unter 3093756 (Nachname mit dem Anfangsbuchstaben A), 3093358 (B bis F), 3093760 (G bis He), 3093758 (Hf bis Ma), 3093759 (Mb bis R), 3093922 (S bis Se) sowie 3093757 (Sf bis Z).

One comment

  1. Hildegard Schuster

    VORSICHT! Wer schon Hartz IV oder Grundsicherung bekommt, sollte sich AUF KEINEN FALL Wohngeld andrehen lassen! Davon profitieren nur die Kommunen, weil sie Kosten sparen. Meine Tante war vor vielen Jahren auf diesen Trick der Behörden reingefallen, weil sie angeblich mit Wohngeld viel mehr Geld als mit Grundsicherung hätte. Und was kam dabei raus? GEZ-Befreiung weg, Bus-Ermäßigung weg, Theater-Abo, Schwimmbad und Volkshochschule drastisch verteuert und und und… Am Ende hatte sie jeden Monat über 100 Euro weniger im Portmone als mit Grundsicherung. So behandelt der Staat also seine alten Mitbürger, die ihr Leben lang hart gearbeitet und Kinder groß gezogen haben und deren Rente trotzdem nicht zum Leben reicht!