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In wirtschaftliche Schieflage geraten ist der Herbergsverein durch die Insolvenz seiner Tochter Neue Arbeit. Der Verlust von rund einer Dreiviertel- Million Euro schmerze, sei aber nicht existenzgefährdend, heißt es seitens der Geschäftsführung. Foto: be
In wirtschaftliche Schieflage geraten ist der Herbergsverein durch die Insolvenz seiner Tochter Neue Arbeit. Der Verlust von rund einer Dreiviertel- Million Euro schmerze, sei aber nicht existenzgefährdend, heißt es seitens der Geschäftsführung. Foto: be

Herbergsverein in rauer See

ca Lüneburg. Die Insolvenz seiner Tochter, der Neuen Arbeit, trifft den Herbergsverein als Gesellschaft heftig: Der Verein muss einen Ausfall von rund einer Dreiviertel-Million Euro schultern. Diese Zahlen nannte die Geschäftsführung um Michael Elsner und Tanja Herzig den Beschäftigten jetzt auf einer Betriebsversammlung. Von den direkt beim Verein beschäftigten knapp 200 Mitarbeitern waren rund 75 gekommen.

Die alte Neue Arbeit ist Geschichte. Es wurde eine neue Gesellschaft mit ähnlichem Namen gegründet. Verlustbringer wie die Cafés im Museum und im Kurpark wurden abgestoßen, die Mitarbeiterzahl gesenkt. Neu aufgestellt ist die Gesellschaft am Start und schreibt nach den ersten Wochen, wie berichtet, schwarze Zahlen.

Elsner und die kaufmännische Leiterin Herzig betonen, dass der Verlust aus der Pleite zwar schmerze, den Verein aber nicht infrage stelle: „Wir sind in unserer Handlungsfähigkeit nicht eingeschränkt und weiterhin liquide.“ Der Verein habe durch seine Haushaltsführung in der Vergangenheit ein Polster, auch durch Immobilienbesitz stehe man auf einem sicheren Fundament. Auch seien die 750000 Euro nicht jetzt fällig. Knapp 500000 Euro seien in 2013 und 2015 als Darlehen geflossen, jetzt müsse man für eine Bürgschaft von 230000 Euro einstehen. Allerdings, sagt die Finanzchefin, habe man mit den Banken gut verhandelt, sodass die Summe langfristig getilgt werden kann.

Es solle keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Auch Projekte wie die Übernahme und Sanierung des ehemaligen Schulamtes am Bardowicker Dom oder der Ausbau einer stationären Einrichtung im Heidekreis werde fortgesetzt. Gleiches gelte für eine Unterkunft bei Rotenburg.

Trotzdem räumt Tanja Herzig, die erst seit einem Jahr Verantwortung trägt, ein: „Wir müssen das nicht schönreden, es ist ein großer Verlust.“ Und der geht nicht spurlos an der Sozialeinrichtung vorbei, die im Nordosten Niedersachsens zu den großen Sozialträgern zählt. Die Geschäftsführung muss aufräumen, doch sie formuliert es ein wenig sanfter und spricht von einem „Strukturwandel“.

Viel stärker wollen die Verantwortlichen auf Zahlen schauen. Das Führungsduo nennt Beispiele: Die Kommunen als Auftraggeber für die Unterbringung von Bedürftigen gehen nicht davon aus, dass überall in der Betreuung Sozialarbeiter eingesetzt sind, sondern auch Kollegen aus heilpädagogischen Berufen. Die verdienen weniger als die studierten Beschäftigten. Eben das spielt bei Kostenübernahmen eine Rolle. Da andere soziale Anbieter darauf reagiert haben, muss sich auch der Herbergsverein stärker der Konkurrenz und diesen Bedingungen stellen.

Zumal ihn, wie auch andere, eine zusätzliche finanzielle Belastung trifft: In Traifverhandlungen haben Gewerkschaften eine bessere Eingruppierung der Mitarbeiter durchgesetzt, was im Schnitt zehn Prozent mehr Gehalt bedeute. Das alles hält Elsner angesichts der Arbeit seiner Leute zwar für richtig. Gleichwohl leert sie die Kasse des Herbergsvereins künftig um rund eine halbe Million Euro pro Jahr.

Klare Ansage an Leitungskräfte und Beschäftigte: „Es muss gespart werden.“ Da kann es sein, dass etwa ein Computer noch ein wenig länger im Büro steht, bevor er durch ein neueres Modell ausgetauscht wird.

Hochzeitspläne

Bekanntlich wollen Herbergsverein und Diakonieverband zum Jahreswechsel fusionieren. In Kirchenkreisen soll man die Insolvenz der Neuen Arbeit als Tochter des Herbergsvereins sehr aufmerksam beobachtet haben. Gleichwohl gehen die Geschäftsführer Elsner und Herzig davon aus, dass der Zusammenschluss klappt. Sowohl Landeskirche als auch Diakonisches Werk hätten Unterstützung zugesagt. Sicher scheint aber zu sein, dass der Aufsichtsrat nicht nur eine soziale, sondern auch eine starke von Steuerberatung und Finanzverstand geprägte Seite haben wird.

Nicht nur die Herbergsleute glauben an die Hochzeit, auch Gabriel Siller, Geschäftsführer des Diakonieverbands, hält daran fest: „Es ist ein sinnvoller Schritt.“ Er als auch die beiden anderen möglichen Partner betonen, dass die Kirchenkreise Lüneburg, Bleckede und Uelzen letztlich das Heft in der Hand halten, sie müssen dem Zusammenschluss zustimmen. Tanja Herzig sagt daher: „Der Zeitplan, das alles bis zum 1. Januar 2017 zu schaffen, ist sehr ambitioniert.“ ca