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Auf vielen Baustellen im Landkreis geht es nur langsam voran. Investoren, Bauherren und auch Verwaltungen suchen die Schuld oftmals beim Bauamt des Landkreises. Das Amt wird nun von einem externen Büro unter die Lupe genommen. Foto: t&w
Auf vielen Baustellen im Landkreis geht es nur langsam voran. Investoren, Bauherren und auch Verwaltungen suchen die Schuld oftmals beim Bauamt des Landkreises. Das Amt wird nun von einem externen Büro unter die Lupe genommen. Foto: t&w

Ärger über Bauamt – Fachdienst des Landkreises in der Kritik

kre Lüneburg. Landrat Manfred Nahrstedt scheint zu ahnen, dass etwas nicht stimmt in seinem Haus: „Die Kollegen im Bauamt müssen gewohnte Wege verlassen. Wir müssen heute handeln, damit wir nicht morgen vor einem großen Wohnungsdefizit stehen.“ Markige Worte, die der Kreischef bei der Wohnungsbaukonferenz fand. Im Landkreis aber verfestigt sich bei manchem Bürgermeister ein anderer Eindruck. Das böse Wort der „Bauverhinderungsbehörde“ macht die Runde. Ein Vorwurf, den sowohl Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer als auch die in den Landkreis Harburg wechselnde Kreisrätin Monika Scherf zurückweisen. Es gebe sicherlich an der einen oder anderen Stelle Handlungsbedarf, aber: „Es liegt oft an beiden Seiten, wenn es zu Problemen bei Baugenehmigungen kommt“, verteidigt Scherf ihre Mitarbeiter.

Alles nur ein Missverständnis? Offenbar nicht, denn sonst hätte der Kreis nicht ein externes Büro beauftragt, das die Geschäftswege im Fachdienst Bauen „neu ordnen und sortieren soll“, wie Krumböhmer berichtet, der von Scherf die Leitung des in die Kritik geratenen Fachdienstes übernommen hat. So lange, bis ein Nachfolger gefunden ist. Gerade wurde die Stelle ein zweites Mal ausgeschrieben, diesmal bundesweit. „Wir suchen eine Person, die die Arbeit im Bauamt aus der Praxis kennt und die die Entscheidungsfreude der Mitarbeiter stärkt“, sagt Krumböhmer zum Anforderungsprofil. Und legt damit den Finger in die Wunde. Ein leitender Verwaltungsbeamter aus einer Kreisgemeinde bemängelt: „Anstatt Entscheidungen zu treffen, werden Verfahren in die Länge gezogen.“ Lieber eine weitere Stellungnahme, noch ein Gutachten anfordern. „Es ist jedes Mal ein Graus, wenn wir eine Stellungnahme vom Landkreis anfordern müssen“, sagt der Samtgemeindemitarbeiter, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. „Wir müssen mit dem Landkreis auch in Zukunft zusammenarbeiten.“ Fest steht aber aus seiner Sicht, dass im Kreis die Messlatte für Genehmigungen sehr hoch liege. „Das bestätigen mir Investoren, die bundesweit unterwegs sind, immer wieder.“

Was die Bauplaner in den Rathäusern und die Architekten vermissen, ist ein einheitliches Vorgehen: Zwar gebe es die sogenannte Antragskonferenz, bei der sich Kommune, Planer und Genehmigungsbehörde an einen Tsich setzen, „aber glauben Sie mal nicht, dass wir danach wissen, welche Gutachten wir für das Projekt benötigen und vorlegen müssen“, sagt frus­triert ein Gemeindedirektor aus dem Ostkreis. Im Gegenteil: Eigene Gutachten würden oft nicht anerkannt, Entscheidungen auf den Kopf gestellt. Vor allem für die Planer sei das oft eine ziemlich peinliche Situation: „Die werden regelrecht bloßgestellt!“

Amelinghausens Samtgemeindebürgermeister Helmut Völker kann die Kritik seines Kollegen nur allzu gut verstehen. Die Schwierigkeiten seien immer wieder Thema in der Runde der Hauptverwaltungsbeamten. „Da gibt es in der Kreisverwaltung ein Problem!“, stellt Völker fest, Hemmnisse, „die Kraft, Geld, Zeit und Resourcen kosten.“ Die Kreisverwaltung müsse sich in diesem Sektor strategisch und organisatorisch verändern.

Dem wird wohl auch jener Geschäftsmann in der Samtgemeinde Ilmenau kaum widersprechen wollen, der seit 2014 auf die Baugenehmigung für die Erweiterung seines bestehenden Marktes wartet — ein Anbau von 300 Quadratmetern. Nicht die Welt, sollte man meinen. Der Unternehmer musste sich eines Besseren belehren lassen. Gutachten müssten zuhauf erstellt werden — angefangen von einem Belichtungskonzept für das Nachbarhaus über ein neues Regenentwässerungskonzept bis hin zu einem Gutachten, das belegt, dass die Vergrößerung seines Betriebes keine negativen Auswirkungen auf die Geschäftswelt in Barendorf und in Melbeck hat.

Denn Deutsch Evern ist zwar einwohnermäßig der größte Ort in der Samtgemeinde Ilmenau, gilt aber laut Raumordnungsprogramm aus dem Jahre 2003 nur als Grundzentrum — mit entsprechend geringen Entwicklungsmöglichkeiten. Der Deutsch Everner hat alle Unterlagen, Gutachten und Konzepte besorgt — und hofft nun, endlich die ersehnte Baugenehmigung zu bekommen. Eigentlich sollte der Anbau schon 2015 fertig sein.

4 Kommentare

  1. Die Stelle wird der Landrat so oft ausschreiben dürfen, bis er schwarz wird. Welcher Bauingenieur ist den heutzutage so dämlich und geht noch in den öffentlichen Dienst, ohne Weihnachts- und Urlaubsgeld, wenn die Wirtschaft solche Fachkräfte händeringend sucht und direkt von der Uni weg rekrutiert? Bei entsprechend hohen Gehaltsangeboten, versteht sich. Was da an „qualitätvollen“ Führungskräften für den öffentlichen Dienst übrig bleibt, kann sich jeder selbst ausrechnen. Und so jemand, der/die in der Privatwirtschaft nicht zum Zuge gekommen oder womöglich gescheitert ist, soll bei der Kreisverwaltung einen über Jahrzehnte lang verkrusteten selbstherrlichen Beamtenapparat aufbrechen und für neuen Schwung sorgen? Wovon träumen die Herren Nahrstedt und Krumböhmer eigentlich nachts?

    • Jörg
      auch wenn sie es nicht glauben, schnelles geld ist nicht alles. es gibt menschen die mehr wert auf sicherheit legen. nachhaltigkeit ist im leben eine feine sache. besonders, wenn es einem selbt betrifft. was die hohen gehaltsangebote betrifft, diese schraube ist schon festgezogen. ich empfehle die andere richtung. man hat dann auch mehr vom leben. mitnehmen ,ins grab, kann eh nur ein pharao und dann auch noch zu glauben, es geht so weiter wie gehabt.

      • @ Klaus Es geht nicht „um´s schnelle Geld“. Der Arbeitnehmer muss auch seine Rechnung bezahlen… hat Träume… hat Verpflichtungen. Sie würde natürlich die gleiche Arbeit für 1000Euro weniger im Monat machen. Das ehrt Sie !! Aber in dieser Luxus-Situation sind nicht viele. Ich würde auch gerne nur beim Öko-Bauern einkaufen, Fair-Produkte kaufen, Elektro-Autos fahren,… ABER ich habe viele Mäuler zu stopfen. Und da muss ich (leider) für 1200Euro mehr im Monat die selber Arbeit machen, wie in einer Behörde.

        • Ron
          ich habe nicht von hungerlöhnen gesprochen. wenn ich auf tausend euro verzichten würde, hätte ich gar kein geld. ich passe in keine schublade. wenn sie viele mäuler zu stopfen haben, gratuliere ich erstmal und drücke ihnen die daumen, dass sie es auch weiterhin schaffen können. und wer nicht ständig auf die werbung und stimmungsmache durch unsere gesellschaft reinfällt ,kann aber viel geld sparen.