Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Der Präsident der Leuphana, Prof. Dr. Sascha Spoun, wird sein kleines Dienstjubiläum im Mai noch ohne neuen Stellvertreter begehen, sein Vize Holm Keller hat die Uni velassen. Foto: phs
Der Präsident der Leuphana, Prof. Dr. Sascha Spoun, wird sein kleines Dienstjubiläum im Mai noch ohne neuen Stellvertreter begehen, sein Vize Holm Keller hat die Uni velassen. Foto: phs

Interview mit Prof. Dr. Sascha Spoun: „Vamos muss auf die Suche gehen“

jj/ap Lüneburg. Im Mai führt der Lüneburger Uni-Präsident Sascha Spoun die Leuphana zehn Jahre. Sein kleines Dienstjubiläum wird Dr. Spoun aber sicher noch alleine an der Uni-Spitze feiern. Sein Vizepräsident und Vertrauter Holm Keller hat die Leuphana Ende Februar verlassen, und das Verfahren für die Nachfolge läuft erst an, dauert Monate. Um klare Kante ist Spoun trotzdem nicht verlegen, ob zum Ende des Mietvertrages für die Vamos Kulturhalle auf dem Campus oder zur Klage gegen die Wettbewerbsverzerrung bei einem EU-Großprojekt, in dem die Leuphana nicht berücksichtigt wurde.

Herr Präsident Spoun, Holm Keller hat die Uni verlassen, Sie stehen ohne hauptamtlichen Vizepräsidenten da. Wann kommt der Nachfolger oder die Nachfolgerin?
Prof. Dr. Sascha Spoun: Das Verfahren ist im Hochschulgesetz genau geregelt. Es wird zunächst eine Findungskommission eingesetzt. Sie wird dem Senat im Einvernehmen mit mir Vorschläge unterbreiten.

Wer sitzt in der Findungskommission?
Spoun: Drei Mitglieder des Senates und drei des Stiftungsrates, dazu kommen beratende Mitglieder wie zum Beispiel die Frauenbeauftragte.

Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung?
Spoun: Die Stelle wird zum einen bundesweit öffentlich ausgeschrieben. Zum anderen wird der neue Senat erst im A­pril bei seiner konstituierenden Sitzung seine Mitglieder für die Kommission bestimmen. Ich denke, dass es dann ein halbes bis ein Jahr dauert. Hier sollte kein Zeitdruck entstehen. Ich rechne mit einer größeren Zahl an Bewerbern, aber ich glaube, nur wenige bringen die richtige Qualifikation mit.

Welches Bewerberprofil hat denn Chancen?
Spoun: Die Kandidaten sollten sich mit den Idealen und Ideen der Leuphana identifizieren können. Das neue Hochschulgesetz schreibt zudem vor, dass der hauptamtliche Vizepräsident verantwortlich ist für Finanzen und Personal. Es geht also um einen Bewerber, der Erfahrung im Management hat, im besten Fall im Wissenschaftsmanagement. Das hat schon viele Besonderheiten.

Gibt es nicht auch intern gute Kandidaten?
Spoun: Ich habe bereits Anfragen von außen, aber es werden auch interne Namen auf dem Campus gehandelt. Das ist doch erfreulich, dass wir ein breites Bewerberfeld haben.

Wer entscheidet am Ende?
Spoun: Es wählt der Senat, aber der Präsident gibt vorher sein Einvernehmen, der Stiftungsrat als höchstes Uni-Gremium bestellt den Vizepräsidenten. Sie sehen, es kann nur gewählt werden, wer auch meinen Segen hat. Wir müssen ein gutes Team bilden.

Herr Keller wird künftig zwar für die „KENUP“-Stiftung auf Malta als Chef des Verwaltungsrates versuchen, europaweit Projekte im Bereich Gesundheit und demographischer Wandel aus dem Milliarden-schweren Juncker-Plan umzusetzen. Aber er bleibt Berater für den Bau des Zentralgebäudes. Steht der Zeitplan?
Spoun: Wir sind im Plan, die Baustelle macht gute Fortschritte. Bei der Startwoche 2017 sitzen die Erstsemester und die Gäste im Audimax.

Im großen Zusammenhang mit dem Libeskind-Bau, dem neuen Zentralgebäude, gehts zurzeit in einer Online-Petition um den Erhalt der Vamos Kulturhalle auf dem Campus. Die Uni hat aber gegenüber dem Haushaltsausschuss des Landtages erklärt, das sei nicht möglich. Ändern Sie Ihren Kurs aufgrund der Vamos-Petition und der Unterstützer aus der Lokalpolitik oder ist Ende 2016 wirklich Schluss?
Spoun: Der Stand ist sehr klar und kann niemanden überraschen. Seit 2004 ist bekannt, dass die mietfreie Überlassung der Halle eigentlich schon 2014 ausgelaufen ist. 2015 und 2016 haben wir sie gegen eine geringe Miete verlängert. Es kann aber bei aller Wertschätzung für das Vamos seit drei Jahren keine Zweifel daran geben, dass es sich einen neuen Standort suchen muss. Und die Halle steht auch nicht zum Verkauf, wir brauchen das Areal für die Universität, und zwar dringend. Früher mögen dort viele Studenten Gäste gewesen sein, heute ist das Publikum doch eher Ü-30 oder Ü-40.

Herr Keller hatte versucht, mit dem KENUP-Konsortium, zu dem neben vielen namhaften Universitäten und Unternehmen die Leuphana gehört, ein EU-Großprojekt im Gesundheitswesen zu gewinnen, vergebens. Nun läuft eine Klage gegen diese Entscheidung. Wie ist der Sachstand?
Spoun: Es geht um die Rechtmäßigkeit des damaligen Auswahlverfahrens. Wissenschaft ist heute Wettbewerb, aber wenn man zum Wettbewerb gar nicht erst zugelassen wird, ja, dann hat man ein echtes Problem. Die Leuphana selbst klagt übrigens nicht, sondern unterstützt lediglich die Kläger. Bislang wurde allen Anträgen der KENUP-Klageführer zugestimmt. Eine Entscheidung des Gerichts könnte es noch in diesem Jahr geben. Es gibt also für mich gute Gründe zu glauben, dass das Projekt noch einmal ausgeschrieben wird.