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Der Rahmen ist jünger als das Bild von Bertha Schrader, erläutert Klaus-Dieter Müller (l.). Axel Charon (hinten) lauscht aufmerksam. Foto: t&w
Der Rahmen ist jünger als das Bild von Bertha Schrader, erläutert Klaus-Dieter Müller (l.). Axel Charon (hinten) lauscht aufmerksam. Foto: t&w

Lüneburger lassen ihre Kunstwerke schätzen + + + Mit Video

as Lüneburg. Ein Ölgemälde, das die Elbe bei Schloß Pillnitz zeigt, ist seit vielen Jahren im Familienbesitz von Axel Charon. Im Internet hatte sich der Lüneburger bereits zu dem Kunstwerk etwas schlaugemacht, wollte jedoch Expertenrat hinzuziehen bei der Frage, ob es sich lohne, das Gemälde zu verkaufen und welchen Preis er erzielen könnte. Charon steuerte deshalb am Sonnabend das Museum an, wo der Kunstsachverständige Klaus-Dieter Müller Bewertungen und Schätzungen von Bildern, Porzellan, Plastiken und vielem mehr vornahm. Der Ansturm auf dieses Angebot war enorm.

Die ersten Interessenten standen mit ihren Objekten bereits eine halbe Stunde vor dem Start um 10 Uhr vor der Tür. Bei Sigrid Weihser, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Museums, gab es Nummern, die nacheinander aufgerufen wurden. Pro Besucher, der bis zu fünf Objekte mitbringen durfte, hatte man im Vorfeld zehn Minuten veranschlagt. Während der Wartezeit konnte man auf Entdeckungstour durchs Museum schlendern oder auf der „schönsten Terrasse Lüneburgs“, so das Urteil Sigrid Weihsers, einen Kaffee genießen und dabei einen Blick auf den Veranstaltungskalender des Museums werfen. Bereits am frühen Nachmittag musste die Liste geschlossen werden, da die Aktion bis 17 Uhr terminiert war.

Axel Charons Gemälde stamme von Bertha Schrader aus Dresden, datiert auf 1894, sagte Müller. Gemälde von ihr würden hin und wieder versteigert werden. Dafür, dass wenig angeboten werde, gebe es hohe Schätzpreise. Wenngleich die Malerei eher durchschnittlich sei, so sei ein vergleichbares Bild vor zehn Jahren für 2000 Euro versteigert worden. Ein anderes kleinformatiges Gemälde habe sogar 7000 Euro erzielt. „In der derzeitigen Marktsituation würde ich sagen: 1500 Euro hierfür. Ich würde Ihnen empfehlen, es noch reinigen zu lassen.“ Auf die Frage von Charon, welche Auktionshäuser Müller empfehlen könne, gab es noch zwei Tipps. Der Lüneburger zeigte sich hochzufrieden: „Der Besuch hat sich gelohnt.“

Müller ist seit Jahren unabhängiger Schätzer und Kunstsachverständiger. Er arbeitet unter anderem auch für die Internetplattform Auctionata sowie die beliebte ZDF-Sendung „Bares für Rares“. Der in Deutsch Evern lebende Experte war auf das Museum zugekommen mit der Idee, eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Prof. Dr. Heike Düselder, Leiterin des Museums, zeigte sich davon begeistert. „Wir haben oft Anfragen zu Objekten, aber nicht die Recherche-Möglichkeiten und den breiten Überblick über die vielen Objekt-Gruppen.“

Brigitte Witthöft hatte ein Modell-Schiff mitgebracht, das einst ihrem inzwischen verstorbenen Onkel gehörte. Beim Entrümpeln und Sortieren ist es ihr nun in die Hand gefallen. „Falls es jemand haben möchte, würde ich gerne wissen, was es wert ist“, sagt die Adendorferin. Auf den Segeln der „vermutlichen Kogge“ prangen das Wort Lüneburg und ein Niedersachsenross und auch den Bug ziert der Schriftzug Lüneburg. Müller erklärt, dass das Stück zur Jahrtausendfeier der Stadt Lüneburg in kleiner Serie hergestellt worden sein könnte. „Es ist ansehenswert, man kann sich darüber unterhalten, aber es hat keinen materiellen Wert.“ Für Brigitte Witthöft keine Enttäuschung. Locker nimmt es auch Ursula Nilsson, als sie erfährt, dass die Vase in Kobaldtblau, die mit Blattgold und üppigen Blumenmotiven verziert ist, nur einen geringen Wert hat. „20 bis 30 Euro. Wenn sie mal zerbrechen sollte, muss ich mich also nicht ärgern“, sagt sie mit einem Lächeln. Was genauso wichtig ist: Das Stück hat einen wunderschönen Erinnerungswert für Brigitte Witthöft, sie bekam die Vase von ihrer Tante 1977 zur Hochzeit geschenkt.

Für Dr. Düselder sind die Geschichten, die die Besitzer zu den Objekten erzählen, „spannend“. Aus Sicht des Kunstsachverständigen gab es „einige tolle Stücke, aber auch viel Kitsch“. Aber auch solche Dinge hätten einen nicht zu unterschätzenden ideellen Wert. Dr. Ulfert Tschirner, Kurator Kultur, hatte neben Müller Platz genommen, „denn für uns vom Museum war auch interessant, ob Dinge einen kulturhistorischen Wert haben, und was wir eventuell in Ausstellungen aufnehmen könnten“.

Nicht museumsreif, dafür aber ein „außergewöhnlich schönes Modell“ nannte Müller die Dampfmaschine, die Alfons Czech ihm präsentierte. Czech, der leidenschaftlich Radios sammelt, hatte die 65 Jahre alte „Dampfmaschin“ von einem Freund vor 45 Jahren geschenkt bekommen. „Was würden Sie dafür schätzen?“ war auch seine Frage an Müller. „600 Euro. Wenn Märklin draufstehen würde, gäbe es mehr.“ Czech meinte mit einem Schmunzeln: „Meine Infos: nicht unter 1500 Euro.“ Müller empfahl: „Versuchen Sie es bei der ZDF-Sendung Bares für Rares vor laufender Kamera.“ Czech war übrigens bis zur Rente bei dem Mainzer Sender als Cutter beschäftigt.