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Dorothea von Estorff, umrahmt von Sabine und Christian von Estorff, vor der  Gutskapelle Barnstedt, die im Sommer umfassend restauriert wird. Foto: oc
Dorothea von Estorff, umrahmt von Sabine und Christian von Estorff, vor der Gutskapelle Barnstedt, die im Sommer umfassend restauriert wird. Foto: oc

Gutskapelle Barnstedt wird ab Juli restauriert

oc Barnstedt. Es ist diese tiefe Liebe zur Musik. Und es ist ein Ort, der wie geschaffen ist, der Musik einen Raum zu geben, in dem sie nachhaltig wirken kann. „Ein Kraftfeld“, sagt Dorothea „Dorle“ von Estorff, die seit 30 Jahren Konzerte in der Gutskapelle anbietet. Ein Kraftfeld für die Musiker, für die Zuhörer, aber auch eines, das viele Kräfte fordert. Ein starker Verein steht im Hintergrund, auch öffentliche Förderer wissen zu schätzen, was in der Kapelle geschieht, und nun wird viel Kraft benötigt, um die Kapelle für die Zukunft zu sichern. Mehr als 200000 Euro wird die fällige Restaurierung kosten.

Geht Dorle von Estorff zurück zum Beginn der 30 Jahre Kapellenkonzerte, kommt sie schnell bei Wilhelm Kempff (1895-1991) an. Kempff war einer der bedeutendsten Pianisten seiner Generation, Freundschaft brachte ihn nach Barnstedt, wo er Hauskonzerte spielte und Impulse dafür gab, doch auch öffentliche Konzerte auf dem Lande zu veranstalten. Hinzu kam, dass vor genau 30 Jahren die Gutskapelle von Klaus und Dorothea von Estorff für 150000 Mark umfassend in Stand gesetzt wurde. Für Förderer war schon damals wichtig, dass die Kapelle auch genutzt wird. Eine Orgel wurde errichtet, die Kapelle dient Gottesdiensten, wird seither für Trauungen genutzt und seit 1986 auch für Konzerte. Zu diesem Zweck gründeten von Estorffs den Musischen Förderverein Barnstedt.

Für das erste Konzert wurde die Flötistin Annette von Stackelberg verpflichtet und erkrankte. So eröffneten die Geigerin Gabriella Györbiro und Cembalistin Jutta Dreesen die Gutskapellenkonzerte. Annette von Stackelberg kam ein halbes Jahr später und dann noch oft, sie gab in Barnstedt auch Kurse für ihre Schülerinnen. Im Rückblick erinnert sich Dorle von Estorff gern daran und besonders gern an die Lesungen mit Gert Westphal, „sie waren unglaublich intensiv“, sagt sie. Und sie erinnert an das 20-jährige Bestehen, als das Amaryllis Quartett Kompositionen von Wilhelm Kempff spielte.

Seit einigen Jahren ist die nächste Generation nach vorn gerückt. Christian von Estorff steht dem Verein vor und freut sich, dass die 120 Mitglieder eine treue Basis für die Konzertreihe bieten. Das Programm stellt Sabine von Estorff mit der Gründerin zusammen, und sie sorgt auch für den reibungslosen Ablauf, wie er sich in drei Gästebüchern spiegelt. Darin schwärmen die Künstler vom Ort und seiner Aura.

Die rund 100 Gästen Platz bietende denkmalgeschützte Kapelle, 1593 errichtet, wurde 1731 auf Rollen an ihren heutigen Standort versetzt. In dem Gotteshaus finden sich noch ältere Schätze, die Glocke stammt aus der Zeit um 1390, hing einst in St. Cyriakus Lüneburg. Die Eingangstür aus der Zeit um 1550 gehörte zur Lüneburger Lambertikirche. Für Kunsthistoriker von besonderem Reiz aber ist die Deckenmalerei, die den Eindruck gemauerter Quader erweckt. Dass es genau 1593 sind, entsprechend dem Gründungsjahr, könnte ein gelangweilter Konzertbesucher nachzuzählen versuchen. Es wird ihm nicht gelingen, die Konzerte sind nicht langweilig.

Das 30. Jahr wird also durch die im Sommer startende Restaurierung ein besonderes. Allerdings auch ein kürzeres, denn es stehen nur vier Punkte auf dem Programm. Ab Juli kommen die Handwerker und Restauratoren. „Der Giebel vorn ist marode, ein Balken in sich zusammengesackt, ein anderer gebrochen, kurz: Es besteht Handlungsbedarf“, sagt Christian von Estorff. Das Lüneburger Architektenbüro Henschke Schulze Reimers hat einen detaillierten Plan zur Sanierung vorgelegt, und von Estorff freut sich, „dass alle von uns angefragten Institutionen bei der Förderung einsteigen.“ Rund 150000 Euro aus öffentlichen Töpfen fließen in die Restaurierung mit dem Ziel: „Die Kapelle soll ein lebendiges Gebäude, ein besonderer Ort bleiben.“ Und 2017 wieder Konzerte bieten.

Das sind die Barnstedt-Termine 2016, immer um 17 Uhr beginnend

Sonntag, 3. April: Julian Arp (Violoncello) und Caspar Frantz (Klavier) spielen Musik von Johann Sebastian Bach, Franz Schubert, Robert Schumann und Wilhelm Berger.

Sonntag, 1. Mai: Ein Klaviertrio mit Rahel Maria Rilling (Violine), Sara Maria Rilling (Viola) und Heiko Holtmeier (Klavier) interpretiert Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Max Bruch und Schumann.

Sonntag, 19. Juni: Unter dem Motto „Vier Jahreszeiten“ erklingt Musik von Antonio Vivaldi, Pietro Baldassare, Giuseppe Torelli und Astor Piazzolla. Es musiziert die Hamburger Camerata mit Christoph Semmer (Trompete) und Gustav Frielinghaus (Violine, Leitung).

Sonntag, 3. Juli: Bodecker und Neander präsentieren „Das Beste aus 20 Jahren“ ihrer stillen Kunst aus Magie, Poesie, Musik und Humor.