Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Die Fähre Elbe, die zwischen Hitzacker und Bitter pendelt, ist zu einem echten Politikum geworden. Die Stadt Hitzacker sähe an dieser Stelle lieber eine Autofähre. Foto: rg
Die Fähre Elbe, die zwischen Hitzacker und Bitter pendelt, ist zu einem echten Politikum geworden. Die Stadt Hitzacker sähe an dieser Stelle lieber eine Autofähre. Foto: rg

Anleger-Affäre geht auf Sendung

rg/emi Hitzacker. Zur vergangenen Saison war die „Elbe“ für 110000 Euro generalüberholt worden. Seit Ostern pendelt Niedersachsens kleinste Elbfähre nun wieder zwischen Hitzacker und Bitter, bringt Radfahrer, Spaziergänger, kleinere oder größere Lasten von einem Elbufer zum anderen. Doch das Schiff ist zu einem echten Streitfall geworden. Und der kommt jetzt auch ins Fernsehen. Am Mittwoch, 6. April, befasst sich die RTL-Sendung „Stern TV“ mit der Affäre um einen teuren, neuen Anleger in Bitter — unter dem Gesichtspunkt der Steuergeldverschwendung.

Das Problem: Die klamme Stadt Hitzacker hat für rund 350000 Euro am Ostufer der Elbe in Amt Neuhaus einen neuen Anleger gebaut — konzipiert für eine Autofähre. Doch der Anleger wird bis heute nicht genutzt; der Betreiber der „Elbe“, die Hafen Hitz­acker GmbH, hat nicht vor, die aktuelle Personen- und Lastenfähre zu ersetzen. Zwar meinen Rat und Verwaltung der Stadt, die Hafen Hitzacker GmbH sei vertraglich verpflichtet, eine Autofähre zu betreiben. Der Betreiber sieht das jedoch ganz anders. Weil offenbar der Vertrag zwischen Stadt und Gesellschaft ungenau formuliert ist, hat die Stadt schlechte Karten. Auch wenn man das im Stadtrat noch nicht wahrhaben will.

Wahrscheinlich ist, dass die „Elbe“ noch viele weitere Jahre zwischen Hitzacker und Bitter pendeln, Radfahrer, Spaziergänger und hin und wieder sicherlich auch mal Fracht von einem Ufer ans andere bringen wird. Für 1,50 Euro pro Person, 2,80 pro Radfahrer — Preise, die seit zehn Jahren die gleichen sind. Denn Geld, das weiß man bei der Hafen Hitzacker GmbH, lässt sich mit der Fähre ohnehin nicht verdienen.

Sie war und ist ein Zuschussgeschäft, privat finanziert, ohne öffentliche Mittel. Ein weiterer Grund, warum es wohl in Hitz­acker niemals eine Autofähre geben wird. Denn die, weiß Hafen Hitzacker-Eigentümer und CDU-Stadtratsmitglied Peter Schneeberg, würde ein noch deutlich größeres Defizit einfahren, das sein Unternehmen tragen müsste.

Die kuriose Geschichte um den nicht genutzten Anleger ist schon der zweite Fall aus Hitz­acker, den „Stern TV“ unter dem Gesichtspunkt der Steuergeldverschwendung thematisiert. Erst kürzlich ging es in der Sendung um die Sanierung des Weinbergs. Auch dabei kommt die Stadt Hitzacker nicht gut weg. Denn die Verantwortlichen hatten — trotz schlechter Finanzlage — den örtlichen Weinberg gründlich saniert und für eine knappe halbe Million Euro eine neue Treppenanlage, Geländer, Bänke und Mülleimer angeschafft. War es wirklich notwendig, teuren chinesischen Granit für die Stufen zu verwenden und ein Geländer aus Stahl zu bauen statt wie bisher aus Holz, fragte der Reporter.