Aktuell
Home | Lokales | Enne Wienecke backt außergewöhnliche Torten
Ihre Kleider sind auch im Wortsinne geschmackvoll: Enne Wienecke backt ungewöhnliche Torten.  Im Finale eines Wettbewerbs auf Europas größter Messe für kreatives Gestalten hat sie mit ihrem Hochzeitskleid den zweiten Platz belegt. Foto: Westfalenhallen Dortmund GmbH
Ihre Kleider sind auch im Wortsinne geschmackvoll: Enne Wienecke backt ungewöhnliche Torten. Im Finale eines Wettbewerbs auf Europas größter Messe für kreatives Gestalten hat sie mit ihrem Hochzeitskleid den zweiten Platz belegt. Foto: Westfalenhallen Dortmund GmbH

Enne Wienecke backt außergewöhnliche Torten

ap Lüneburg. Enne Wienecke fühlt sich nicht krank, ist aber trotzdem mit einem Virus infiziert. „Dem Torten-Virus“, klärt die 29-Jährige auf und strahlt. Die Lüneburgerin backt für ihr Leben gern süßes Naschwerk. Nicht klassische Torten wie Schwarzwälder-Kirsch, Buttercreme oder Sachertorte, sie bevorzugt das Extravagante. Mit einem essbaren Hochzeitskleid belegte Enne Wienecke nun im „Queens Battle“ auf der Creativa 2016, Europas größter Messe für kreatives Gestalten, den zweiten Platz.

Acht Teilnehmer aus sechs Bundesländern hatten sich bei Wettbewerben als Finalisten qualifiziert. Auf der Messe mussten die Frauen in 20 Stunden ein Hochzeitskleid gestalten. „Als die Anfrage kam, hatte ich sofort eine Idee“, erinnert sich die Lüneburgerin. „Ich würde es auch selbst tragen.“ Das Kleid, das Enne Wienecke mit filigranen Federn aus Fondant bestückt hat, symbolisiere für sie Eleganz und Freiheit.

Morgens um 8 Uhr startete das Wett-Dekorieren, das bei ihr und ihren Kontrahentinnen aber zu keiner Zeit Konkurrenzdenken ausgelöst habe. „Wir haben uns gegenseitig beim Ausstechen geholfen, das war ein Miteinander.“ Die Hobby-Konditorin arbeitete im Gegensatz zu vielen anderen nicht nach Skizzen, sondern frei Hand, denn Malen sei nicht gerade ihre Stärke. „Ich habe die Zuckermasse ausgerollt, ausgestochen, wieder ausgerollt, bearbeitet und mit Air Brush besprüht“, erklärt sie. Die Lebensmittel-Spritzpistole für 200 Euro habe sie sich erst kürzlich gekauft — nur eines von vielen teuren Hilfsmitteln.

Die Reaktionen der Messe-Besucher, die alles aus nächster Nähe verfolgten, sei „unfassbar“ gewesen, erzählt sie noch immer ganz überwältigt. Platz 1 verpasste sie zwar, der ging an eine Konditormeisterin. Doch enttäuscht sei sie nicht gewesen. „Ich glaube, mein Kleid war nicht modisch genug, ich habe andere Schwerpunkte gesetzt“, sagt Wienecke. Schon die Teilnahme sei ein tolles Erlebnis gewesen. „So etwas gab es vorher noch nicht in Deutschland.“ Außerdem sei der Wettbewerb eine persönliche Herausforderung gewesen. „Eigentlich lebe ich nach dem Motto: je abgedrehter, desto besser“, das Klassische reize sie eigentlich nicht. Deshalb gehört auch Downhill-Fahren, zu deutsch die Bergabfahrt, und Bungee Jumping zu ihren Hobbys. „Das ist mein Kontrastprogramm.“

Vor zwei Jahren erst entdeckte Enne Wienecke das Backen für sich, über die vegane Ernährung kam sie dazu. Seither sind auch alle ihre Torten frei von tierischen Produkten. Seit sie für einen Freund zu dessen Geburtstag einen süßen Hamburger buk, sei sie quasi wie im Rausch. Die gelernte Hotelfachfrau, die heute ihr Geld in einem Steuerbüro verdient, wirbelt fast wöchentlich in ihrer Küche, davon profitieren stets ihre Kollegen und die Firma ihres Freundes. „Durch das Schlachtfeld in der Küche kam ich auf den Namen Cakeguerilla“, klärt sie auf, so habe sie auch ihre Facebook-Seite genannt. „Ich breite mich immer überall aus, zum Glück haben wir eine große Küche.“

Ihr Grundrezept verrät die 29-Jährige gern: veganer Biskuit, Ganache, Fondant, Buttercreme, Füllung je nach Laune und „viel Geduld und Spucke“. Zu Geburtstagen gibt es für Freunde und Verwandte keine Geschenke, sondern individuell maßgeschneiderte Torten. So ließ sie die Jacke eines befreundeten Oberfeldwebels zu einem Zucker-Oberteil werden. „Allein ein Kilo Fondant kostet zwölf Euro, eine ganze Torte so zwischen 20 und 30 Euro, die Arbeitszeit nicht mitgerechnet.“ Der Job einer Konditormeisterin reizt Enne Wienecke zwar, würde sie aber auch weitere fünf Jahre Ausbildung kosten. „Deshalb verschenke ich meine Torten lieber.“

Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt — ein guter Ausgleich zum Büroalltag. Sie zauberte schon „Mucki“ den Igel, das Schloss „Grayskull“ aus He-Man mit Nebelschwaden, prächtige Hochzeitstorten, ein essbares Afrika mit verschiedenen Tieren und selbst hergestelltem Zuckerglas, den Clownfisch Nemo, „Unicorn“, das pinke Einhorn und vieles mehr. „Wenn ich ein cooles Motiv sehe, kommt mir schnell eine Idee für eine neue Torte.“

Bald steht hoffentlich auch ihr Traum-Hochzeitskleid in ihrem Wohnzimmer. „Ich will die Veranstalter fragen, ob sie dafür noch Verwendung haben“, sagt Enne Wienecke. Schimmeln könne das Kleid nicht, solange es nicht in Kontakt mit Feuchtigkeit komme. „Es trocknet dann komplett aus — und ich kann es immer sehen.“