Aktuell
Home | Lokales | Die Retterin der Fledermäuse
Füttern, kämmen oder einfach nur beobachten – all das muss Katharina Hottenbach nachts tun, denn tagsüber schlafen die Fledermäuse. Doch die Barendorferin nimmt die Strapazen gern auf sich. Sie tut es für die Tiere. Foto: phs
Füttern, kämmen oder einfach nur beobachten – all das muss Katharina Hottenbach nachts tun, denn tagsüber schlafen die Fledermäuse. Doch die Barendorferin nimmt die Strapazen gern auf sich. Sie tut es für die Tiere. Foto: phs

Die Retterin der Fledermäuse

emi Barendorf. Ihr Schlafzimmer ist längst zum Übungszimmer für kleine Flugkünstler geworden, doch zum Schlafen kommt sie nachts ohnehin nur selten: Katharina Hottenbach betreut die einzige Pflegestelle für Fledermäuse im Großraum Lüneburg. Seit 2010 päppelt sie in ihrem Barendorfer Privathaus schwache und verletzte Tiere auf, um sie anschließend wieder auszuwildern. Sieben Überwinterungsgäste wohnen zurzeit in der ehemaligen Speisekammer neben der Küche.

Schon als Kind hatte Katharina Hottenbach mit Hingabe junge Vögelchen aufgezogen, die aus dem Nest gefallen waren. Ihr Herz für Fledermäuse entdeckte sie vor mehr als fünf Jahren, als am Nikolaustag plötzlich ein Großer Abendsegler verletzt vor ihrem Küchenfenster lag.

„Ich hatte damals im Rahmen meines berufsbegleitenden Studiums zur Kindheitspädagogin gerade eine Vorlesung über Bindung gehört“, sagt die 45-Jährige. „Als ich die Fledermaus in meine Hand nahm, begann sie zu brummen, kuschelte sich in die Kuhle an meinem Schlüsselbein. Es war für sie das Größte, meine Nähe zu spüren. Das Tier zeigte eindeutig Bindungsverhalten.“ Der große Abendsegler war die erste Fledermaus, die Katharina Hottenbach aufnahm. Seitdem hat sie schon unzähligen Tieren das Leben gerettet. Und gerade jetzt brauchen die nachtaktiven Flieger besonders viel Hilfe.

Im Frühjahr wachen Fledermäuse aus ihrem bis zu sechs Monate langen Winterschlaf auf. Währenddessen haben sie nichts gefressen und sind nun völlig ausgehungert. Nachts flattern sie lautlos durch die Dunkelheit, um Nachtfalter, Mücken und weitere Insekten zu jagen. „Die Zwergfledermaus verdrückt pro Nacht beispielsweise rund 3000 Mücken“, sagt Katharina Hottenbach. Das entspricht etwa einem Drittel ihres Körpergewichtes. Finden die Tiere nicht genug Nahrung, sind sie schnell am Ende ihrer Kräfte. Wenn sie Glück haben, werden sie dann von aufmerksamen Passanten zur Barendorfer Pflegestelle gebracht.

„Ich gucke mir erst einmal an, ob sie zum Beispiel von einer Katze verletzt wurden oder einen gebrochenen Flügel haben“, erklärt Katharina Hottenbach. „Danach wiege ich sie.“ Eine Zwergfledermaus passt problemlos in eine Steichholzschachtel und wiegt mit rund fünf Gramm etwa so viel wie ein Stück Würfelzucker. Liegt das Gewicht darunter, braucht sie dringend Futter. „Um die Tiere vorsichtig wieder an Nahrung zu gewöhnen, gebe ich ihnen als erstes Aufzugsmilch, die ich mir vom Tierarzt geholt habe“, sagt die 45-Jährige. „Wenn sie stabiler sind, füttere ich sie mit Mehlwürmern. Außerdem passe ich auf, dass sie genügend Flüssigkeit zu sich nehmen.“

Füttern, kämmen, Wunden versorgen, Flugübungen kontrollieren – all das muss Katharina Hottenbach nachts tun, denn tagsüber schlafen die Fledermäuse. Die Helferin selber tut in den Sommermonaten kaum ein Auge zu. „Wenn im Juli und August die Babys da sind, schlafe ich nur drei bis vier Stunden pro Nacht, denn die Jungtiere müssen alle zwei Stunden mit der Kanüle gefüttert werden.“

Die Pflege ist ein großer, bisweilen kostspieliger Aufwand, doch Katharina Hottenbach bereut keine Minute und keinen Cent. „Das sind ganz tolle Tiere, die im ökologischen System eine wichtige Aufgabe haben: Sie dezimieren Insekten in ganz großer Zahl“, schwärmt sie.
2015 hat die Barendorferin 40 der winzigen Säugetiere gesund gepflegt. „Es ist gut und wichtig, wenn Menschen ihre Augen offen halten, vielleicht sogar eine Patenschaft übernehmen“, sagt sie. Mit ein bisschen Aufmerksamkeit können vielleicht noch mehr Tiere gerettet werden – es wäre Katharina Hottenbachs größter Wunsch.

Verhalten im Notfall

„Fledermäuse werden nur von Menschen gesehen, wenn es ihnen schlecht geht“, sagt Katharina Hottenbach von der Fledermauspflegestelle „Stella Luna“ in Barendorf. Woran man erkennt, ob ein Tier in Not ist, und wie man sich dann verhalten sollte, hat der BUND-Regionalverband Elbe-Heide auf seiner Internetseite (www.bund-lueneburg-harburg.de) zusammengestellt:

Wie erkenne ich eine Fledermaus, die in Not geraten ist?
Wird eine Fledermaus auf dem Boden sitzend oder in niedriger Höhe an der Hauswand / auf dem Baum sitzend vorgefunden, kann von einer Notlage ausgegangen werden.

Was mache ich mit einer gefundenen Fledermaus?
Auch wenn das Tier vermeintlich unverletzt ist, bitte sofort die Fledermauspflegestelle „Stella Luna“ kontaktieren. Um Verletzungen und Schwächezustände bei Fledermäusen beurteilen zu können, benötigt es sehr viel Erfahrung. Selbst bei starken Verletzungen können die Tiere fit wirken, benötigen aber dingend lebensrettende medizinische Hilfe.

Wenn möglich, das Tier bergen. Es sollte nur mit Handschuhen angefasst und vorsichtig in eine Pappschachtel mit einem Tuch oder Haushaltspapier gelegt werden. Dann sofort die Fledermauspflegestelle „Stella Luna“ anrufen. Betreuerin Katharina Hottenbach ist erreichbar unter Tel. 01 71 / 34 22 854.

Auch der Landkreis Lüneburg unterstützt den Fleder­mausschutz. Wer Fragen zu den Winterquartieren oder Probleme mit den Tieren hat, kann sich unter den Rufnummern 04131 / 26-1373 oder -1586 melden.