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Abfälle dürfen nicht in der freien Natur gelagert und abgekippt werden. Diese Erfahrung muss jetzt auch der Besitzer dieses Grundstücks bei Boltersen machen. Foto: kre
Abfälle dürfen nicht in der freien Natur gelagert und abgekippt werden. Diese Erfahrung muss jetzt auch der Besitzer dieses Grundstücks bei Boltersen machen. Foto: kre

Illegale Müllkippe bei Boltersen ruft Landkreis auf den Plan

kre Lüneburg/Boltersen. Alte Autoreifen, Bauschutt, kaputte Eternitplatten, morsches, mit rostigen Nägeln gespicktes Bauholz… achtlos in die Natur geworfen. Frei nach der Devise: Aus den Augen, aus dem Sinn. Die Natur missbraucht als wilde Müllkippe. Mit allen daraus resultierenden Gefahren für die Tier- und Pflanzenwelt. Stefan Bartscht kennt das. Immer wieder landen beim Fachdienstleiter Umwelt und seinen Kollegen von der Lüneburger Kreisverwaltung Hinweise auf solche Fälle von Umweltfrevel. So wie jüngst bei Boltersen. Stefan Bartscht schüttelt über so viel fehlendes Umweltbewusstsein den Kopf und sagt: „Dieses Verhalten ist alles andere als ein Kavaliersdelikt. Den Verursachern droht eine empfindliche Geldstrafe.“

Grundsätzlich gilt: Bauschutt und Abfälle jedweder Art haben in der freien Landschaft nichts verloren. Wer trotzdem auf diese vermeintlich kostengünstige Weise seinen Dreck entsorgt, verstößt gegen das Abfallrecht.

Dennoch scheint das viele Zeitgenossen nicht zu stören: Gedankenlosigkeit, Bequemlichkeit oder schlicht Geiz sind wohl die Gründe, warum Umweltfrevler lieber heimlich den Wald statt die Deponie der GfA in Bardowick anfahren, um ihre Abfälle loszuwerden. Von abgeschlagenen Fliesen, über zerdepperte Toiletten und Waschbecken bis hin zu Autobatterien, alten Klamotten, vergammelten Lebensmitteln oder benutzen Windeln — es gibt so gut wie nichts, was nicht illegal in Feld, Wald und Flur landet. Selbst rostige Kanister mit Altöl und umweltgefährdenden Flüssigkeiten müssen die Räumtrupps aus dem Wald holen.

Das mangelnde Umweltbewusstsein lässt sich mit Zahlen belegen: Im vergangenen Jahr registrierten die Behörden 72 illegale Müllablagerungen im Landkreis mit zusammen 2070 Kilogramm. 2014 waren es sogar noch mehr: Bei 111 illegalen Müllentsorgungen kamen 3,5 Tonnen Unrat zusammen, die letztlich auf Kosten des Gebührenzahlers eingesammelt und bei der GfA in Bardowick entsorgt werden mussten. Denn das ist die Krux an der Sache. Können die Verursacher nicht ermittelt werden, muss die Allgemeinheit für die Entsorgung über die Müllgebühren aufkommen. Da kommt schnell eine ziemlich stattliche Summe zusammen. Pro Jahr zwischen 15.000 bis 20.000 Euro“, rechnet Gerhard Schreyer von der GfA vor. Er ist überzeugt: Wenn die Bürger das wüssten, würden sie die ertappten Umweltfrevler mit Sicherheit eher anzeigen.“ Denn dann muss der und nicht die Allgemeinheit für die Entsorgung zahlen.

Aber auch in der Stadt Lüneburg wohnen nicht nur umweltbewusste Saubermänner und -frauen: 900 Kilogramm illegal abgelegten Müll holten die GfA-Mitarbeiter alleine 2015 aus der Stadt ab — nur die Spitze des Eisbergs: Denn das meiste sammeln wohl die Mitarbeiter der Abwassergesellschaft Lüneburg (AGL) — auch für die Straßenreinigung in der Universitätsstadt zuständig — auf ihren Touren ein: „Alleine in den ersten drei Monaten dieses Jahres schon 5,5 Tonnen“, rechnet Schreyer vor. Unerträglich stellt sich seinen Worten zufolge die Situation bei manchen Altpapier- und Altglassammel-Containern dar: „Alte gammelige Kleider, zerbrochene Spiegel, selbst Bauschutt mussten wir dort schon einsammeln.“

Dass sich die Umweltfrevler der Gefahr der Strafverfolgung aussetzen, kann Schreyer nun gar nicht nachvollziehen, denn: Die meisten umweltgefährdenden Abfälle nimmt die GfA kostenfrei an. Farbdosen genauso, wie etwa abgelaufene Medikamente, Kleber, Leuchtstoffröhren, Schädlingsbekämpfungsmittel, Säuren und Laugen. Trotzdem werden diese Problemstoffe immer wieder in der freien Natur entsorgt. Mit dem Risiko, die Umwelt zu kontaminieren.

Gartenabfälle gehören nicht in den Wald

Nicht nur Bauschutt, Chemikalienreste und Plastikmüll sind eine Gefahr für die heimische Natur, sondern auch die nicht sachgerechte Entsorgung von Pflanzen, die aus fernen Ländern den Weg in unsere Gärten gefunden haben. Sogenannte Neophyten. Denn was im heimischen Garten vielleicht für etwas Exotik sorgt, kann für die Pflanzenwelt schnell den biologischen GAU bedeuten. Bis hin zur Biotopzerstörung und Bodenerosion. Die negativen Folgen sind in ihrem vollen Ausmaß kaum absehbar.

Fachleute gehen davon aus, das seit der Entdeckung der „Neuen Welt“ etwa 12000 Pflanzenarten nach Europa eingeschleppt wurden. Laut Bundesamt für Naturschutz machen invasive Pflanzenarten etwa zehn Prozent unserer Flora aus.