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Wilfried Riegel beobachtet, dass immer mehr Sträucher und Hecken aus der Landschaft verschwinden. Foto: kre
Wilfried Riegel beobachtet, dass immer mehr Sträucher und Hecken aus der Landschaft verschwinden. Foto: kre

Wilfried Riegel kämpft für den Erhalt von Heckengehölzen

kre Brietlingen. Wilfried Riegel lebt seit frühester Kindheit in Brietlingen. Er kennt hier jeden Baum, jeden Strauch, jede Hecke. Das heißt, er kannte sie. Denn viele Heckengehölze sind aus der Landschaft verschwunden. Sie wurden zurückgeschnitten, abgeholzt, zugeschüttet: „Der Umgang mit der Natur ist eine Schande“, empört sich der 69-Jährige und deutet mit einer Bewegung über die Feldflur: „Noch vor wenigen Jahren war fast jedes Feld durch Gehölze unterteilt. Jetzt sieht das aus, als hätte hier eine Hausfrau alles besenrein gemacht!“

Riegel ist jetzt richtig in Fahrt: „Ich zeige Ihnen etwas“, sagt er und zückt einen Bildband über Brietlingen. Auf einer Aufnahme sind auch Hecken gut zu erkennen. Gehölze, die Lebensraum bieten für Vögel und Insekten, die den Wind brechen, Bodenerosion vermindern und für ein gesundes Kleinklima sorgen. Doch die meisten dieser Hecken gibt es nicht mehr, stattdessen landwirtschaftliche Ödnis, unterbrochen nur von „Alibi“-Gewächsen. Der Anblick erinnert an ein lückenhaftes Gebiss, bei dem nur noch einige, wenige Zähne vorhanden sind. Kein schöner Anblick, doch Riegel fürchtet noch schlimmere Auswüchse. „Diese letzten Heckenreste werden auch verschwinden.“ Weil sie seiner Meinung nach einer intensiven Landwirtschaft im Wege stehen. „Wenn Flächen zusammengelegt werden, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Hecken weichen müssen“, bedauert der Brietlinger, der diese Entwicklung auch andernorts beobachtet.

„Die Menschen haben keinen Respekt vor der Natur“, bedauert Riegel — und offenbar auch wenig vor den Naturschutzgesetzen. Denn viele dieser Gehölze stehen als landschaftsprägende Elemente unter besonderem Schutz. „Wer sie trotzdem beseitigen möchte, braucht dazu eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde“, erklärt Sigrid Ruth vom Landkreis. Wer dagegen verstößt, muss mit doppeltem Ärger rechnen: „Wir informieren in diesen Fällen auch die Landwirtschaftskammer“, sagt sie.

Doch auch, wenn der Landkreis Fällen von Naturschutzfrevel nachgeht, sofern er davon erfährt, scheint das so manchen Landwirt trotzdem nicht davon abzuhalten, die Kettensäge anzuwerfen. Schon gar nicht, wenn im Dorf das Osterfeuer lockt. „Hier wurde eine Eiche gefällt und die dünnen Äste, die sich nicht verwerten ließen gleich da drüben beim Osterfeuer verbrannt“, sagt Riegel und blickt zu einem großen Haufen noch glimmender Asche auf der anderen Straßenseite. Für ihn sind solche Feuer eine Einladung, das Gestrüpp zu beseitigen. Für den Brietlinger ist es keine Frage, „dass Osterfeuer auf ein Minimum reduziert gehören“.

„Früher war nicht alles, einiges aber doch, besser“, sinniert Riegel. Die Natur sei vielfältiger gewesen. 300 Pflanzen seien ihm spontan eingefallen, die spurlos aus der freien Natur verschwunden seien — vom Wiesenschaumkraut bis zu Orchideenarten. „Schade“, sagt Riegel, der jetzt auch das Verschwinden der Hecken hinnehmen muss.