Aktuell
Home | Lokales | Schwaches Licht ärgert Barendorfer
Helmut Schütz hat mit seinem Messgerät die Helligkeit von Straßenlampen in Barendorf kontrolliert und ist mit den Ergebnissen alles andere als zufrieden. Foto: be
Helmut Schütz hat mit seinem Messgerät die Helligkeit von Straßenlampen in Barendorf kontrolliert und ist mit den Ergebnissen alles andere als zufrieden. Foto: be

Schwaches Licht ärgert Barendorfer

kre Barendorf. Wenns dunkel wird in Barendorf, wartet Helmut Schütz vergebens auf Erleuchtung. Obwohl die Straßenlampen brennen — „nur leider ziemlich funzelig“, findet der 77-Jährige. Ein subjektiver Eindruck? Schütz kann seine Kritik belegen. Er hat sich ein Messgerät besorgt, das die Beleuchtungsstärke (Lux) misst.

Dabei hatte die Gemeinde nur Gutes im Sinn, als sie 9000 Euro in die Anschaffung der neuen Leuchtmittel investierte und knapp 100 Straßenlampen im Ort auf moderne LED-Lampen umrüstete. Dadurch sollen der Energieverbrauch minimiert und Stromkosten gespart werden. „Gut gemeint ist nicht gut gemacht“, schimpft Schütz und zückt sein Lux-Messgerät. Der Tag neigt sich dem Ende entgegen, die Dunkelheit bricht über Barendorf herein. Zeit für Helmut Schütz, sich aufzumachen, um „Barendorfs dunkle Ecken“ auszumessen.

In der Straße „Am Mühlenkamp“ macht er zwei Lampen aus, die nur noch mit vier Lux leuchten. „Wenigstens die anderen bringen es noch auf zehn bis zwölf Lux“, stellt der Barendorfer fest. Auch in der Dorfstraße entdeckt er Leuchten, die aus seiner Sicht diesen Namen nicht mehr verdienen, seit sie mit LED-Leuchtmitteln ausgestattet wurden. Schütz zieht ein erstes Fazit: „Die umgerüsteten Lampen geben jetzt 50 Prozent weniger Licht. Und Lampen, die nur vier Lux abgeben, liegen sogar noch unter der Norm, die für die Notbeleuchtung für Fluchtwege gilt.“ Dass der Gemeinderat trotzdem die Umrüstung forcierte, kann Helmut Schütz nicht nachvollziehen. Zumal er dem Gemeinderat nach eigenen Worten angeboten hatte, bei einem Rundgang die problematischen Lampen zu zeigen. „Das wurde aber nicht gemacht“, bedauert er.

Nun gibt es für alles eine Norm — auch für die Beleuchtung von Straßen, Wegen und Plätzen, die in der DIN EN 13201 geregelt ist. Logisch, denn die wichtigste Aufgabe der Straßenbeleuchtung besteht darin, Fußgänger, Radfahrer und Kraftfahrer in den dunklen Stunden vor Schäden an Leib, Leben und Gesundheit zu schützen. Schließlich werden durch eine gute Straßenbeleuchtung Personen, Hindernisse und Gefahrenquellen auf oder an der Fahrbahn rechtzeitig erkannt.

Dass die neuen Lampen manchen Bürger nicht hell genug scheinen, hört Barendorfs stellvertretender Gemeindedirektor Volker Behr zum ersten Mal: „Da hat sich bisher noch keiner bei uns beschwert“, sagt der Verwaltungsmann, der sich vor allem über die unterschiedlichen Messergebnisse von Schütz wundert, denn: „Alle umgerüsteten Straßenlampen haben die gleichen Leuchtmittel erhalten.“ Ergo müssten sie auch mit der gleichen Intensität strahlen. Behrs Vermutung: „Möglicherweise sind einige der Lampenschirme verschmutzt.“ Dann wirke das Licht natürlich weniger intensiv. „Wir werden das prüfen und die Lampenschirme gegebenenfalls reinigen“, verspricht der stellvertretende Gemeindedirektor.

In Wendisch Evern — dort ist Behr Gemeindedirektor — wurden ebenfalls Lampen umgerüstet. Zuvor allerdings fand eine Testphase statt: In der Bergstraße stehen sechs Pilzleuchten. Eine davon hatte Behr mit der neuen LED-Technik bestücken lassen. Die Mitglieder des Rates mussten herausfinden welche. „Keiner hat den Unterschied bemerkt“, ist Behr von den LED-Technik überzeugt, die bis zu 80 Prozent Stromkosten-Ersparnis bringen soll.

Umweltschützer sprechen ohnehin von „Lichtverschmutzung“, von künstlichem Licht in den Städten, die die Nacht zum Tage machen. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat nachgerechnet: In Deutschland werden derzeit pro Jahr etwa 4 Milliarden Kilowattstunden Strom für die öffentliche Straßenbeleuchtung verbraucht — so viel wie rund 1,2 Millionen Privathaushalte zusammen. Das verursache jährlich Stromkosten von etwa vier Euro pro Kopf und circa 500 Millionen Euro im Jahr insgesamt. „Weniger ist da mehr“, findet der Nabu.

2 Kommentare

  1. Ludmilla Erdmann-Döselstedt

    Liebe Barendorfer, bitte ärgert Euch nicht. Wenn endlich der Lückenschluss da ist und die A39 Lüneburg , Barendorf und Wolfsburg verbindet, dann hat bestimmt auch das Beleuchtungskonzept der Autobahnplaner illuminierende Auswirkungen auf Barendorfs „dunkle Ecken“ … Flutlicht, Thujahecken und Rollrasen für alle!

  2. Ich stimme der Aussage des Nabu zu: Weniger Licht ist mehr.

    Es wäre schön, wenn bspw. Lichter in Wohngebieten über Bewegungsmelder oder Druckplatten gesteuert werden würden. Des weiteren sollte bei allen Laternen der Abstrahlwinkel besser kontrolliert werden, so dass bspw. nur Licht nach unten abgestrahlt wird (60° Winkel sollte wohl reichen) und die Hauswände überhaupt nicht angestrahlt werden. Und schon gleich gar kein Licht nach oben abgestrahlt wird.