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Im Internet spielen sie die große Liebe vor - bis sie wegen einer angeblichen Notlage plötzlich dringend Geld brauchen: Love-Scamming nennt die Polizei diese Betrugsmasche. Foto: phs
Im Internet spielen sie die große Liebe vor - bis sie wegen einer angeblichen Notlage plötzlich dringend Geld brauchen: Love-Scamming nennt die Polizei diese Betrugsmasche. Foto: phs

Lüneburgerin um 74000 Euro betrogen

ca Lüneburg. Der Mann wirkte so sympathisch, als ihn die Rentnerin im Internet kennenlernte. Auch ein Treffen lief sehr harmonisch, er lud die Dame ein. Bezahlte das Essen, schickte Blumen. Die Lüneburgerin erinnere ihn an seine Mutter, sagte der angebliche Juwelier. Doch dann gab es ein Problem. Er habe Immobilien im Ausland veräußert. Bei der finanziellen Transaktion in Richtung Deutschland forderten die Behörden ihren Anteil. Tja, und leider sei er gerade nicht so flüssig. Die Seniorin bot hilfsbereit ein Darlehen an. Jetzt ist sie um 74000 Euro ärmer. Von dem freundlichen Schmuckhändler hat sie seither nichts mehr gehört.

Für Hauptkommissarin Eleonore Tatge und ihre Kollegen kein Einzelfall. Eine andere Lüneburgerin verlor durch ihre Hilfsbereitschaft beinahe 8000 Euro. Die Polizistin warnt angesichts solcher Fälle vor sogenanntem Love-Scamming, also Liebes-Betrug ein Phänomen, das immer weiter um sich greift. Opfer werden nicht nur alleinstehende Frauen, sondern auch Männer. Ihnen ist es peinlich, dass sie sich haben hereinlegen lassen, der Gang zur Polizei gleiche einer Niederlage.

Die Kommissarin weiß: „Viele blicken ein wenig arrogant auf die Opfer im Glauben, einem selber wäre so etwas Gefühlsduseliges nie passiert.“ Doch diese Betrachtungsweise teile sie nicht. Denn die Gauner, oftmals bandenmäßig organisiert, gingen berechnend und mit Zeit vor. Der Kontakt laufe auch nicht unbedingt über die bekannten Portale der einsamen Herzen, sondern zum Teil über Wirtschafts-Kontaktbörsen, bei denen eine Liebelei eigentlich keine Rolle spielt. „Die Täter schaffen Vertrauen“, sagt Eleonore Tatge. „Da kommen morgens über das Portal oder bei Whats-App Grüße und über den Tag weitere Botschaften.“ Das seien Floskeln, die dann an verschiedene Adressaten geschickt würden. Auch Telefonate fänden ab und an statt.

Männer geben sich oftmals als Ingenieure, Architekten, Soziologen oder Computerspezialisten aus. Die Täterinnen spiegeln vor, Krankenschwestern, Ärztinnen, Lehrerinnen oder Geschäftsfrauen zu sein. Auf Bildern blicken einem Prachtkerle und Schönheiten entgegen. Doch oftmals sind diese Fotos gestohlen. Die angeblichen Partner nennen Adressen aus aller Welt. Doch nach Erkenntnissen der Polizei betreiben die Männer ihr Geschäft mit dem vermeintlichen Gefühl vor allem aus Westafrika. Die Damen, die sich zuhauf als Russinnen ausgeben, können tatsächlich auch in Südamerika, Afrika oder Thailand zu Hause sein wenn es denn überhaupt Frauen sind. So sagen die angeblich besten Freunde oder Fern-Geliebten vereinbarte Treffen immer wieder in letzter Minute ab, weil dummerweise etwas dazwischen gekommen sei.

„Die Opfer melden sich erst spät bei uns“, sagt Eleonore Tatge. Genau das ist ein Problem: Das Geld ist weg, die Kriminellen sind schwer zu packen. Es sei ähnlich wie beim Enkel-Trick. Auch dort wird am Telefon Vertrauen geschaffen oder eine Notlage vorgegaukelt, um Senioren Bargeld abzuknöpfen. Wenn die Polizei rechtzeitig Bescheid weiß, kann sie bei einer Geldübergabe zugreifen.

Doch auch dann dürfte sie nur die kleinen Fische angeln. Denn die Hintermänner sitzen im Ausland. „An dieses Netzwerk kommen wir kaum heran“, räumt die Beamtin ein. Denn die Täter säßen im Ausland, gleiches gelte für Computer und Server. Zudem gebe es Verschlüsselungen, sodass manche Spur kaum bis zum Ende zu verfolgen sei. Es bestehe, obwohl viele solcher Straftaten bekannt sind, keine spezielle zentrale Einheit, die in solchen Verfahren bundesweit ermittelt.

In einem der beiden aktuellen Lüneburger Fälle hatten Opfer und Polizei allerdings Glück: Weil die Ermittler rechtzeitig informiert wurden, konnte ein Tatverdächtiger festgenommen werden.

One comment

  1. Ich möchte in diesem Zusammenhang auf die Webseite http://www.romantikbetrug.com hinweisen, dort gibt es die Möglichkeit für Betroffene, sich zu informieren über das Phänomen sowie die Möglichkeit, über die dort genannte Mail Adresse in Kontakt zu jemanden zu kommen, der eine online Selbsthilfegruppe hat, wo man sich unter anderem mit weiteren Betroffenen austauschen kann und nicht völlig in der Luft hängt.