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Der Rat der Hansestadt Lüneburg hat in einer kurzfristig anberaumten Sitzung beschlossen, das Glockenspiel durch eine moderne Verstärkeranlage und MP3-Dateien zu ersetzen. Foto: t&w
Der Rat der Hansestadt Lüneburg hat in einer kurzfristig anberaumten Sitzung beschlossen, das Glockenspiel durch eine moderne Verstärkeranlage und MP3-Dateien zu ersetzen. Foto: t&w

April, April! Rathausglockenspiel wird durch MP3-Datei ersetzt

Wir lösen nun unseren Aprilscherz auf.  Wie hat es Ihnen gefallen?  

Die LZonline-Redaktion

 

lz/ba Lüneburg. Im Zuge der Sanierung des Glockenspiels auf dem Lüneburger Rathausturm (LZ berichtete) wurde jetzt festgestellt, dass die Reparatur und der Ersatz defekter Glocken erheblich teurer werden würden als ursprünglich veranschlagt. Der Rat der Stadt hat deshalb in einer kurzfristig anberaumten Sitzung beschlossen, das Glockenspiel durch eine moderne Verstärkeranlage und MP3-Dateien zu ersetzen.

Die Porzellanglocken bleibe selbstverständlich hängen, jedoch werden sie nicht mehr mechanisch angeschlagen. Der Ton wird durch die elektronische Konserve ersetzt. Foto: t&w
Die Porzellanglocken bleiben selbstverständlich hängen, sie werden jeodoch nicht mehr mechanisch angeschlagen. Der Ton wird durch die elektronische Konserve ersetzt. Foto: t&w

Das Glockenspiel wurde 1958 im unteren Teil des Rathausturmes installiert. Die Porzellanglocken wurden in Meißen in der damaligen DDR produziert, und das Glockenspiel sollte die Verbundenheit der Deutschen in Ost und West symbolisieren. Die Glocken aus Meißner Porzellan und die lederbespannten Holzklöppel erwiesen sich jedoch als sehr empfindlich. Ersatz für beschädigte Glocken war teuer. Um Beschädigungen zu vermeiden, wurde das Glockenspiel deshalb bislang im Winterhalbjahr regelmäßig abgestellt. Nach der jetzt angestrebten elektronischen Aufrüstung soll das anders werden. Die Lieder des in Lüneburg geborenen Komponisten Johann Abraham Peter Schulz, die regelmäßig morgens, mittags und abends im Sommerhalbjahr erklangen, sollen als MP3-Dateien elektronisch gespeichert werden und über versteckt im oberen Teil des Rathausturms angebrachte Lautsprecher ganzjährig über dem Lüneburger Marktplatz und seiner Umgebung erschallen.

Das Tourismusbüro der Stadt Lüneburg und das Lüneburger Citymanagement (LCM) begrüßten die elektronische Modernisierung ausdrücklich: „In den letzten Jahren hat sich die Zahl der Lüneburg-Besucher vervielfacht, und viele Gäste der Stadt sind enttäuscht, wenn sie das Glockenspiel im Winterhalbjahr nicht hören können.“ Auch Oberbürgermeister Mädge und die Stadtkämmerei sind für die Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Es sei zwar zunächst ein fünfstelliger Betrag für die Anfertigung akustisch hochwertiger MP3-Dateien und die Installation der Elektronik und der Lautsprecher nötig, diese Investitionen würden sich aber schnell amortisieren, weil das Glockenspiel dann nicht mehr jährlich aufwändig gewartet und repariert werden müsse. Die Porzellanglocken würden selbstverständlich hängen bleiben, jedoch nicht mehr mechanisch angeschlagen werden, sondern der Ton durch die elektronische Konserve ersetzt werden.

Stadtführer, die bislang auch Führungen zu den Drehorten der Fernseh-Soap „Rote Rosen“ anboten, regten an, an den Wochenenden, an denen viele Touristenführungen stattfinden, um 14 Uhr auch die Erkennungsmelodie dieser Fernsehserie als Glockenspiel erklingen zu lassen.

Es melden sich jedoch auch bereits erste kritische Stimmen zu diesem Vorhaben. Der Arbeitskreis Lüneburger Altstadt (ALA) kritisierte, dass eine elektronische Darbietung des Glockenspiels mit einem authentischen Denkmalschutz nicht vereinbar sei. Funktionäre der Vertriebenenverbände monierten, dass die Außerdienststellung der Meißner Porzellanglocken eine Geringschätzung der historischen Bemühungen um ein geeintes Deutschland bedeuten würden.

Vertreter der AfD äußerten sich empört, dass für Flüchtlingsunterkünfte Millionenbeträge ausgegeben würden, während die etablierten Parteien im Rat kein Geld zur Erhaltung deutschen Porzellan-Kulturguts bereitstellen würden.

Glockenspiel im Rathausturm:

7 Kommentare

  1. Man gut das heute der 1. April ist…sonst sind viele enttäuscht…

  2. Und ich dachte, dass nur der Vamos-Umzug in den Ratskeller (Print-Ausgabe) dem Datum geschuldet ist …

    • Dirk
      wussten sie schon, dass es noch einen ratskeller in lüneburg gibt? er befindet sich unter der lz. dort ist regelmäßig richtig was los. immer wenn die journalisten raten wollen, treffen sie sich dort. heutzutage muss man ja so vorsichtig sein, man könnte beim raten abgehört werden.

  3. Würde, auch wenn das ein Aprilscherz sein sollte, gern die Mp3 Datei haben, um diese 300 Km entfernt ab und an zu hören.

    Lieben Dank vorab

    Leo

  4. @Redaktion: Ist denn der Vamos-Umzug in den Ratskeller (Print-Ausgabe) ebenfalls ein Aprilscherz?

    Zwar durchaus überzeugend geschrieben, aber an wummernde Disco-Bässe im historischen Gemäuer, einen Beach-Bereich außen und Parkplätze auf dem Marktplatz mag ich dann doch nicht glauben …