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Für das frühere Lucia-Gelände haben die Grünen ein Entwicklungskonzept erstellt, das auch für andere Areale als Muster dienen soll. Foto: t&w
Für das frühere Lucia-Gelände haben die Grünen ein Entwicklungskonzept erstellt, das auch für andere Areale als Muster dienen soll. Foto: t&w

Wachstum ohne Neubaugebiete

us Lüneburg. Lüneburg steht unter Druck. Wohnraum ist knapp, die Preise steigen, kaum Platz für alle, die sich in der Hansestadt ansiedeln möchten. Die Stadt reagiert, will mit ihrem Wohnungsbauprogramm für Entspannung sorgen. Im Rat gibt es dafür von allen Fraktionen breite Zustimmung — mit Ausnahme der Grünen, sie beklagen einen zu hohen Flächenverbrauch und ein fehlendes Stadtentwicklungskonzept. Jetzt haben sie ihrerseits Vorschläge auf den Tisch gelegt, wie Wohnraum auch unter anderen Prämissen geschaffen werden kann.

„Wir sehen unser Wohnungsbauprogramm als städtebauliches Konzept“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Natürlich könne man einerseits Konzepte entwickeln, beauftragen und begutachten, man könne andererseits dieselbe Energie, Personal und Geld nutzen, um die Probleme anzugehen, die dringend zu lösen sind. „Das verstehen wir darunter, uns auf die Interessen der Stadt und ihrer Bürger zu konzentrieren.“

„Wenn wir die Potenziale nutzen, die wir in der Stadt haben, müssen wir keinen Acker am Ebensberg zubauen“, sagt Friedhelm Feldhaus unter Anspielung auf Flächen, die von der Stadt für eine Bebauung vorgeschlagen, von den Grünen aber abgelehnt werden. Eines dieser Potenziale ist nach Ansicht des Vorstandsmitglieds der Grünen das frühere Lucia-Gelände. Es wurde gemeinsam von der Arbeitsgruppe „Forum grüne Stadtentwicklung“ seiner Partei in Zusammenarbeit mit einem Architekturbüro kritisch in den Blick genommen. Herausgekommen ist ein Entwurf, der nicht nur Platz für einen Discounter, einen Drogeriemarkt und ein Hotel bieten kann, wie es die gegenwärtige Planung vorsieht. Vielmehr könnten laut Konzept auf dem Areal mindestens 250 Wohneinheiten entstehen, deutlich mehr als die 80 Einheiten, die im Wohnungsbauprogramm der Stadt dort vorgesehen sind.

Erreicht werden könnte dies durch eine Planung, die auf dem Gelände Kleingewerbe und Einzelhandel vorsieht, die nicht isoliert neben Wohnblöcken entstehen, sondern in die Wohnbebauung integriert werden soll. „So könnten dort selbst ein Discounter und ein Drogeriemarkt durch Aufstockung von zwei bis drei Geschossen für Wohnraum Platz finden.“ Auch ein Friseur oder Bäcker, eine Kita, Arztpraxen oder Büroräume sehen die Grünen dort.

„Es geht uns nicht darum, Reihenhäuser zu verbieten“, sagt Feldhaus, „es geht um mehr Stadt in der Stadt.“ Überhaupt sei der Entwurf lediglich ein Beispiel für ein städtebauliches Konzept, das die Grünen in Lüneburg vermissen. „Die Stadt braucht eine Perspektive fürs 21. Jahrhundert“, ist Feldhaus überzeugt. Ein Konzept gebe für die Stadt selbst, aber auch für Eigentümer und Investoren eine Orientierung, wohin die Reise gehen soll. Das müsse nicht auf einen Schlag, sondern sollte partiell je nach Erfordernis erfolgen.

Dass die Stadt bis heute kein Stadtentwicklungskonzept erarbeitet hat, führt Feldhaus darauf zurück, „dass sie sich aus meiner Sicht nicht mit den Eigentümern anlegen will“. Das Bestreben seiner Partei sei es, möglichst auf die Inanspruchnahme von Neubauflächen zu verzichten.

Die Grünen waren aber auch mit Experten in der Stadt unterwegs, um Möglichkeiten für die Schaffung von Wohnraum durch Nachverdichtung zu erkunden. „Was lässt sich aus der vorhandenen Substanz für weiteren Wohnraum entwickeln?“, erläutert Wolf von Nordheim das Vorgehen. Dazu habe man sich Gebiete am Rand von Kaltenmoor, an der Bleckeder und Dahlenburger Landstraße und auf dem Kreideberg angeschaut und dabei vornehmlich mehrgeschossige Gebäude aus den 60er- und 70er-Jahren mit Möglichkeiten für den Ausbau des Dachgeschosses in den Blick genommen. Dabei habe man 166 Dachräume vorgefunden, die Potenzial für rund 300 Wohneinheiten böten, „und zwar innerhalb eines Jahres“.

Weitere Möglichkeiten für Wohnraum sehen die Grünen durch sogenannte Grenzüberbauung, durch den Bau von Tiefgaragen mit Wohnungsbau darüber analog dem Vorhaben Am Weißen Turm (LZ berichtete), durch Prüfung von Altlastenflächen — „wo Kinder spielen dürfen, sollte man auch ein Haus ohne Keller bauen dürfen“ — oder durch Unterstützung von Bauwilligen zur Überwindung von nicht mehr zeitgemäßen Bebauungsplänen. Insgesamt sei ein Potenzial von 700 bis 800 Wohneinheiten ermittelt worden, die in den kommenden vier Jahren entstehen könnten. „Wir brauchen also gar nicht alles, was an Neubauflächen vorgesehen ist“, sagt von Nordheim.

Mädge sagt: „Ich begrüße es, dass sich die Lüneburger Grünen offenbar mit unserem Progr
amm auseinandersetzen, mit dem 500 Wohnungen durch Nachverdichtungen geschaffen werden. Über jede weitere Anregung für Brachflächen, die sich zur Nachverdichtung eigenen, bin ich dankbar.“

One comment

  1. Um mehr „Stadt in der Stadt“ zu haben, sollte man vielleicht ein Augenmerk auf die Wirtschaft haben.
    Wieso fangen Sie denn alle an mit dem großen Wohnbauprojekt, wo doch aber auch mal ein Einkaufscenter nicht schlecht wäre.
    Ich verweiße dazu auf die vorhandenden Gutachten seit 2006. Und ja ich verstehe, wir haben genug Nahversorger in den Stadtteilen, sollte aber ein „Leben in der Stadt“ nicht ausschließen.
    Sicherlich beissen Sie sich dann selber fest, wenn das HBB in Uelzen (baldiges Markcenter) eröffnet.
    Aber nunja, es müssen ja erst Neubaugebiete aus dem Boden gestampft werden…an die überfüllte Innenstadt denkt aber keiner.

    Vielleicht sollten Sie ja Karstadt endlich mal den Pass verleihen und da Wohnungen draus erschließen, Schandfleck Lüneburgs meiner Meinung nach.

    Dennoch freundliche Grüße,
    C.K