Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Anke Blanck auf ihrer kleinen Tinker-Farm inmitten ihrer Lieblinge. Alle Pferde auf dem Hof seien ihr ans Herz gewachsen, sagt sie. Einige, an denen sie ganz besonders hängt, würde sie nach ihrem Tod gerne einäschern lassen. Foto: phs
Anke Blanck auf ihrer kleinen Tinker-Farm inmitten ihrer Lieblinge. Alle Pferde auf dem Hof seien ihr ans Herz gewachsen, sagt sie. Einige, an denen sie ganz besonders hängt, würde sie nach ihrem Tod gerne einäschern lassen. Foto: phs

Letzte Ruhe für Pferde reformiert

off Oerzen. Nach 22 gemeinsamen Jahren trifft Anke Blanck die Entscheidung, Abschied zu nehmen. Wochenlang hat sie mit angesehen, wie ihre Stute leidet, wie Arthrose und körperliche Gebrechen jede Bewegung für Haga zur Qual machen. An einem Freitag greift die Oerzenerin schließlich zum Telefon, erst wählt sie die Nummer des Tierarztes, dann die der Tierkörperbeseitigung. Ihr graut vor dem, was kommt. Vor dem Moment, in dem der Tierarzt Haga die tödliche Spritze setzt — und fast genauso vor dem Augenblick, in dem der Lkw vorfährt und den toten Körper ihrer Stute mit dem Kran auflädt. Doch eine Alternative sieht die Oerzenerin nicht. Tote Ponys und Pferde müssen in Deutschland aus Schutz vor Seuchen beseitigt werden — einäschern oder bestatten ist verboten. Zumindest noch.

Auf Wunsch vieler Pferdehalter hat der Bund eine Gesetzesänderung angeschoben, um die Ausnahmegenehmigung zur Einäscherung von Haustieren auch auf Pferde auszuweiten. Anfang März hat das Bundeskabinett grünes Licht gegeben, im dritten Quartal 2016 soll die Änderung des Tierische-Nebenprodukte-Beiseitigungsgesetzes voraussichtlich in Kraft treten. Von da an können dann neben Haustieren wie Hunden und Katzen auch Pferde in Deutschland eingeäschert werden — „vorausgesetzt auch die zuständige Behörde vor Ort stimmt zu“, sagt ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums.

Anke Blanck hätte ihre Stute Haga gerne verbrennen lassen und ihre Asche an einem schönen Ort vergraben. „Das kann wahrscheinlich jeder verstehen, der mal gesehen hat, wie ein geliebtes Pferd abgeholt wird.“ Doch die Möglichkeit hat die Oerzenerin damals gar nicht erst in Betracht gezogen. „Pferde wurden entweder geschlachtet oder zu Hause eingeschläfert und beim Abdecker weiterverarbeitet“, sagt sie.

Erst seit einigen Jahren ist das Einäschern von Pferden zum Thema geworden, wurden Unterschriften für eine Gesetzesänderung gesammelt. Die Nachfrage wächst. Erste Unternehmen bieten Pferdehaltern diese Möglichkeit in Deutschland mittlerweile bereits an — bringen die toten Pferde zur Einäscherung allerdings in die Niederlande oder die Schweiz. Die Kosten dafür liegen je nach Größe und Gewicht des Tieres zwischen mehreren Hundert Euro und deutlich mehr als 2000 Euro.

In den Niederlanden dürfen Pferde schon seit mehr als zehn Jahren verbrannt werden. Offenbar ein lohnendes Geschäft, denn allein ein Ofen in entsprechender Größe kostet nach Schätzungen eines deutschen Anbieters zwei bis drei Millionen Euro. Ob auch in Deutschland jemand das nötige Geld für eine solche Investition in die Hand nimmt, bleibt abzuwarten. Erlauben würde es die Gesetzesänderung. Doch erst wenn die Anlage gebaut ist, gäbe es tatsächlich die Möglichkeit, Pferde auch in Deutschland einäschern zu lassen.

Anke Blanck betreibt in Oerzen heute eine kleine Tinker-Zucht, ihr Herz hängt inzwischen an all ihren Pferden. „Wenn ich könnte, würde ich sie eines Tages alle einäschern lassen“, sagt sie. „Doch das wird sich kaum finanzieren lassen.“ Einige ihrer Pferde allerdings bedeuten der Oerzenerin besonders viel. „Wenn ich mich von denen irgendwann verabschieden muss, wird die Einäscherung eine Option sein.“ Die gesetzlichen Grundlagen zumindest gibt es demnächst.