Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Foto: phs
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Streit um die Currywurst

ca Lüneburg. „Gehste inne Stadt, wat macht Dich da satt? Ne Currywurst“, sang einst Herbert Grönemeyer. Und die Wurst in pikanter Sauce — am besten mit einer Schachtel Kartoffelstäbchen — macht nicht nur den Kunden satt, sondern auch den Meister am Grill. Auf dem Lüneburger Marktplatz teilen sich unter der Woche im Sieben-Tage-Wechsel zwei Wurst-Maxen den Stand. Nun hat sich ein dritter Kandidat gemeldet, auch er will künftig Kulinarisches aus der Friteuse an den Kunden bringen. Doch sein Wunsch fand kein Gehör, nun hat der Imbiss-Betreiber in spe Klage vor dem Verwaltungsgericht eingereicht. Das bestätigt die Stadt.

Der Streit um die heiße Ecke begann mit einer Bewerbung des Mannes. Er wollte aus dem Würstchen-Duo, das sich seit den 80er-Jahren auf dem Markt abwechselt, ein Trio machen. Aus dem Verwaltungssitz, quasi in Geruchsweite vom begehrten Ort entfernt, kam aus dem Verwaltungsausschuss das Rauchzeichen: Er möge sich mit den beiden anderen Betreibern einigen. Die wollten — was wenig überrascht — den Neuen nicht mit offenen Armen empfangen, sondern sagten: „Nein.“

Ohne Einigung unter den drei Wurstbrätern wurde die Zulassung des neuen Interessenten abgelehnt. Daraufhin soll der Mann Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht haben. Allerdings liege noch keine Begründung des Ansinnens vor und somit auch noch kein Termin für eine Verhandlung.

Noch ist nicht abzusehen, wie der Zwist an der Theke ausgeht. Hoffentlich nicht wie bei Grönemeyer: „Bisse dann richtig blau, wird Dir ganz schön flau, von Currywurst. Rutscht dat Ding Dir aus, gehse dann nach Haus, voll Currywurst, aufm Hemd, auffer Jacke, Kerl wat ist dat ne k… alles voll Currywurst.“

6 Kommentare

  1. Bin der meinung ein anziehungs punkt sind unsere imbisse nicht ( teilweise Personal ) Wo bleibt die kleidung ? im schmudiligen franzen pulover ? dann sollte die stadt nicht nur auf die hohe pacht schauen , auch mal auf verkaufs preise , was jetzt echter wucher ist für eine wurst . ( außen ansicht – – – – – – ) lasst einen neuen drauf der platz ist groß .

  2. Da hat der Autor aber alles gegeben. Ist das Kunst oder kann das weg?

    • Jetzt mal gaaanz langsam, Currywurst. Nicht jeder LZ-Autor ist in der Lage, drei miteinander rangelnden Frittenwirten einen literarischen Hotdog dieser Güteklasse zu servieren. Herr Eggeling weiß, dass ein Kulturgenuss mit poetischen Qualitätsansprüchen nicht nur aus einem aufgewärmten Fabriciuswürstchen in einem länglichen, meist weichen Allusionsbrötchen bestehen kann, das üblicherweise zuvor getoastet oder über kochendem Klassikersud gedämpft wird. Nein, Carlos Liedermacherbedeutsamkeit wird zur Hälfte der Länge nach aufgeschnitten und mit Zitaten erhitzt. Danach legt er das heißgebrühte Themen-Wienerli hinein und garniert es mit den lokalen Anspielungssaucen (Marktplatz, Verwaltung, Gericht etc.). In Skandinavien streut man in der Regel noch Röstzwiebeln und verteilt gegebenenfalls einige Scheiben Gewürzgurken darüber. Häufig werden auch noch weitere Zugaben, etwa Sauerkraut oder Salat, in das Sandwich gegeben. Doch unserm Stadtredakteur reichen Herbert Arthur Wiglev Clamor aus Clausthal-Zellerfeld und ein gehöriger Schuss vorbeiwehender Frühlingshormone.

  3. Frank Henschel

    Wann fährt der Servicegeist in die Kritiker der Imbissbudenbetreiber vorm Bauamt des Landkreises Lüneburg?

  4. Spring is in the air

    Mit Einzug des Frühlings stehen sie wieder in ihren rollenden Slumhütten (Très chic!) oder silberfarbenen Retro-Citroen-Transportern in Wellblech-Optik auf den Marktplätzen und Jahrmärkten des Landes herum, um ihre mit dem Bleinudelholz auf Nanometerstärke ausgewalzten, hoffnungslos überteuerten Weißmehlpampefladen unters kulinarisch unkundige Volk zu bringen: die Flammkuchen-Betrüger. Billigste Klischees bedienend, kleben sich diese Halunken falsche Schnurrbärte an, setzen sich Made-in-China-Baskenmützen auf die Rüben und delektieren sich an den mit derart anspruchslosem Handfraß eingefahrenen Riesengewinnen. Besonders dreiste Exemplare unter diesen Gaunern offerieren gar Tiefkühlware vom Discounter, zu erkennen an der kreisrunden Form der Fladen und der darauf geklatschten Analog-Crème-fraîche, meist bestehend aus billigem Rasierschaum oder Moltofill. Schlauere Betrüger täuschen Eigenherstellung vor, indem sie unregelmäßig ausgestanzte Teigrohlinge vom Großhändler belegen und weiterverticken. Übrigens: Der einzig zulässige Belag für Flammkuchen besteht aus Zwiebeln und Speck, Paprika ist beim „Flammkuchen klassisch“ bereits zuviel! Weil davon natürlich niemand satt wird, finden sich häufig Bißspuren auf den Servierbrettern. Dazu trinkt man übrigens Weißwein, auf keinen Fall Bier, denn das ist der zwingende Begleiter zur Pizza! Fun Fact zum Schluß: Der Flammkuchen wurde von Soldaten der französchischen Fremdenlegion erfunden, die ihn mit Flammenwerfern zubereiteten, daher der Name. „Guten“ Appetit!

    Gerd