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Die Leuphana-Filiale in Celle ist offenbar vom Tisch. Die Uni hatte die Idee zwar öffentlich vorgestellt, aber nach Informationen des Wissenschaftsministeriums nie einen Antrag auf Genehmigung eines Studiengangs oder für Fördermittel gestellt. Foto: A/t&w
Die Leuphana-Filiale in Celle ist offenbar vom Tisch. Die Uni hatte die Idee zwar öffentlich vorgestellt, aber nach Informationen des Wissenschaftsministeriums nie einen Antrag auf Genehmigung eines Studiengangs oder für Fördermittel gestellt. Foto: A/t&w

Leuphana: Filiale in Celle vom Tisch

ap Lüneburg. Für das Wintersemester 2017 wollte die Lüneburger Universität ihr berufsbegleitendes Angebot auf Celle ausweiten. Dort sollte ein Fernstudium mit Präsenzzeit für Meister und qualifizierte Fachkräfte im Bereich Ingenieurswissenschaften aufgebaut werden. Im September sollte ein Pilotdurchgang starten. Doch die Pläne liegen nun vorerst auf Eis: „Die Überlegungen haben sich in der zunächst angedachten Form nicht verwirklichen lassen“, äußerte Uni-Pressesprecherin Dörte Kahn gegenüber der Celleschen Zeitung. Voraussetzung wäre unter anderem eine Finanzierung aus Drittmitteln und eine entsprechende Genehmigung des Ministeriums gewesen.

Die Fraktion Die Linke/BSG in Celle hat sich nun mit einer Anfrage an die Stadt gewandt, will wissen, warum der Rat darüber nicht informiert worden sei. Zuletzt habe es schließlich geheißen, dass die Kooperation mit der Leuphana in die konkrete Phase der Antragstellung für EU-Fördermittel trete. Auch die außerplanmäßigen Aufwendungen für einen Personalkostenzuschuss in Höhe von 30000 Euro an die Leuphana hatte der Celler Rat im September 2015 bewilligt. Im gleichen Atemzug sei die Lüneburger Uni dazu angewiesen worden, Unterlagen anzufertigen, die die Lehrpläne, Infrastruktur und Kapazitäten beschreiben.

Das Studium in Celle hätte an die Professional School der Leuphana, ein Weiterbildungsangebot für ein Bachelor-, Master- oder Zertifikatsstudium, das derzeit rund 1000 Studenten nutzen, angegliedert werden sollen.

Wieso werden die Pläne nun nicht weiter verfolgt? Und was passiert mit den bereits bewilligten 30000 Euro? Myriam Meißner, Pressesprecherin der Stadt Celle, gibt sich auf LZ-Nachfrage bedeckt: „Die Pläne in zitierter Form werden so momentan nicht weiterentwickelt. An den Ideen wurde bis in den September hinein festgehalten, von der Stadt wurden Mittel bereitgestellt und entsprechende Antragsstellungen vorbereitet, es ist dann aber nicht zur Beauftragung der Universität gekommen.“ Der Grund dafür sei, dass sich in weiterführenden Gesprächen eine „womögliche veränderte Schwerpunktbildung herauskristallisiert“ hätte, die zunächst Vorrang habe. Mehr könne sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Geld sei bislang aber noch nicht geflossen.

Lüneburgs Uni-Pressesprecher Henning Zühlsdorff sagt, dass eine Zweigstelle in Celle bislang „nie mehr als eine Idee“ gewesen sei. „Von Anfang an war klar, dass die Uni nur bei einer Finanzierung über Drittmittel tätig werden kann. Die Voraussetzung war also, dass die Finanzierung klappt und dass das Land einverstanden ist“, erklärt er. Der genaue Grund für das frühe Ende der Verhandlungen sei ihm nicht bekannt, die verschiedenen Ansprechpartner befänden sich noch im Osterurlaub.

Doch weder wurde überhaupt ein Antrag für eine Genehmigung des Studiengangs beim Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) noch ein Antrag für EU-Fördergelder von universitärer Seite gestellt. „Wenn die Universität einen neuen Studiengang plant, muss sie einen Antrag bei uns einreichen“, erklärt Margit Kautenburger, Pressesprecherin des Ministeriums, auf LZ-Nachfrage. Grundsätzlich habe das Ministerium keine Bedenken gegen Weiterbildungsangebote, „mit Blick auf den demografischen Wandel ist es aber sinnvoller, bereits vorhandene Hochschulstandorte und Kompetenzen zu stärken und auszubauen, statt neue Standorte aufzubauen“.

Über den Lüneburger Campus hinaus weiterzubilden, war stets ein Ziel der Uni. Noch im vergangenen Februar hatte Prof. Dr. Jörg Terhechte im Interview mit der LZ gesagt, dass er von Schulungszentren in anderen deutschen Städten träume und das Fernstudium die Zukunft der Weiterbildung sei. Das Vorhaben in Celle schien auf detaillierten Plänen zu beruhen.

Noch im Januar 2015 bei einem Treffen zwischen dem Celler Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende und Holm Keller, dem ehemaligen Vize-Präsidenten der Leuphana, war ein Standort für die Zweigstelle im Gespräch: die ehemalige Briten-Kaserne an der Hohen Wende. Dort sei auch genug Platz, um Studenten bei vier- bis fünftägigen Präsenzblöcken eine Übernachtungsmöglichkeit zu bieten. Generell solle der Unterricht in Celle aber über digitale Fernlehre ablaufen. Dem Celler Konversionsbeauftragten Wolfgang Schucht zufolge sei vor allem der östliche Teil der Kaserne für das Uni-Projekt geeignet. Er sähe die Leuphana aufgrund ihrer „Erfahrungen mit Standort-Konversion“ als idealen Partner.

Nutzung der ehemaligen Kaserne

Ab dem 1. August soll in der ehemaligen Kaserne in Celle eine Zuwanderungsagentur Platz finden. Diese entstehe aber nicht anstelle einer Zweigstelle der Lüneburger Universität, „sondern an anderer Stelle auf dem Areal“, versichert Celles Stadtpressesprecherin Myriam Meißner. Die Agentur soll auf drei Säulen basieren: einer Notunterkunft für Flüchtlinge, eine zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge, die der Stadt dauerhaft zugewiesen werden, und Bildung und Qualifizierung von Beginn an zur Vorbereitung auf den deutschen Arbeitsmarkt. Zur Zeit laufen Vorgespräche mit möglichen Kooperationspartnern, neben der Arbeitsagentur, der Volkshochschule und der IHK ist auch die Lüneburger Universität unter den Bildungsträger-Kandidaten.