Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Eine Beschwerde über die Vergabe von Ingenieursleistungen bremst die Pläne für schnelles Internet im Kreis Uelzen aus: Eine Mitbieterin im Ausschreibungsverfahren hatte die Vergabekammer Lüneburg eingeschaltet und Recht bekommen. Foto: dth
Eine Beschwerde über die Vergabe von Ingenieursleistungen bremst die Pläne für schnelles Internet im Kreis Uelzen aus: Eine Mitbieterin im Ausschreibungsverfahren hatte die Vergabekammer Lüneburg eingeschaltet und Recht bekommen. Foto: dth

Zwangspause für Breitbandausbau

emi Uelzen/Bienenbüttel. Rückschlag für das Projekt „schnelles Internet im Landkreis Uelzen“: Ursprünglich sollte im April in Bienenbüttel die Vorvermarktung für höhere Breitbandgeschwindigkeiten beginnen, jetzt kann sie frühestens nach den Sommerferien in Angriff genommen werden. Grund für die rund fünfmonatige Verzögerung sind Auseinandersetzungen über die Vergabe von Ingenieursleistungen.

Die Vergabekammer in Lüneburg hat das europaweite Ausschreibungsverfahren gestoppt, mit dem ein Ingenieurbüro gefunden werden sollte. Nun muss die Vergabe neu aufgerollt werden das hat nicht nur zeitliche, sondern auch finanzielle Konsequenzen. Etwa 25000 Euro hatte der Landkreis Uelzen für den ersten Anlauf ausgegeben, jetzt muss er noch einmal in die Tasche greifen.

Nach den Plänen der Uelzener sollen bis 2019 Unternehmen und Haushalte in allen unterversorgten Gebieten, den sogenannten weißen Flecken, landkreisweit mit Geschwindigkeiten von mindestens 50 Mbit/s versorgt sein. Begleiten soll den Aufbau des Glasfasernetzes in den nächsten drei bis vier Jahren ein Ingenieurbüro. Es soll den Kreis etwa bei der technischen Feinplanung, der Ausschreibung der Tiefbauleistungen und der Bauüberwachung unterstützen. Doch bei der Beauftragung des Büros gibt es jetzt Probleme.

Eine Mitbieterin im Ausschreibungsverfahren hatte die Vergabekammer in Lüneburg eingeschaltet. Sie ist unter anderem der Meinung, dass das Ende 2015 ausgewählte Ingenieurbüro über mehr Informationen verfügt als die anderen Bieter und deshalb ein kostengünstigeres Angebot abgeben konnte. Die Lüneburger Kammer hat der Mitbieterin zum Teil Recht gegeben. Die Bieter werden nun aufgefordert, erneut ein Angebot abzugeben.

Marlis Kämpfer, Leiterin der Stabsstelle Wirtschaftsförderung Uelzen, sagt: „Wir haben zunächst erwogen, die Entscheidung der Vergabekammer durch das Oberlandesgericht Celle überprüfen zu lassen. Wir haben uns aber dagegen entschieden, um das Projekt nicht weiter zu verzögern.“

Doch schon jetzt ist der Zeitplan um fünf Monate zurückgeworfen. Bienenbüttels Bürgermeister Dr. Merlin Franke bedauert die Verzögerung. In seiner Gemeinde soll mit der Vermarktung und dem folgenden Ausbau begonnen werden. „Die Entwicklung ist natürlich schade“, sagt Franke, „es liegt jedoch eindeutig nicht am Landkreis, der hier hervorragende Arbeit leistet, sondern an den aus meiner Sicht viel zu bürokratischen und aufwendigen Vergabeverfahren.“

Wie dringend Betriebe und private Haushalte schnelles Internet benötigen, ist Uelzens Landrat Dr. Heiko Blume bewusst. Er versichert: „Der Landkreis wird das Glasfaserprojekt weiterhin mit Hochdruck vorantreiben. Vielleicht können wir die dreimonatigen Vorvermarktungsphasen sogar um einen Monat verkürzen.“

Jüngst hatte der Kreis Uelzen im Zuge des geplanten Glasfasernetzes einen ersten Bewilligungsbescheid über 50000 Euro als Beratungsförderung durch das Bundesverkehrsministerium erhalten, einen zweiten Bescheid für die Infrastrukturförderung erwartet der Kreis innerhalb der nächsten Wochen. Auch die Signale der Europäischen Investitionsbank für einen zinsgünstigen Kredit seien laut Kreis positiv.

Vorteile des glasfaserbasierten Internets

Voraussetzung für den Breitbandausbau im Kreis Uelzen ist, dass in allen elf Clustern mindestens 60 Prozent der unterversorgten Haushalte und Unternehmen einen Vorvertrag über die Nutzung des Glasfasernetzes des Landkreises abschließen.

Der Physiker Wolfgang Schlaak vom Fraunhofer-Heinrich-Hertz-Institut wird am Dienstag, 19. April, um 19 Uhr im Ratssaal des Rathauses Uelzen, Herzogenplatz 2, einen Vortrag zu den Vorteilen des glasfaserbasierten Internets halten, der an plastischen Praxisbeispielen darstellt, was mit schnellem Internet möglich ist.

Anmeldungen für alle Interessierten werden erbeten unter folgender E-Mail-Adresse: wifoe@landkreis-uelzen.de