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Die Kleinen aus der Kindertagesstätte Wigwam verzieren mit Betreuerin Theres Hausenblas die Spruchbänder auf dem Marktplatz. Foto: kg
Die Kleinen aus der Kindertagesstätte Wigwam verzieren mit Betreuerin Theres Hausenblas die Spruchbänder auf dem Marktplatz. Foto: kg

Rassismus – ein Problem der Erwachsenen

kg Lüneburg. Schriftzüge und Namen, daneben Zeichnungen von Menschen verschiedener Nationalitäten, die sich an den Händen fassen, zieren die lange Papierrolle. Kaum haben die Schüler der Berufsbildenden Schulen II (BBS) ihr Kunstwerk auf dem Pflaster des Marktplatzes ausgebreitet, stürzen sich die Kinder der Kindertagesstätte Wigwam mit Stiften darauf und fügen eigene Bilder hinzu. So kommt es innerhalb weniger Minuten zum Austausch zwischen den Jugendlichen der BBS und den jüngsten Teilnehmern des „Papierrollenevents“. An der Aktion im Rahmen der „Lüneburger Wochen gegen Rassismus“ nahmen am Donnerstag Mitglieder von insgesamt acht Lüneburger Bildungseinrichtungen teil, die ihre Gedanken, Wünsche und Hoffnungen für eine tolerante Gesellschaft auf langen Papierbahnen festhielten und in der Lüneburger Innenstadt auslegten.

„Mit dem Event wollten wir ein Format schaffen, das Schüler dazu bewegt, sich im Klassenverbund mit dem Thema Antirassismus zu beschäftigen“, erklärt Matthias Skorning von der Evangelischen Familien-Bildungsstätte, die die Aktion gemeinsam mit der Herderschule, der Arbeiterwohlfahrt, dem Verein Alltagskultur und dem Lüneburger Netzwerk gegen Rechts ins Leben gerufen hat. „Die große Überschrift der Plakate ist: Wir gehören alle zusammen“, beschreibt Skorning die Ergebnisse. „Sie sind mit sehr viel Herzblut und Engagement erstellt worden und vermitteln, welche Botschaften die Teilnehmenden in die Gesellschaft senden wollen.“

Das verstehen schon die Kleinsten, auch wenn sie das Überthema des Tages noch nicht mit dem Begriff „Rassismus“ betiteln. „Wir haben uns dem Thema so genähert, dass sich die Kinder zunächst mit der eigenen Identität ausei­nandergesetzt haben. Im zweiten Schritt haben sie dann das Fremde kennengelernt“, berichtet Theres Hausenblas von der Kindertagesstätte Wigwam. Kinder anderer Nationalitäten gehören in der Einrichtung zum Alltag. „Wir haben dabei schnell gemerkt, dass es für die Kinder eine absurde Vorstellung ist, vor jemandem Angst zu haben, nur weil er anders ist.“

Das bestätigt auch Tanja Staats, die mit ihrer zweiten Klasse von der Heiligengeistschule mehrere Plakate auf dem Marktplatz ausgebreitet hat. „In meiner Klasse haben 50 Prozent der Schüler Migrationswurzeln, und wir nehmen jeden Tag die Unterschiede wahr“, berichtet die Lehrerin. „Früher hat man eher vermieden, darüber zu sprechen, heute begrüßen wir jeden Tag die Andersartigkeiten. Rassismus ist ein Problem der Erwachsenen, nicht unserer Kinder.“ Zur Abschlussveranstaltung der „Lüneburger Wochen gegen Rassismus“ am Montag, 21. März 2016, um 16 Uhr im Glockenhaus werden alle Plakate noch einmal präsentiert.