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Architekt Gunnar Schulze koordiniert und plant die Arbeiten für die Fassade des Pons-Hauses. Foto: t&w
Architekt Gunnar Schulze koordiniert und plant die Arbeiten für die Fassade des Pons-Hauses. Foto: t&w

Das Pons am Lüneburger Stint wird restauriert + + + Mit Video

ca Lüneburg. Fernhändler Clawes Kroger machte gute Geschäfte, deshalb kaufte er 1502 ein Grundstück im Lüneburger Hafen, an der Ecke Lüner und Salzstraße am Wasser. Für einen Kaufmann eine hervorragende Adresse. Der Handelsherr baute neu. „Das Haupthaus wurde 1517 errichtet“, erzählt Architekt Gunnar Schulze. „1589 wurde es aufgestockt und umgebaut.“ Ein Grund dürfte die Brauerei gewesen sein, die laut Lüneburger Denkmaltopographie seit 1573 in dem Gebäude betrieben wurde. Es gab Umbauten und Erweiterungen, so verlagerten spätere Besitzer das Brauhaus 1859 in einen Anbau Im Wendischen Dorf, also gleich um die Ecke.

Jetzt herrscht wieder Bauzeit. Schulze und sein Büro haben die Planungen für die Eigentümer übernommen: Die Seitenfassade zur Lüner Straße erhält neue Schmuckbänder, dazu Verzierungen in Putzfeldern. Ein altes Kranhaus – mit einer Winde wurden Waren in die Lager unterm Dach gezogen – sanieren und restaurieren Handwerker ebenso wie das Mauerwerk. Eine zugemauerte Lukentür machen sie sichtbar, das gilt auch für das Spitzbogenportal an der Eingangstür.

Am Mittwoch haben Männer ein Gerüst für die anstehenden Arbeiten aufgebaut. In den kommenden sieben bis acht Monaten sollen Handwerker Wunden aus der Vergangenheit heilen, etwa die markanten Zierbänder aus Tausteinen wieder in die Fassade einsetzen. Die wurden vor Jahrzehnten abgeschlagen, weil sie beschädigt waren.

Schulze sagt, dass der Eigentümer die Arbeiten auch deshalb erledigen lässt, weil die EU und das Land die Schatulle öffnen. Das Haus steht im Sanierungsgebiet Wasserviertel, daher sind Zuschüsse möglich. Für das Gebäude, in dem die Kneipe Pons die gastronomische Tradition wachhält, fließen 60 Prozent der bislang kalkulierten Kosten. Konkrete Summen nennt Schulze nicht.

Es ist der zweite Bauabschnitt. 2014 wurde bereits die Front, die sich an der Ilmenau erhebt, gründlich saniert. Die Utluchten beispielsweise, also die mit Fenstern versehenen Vorbauten entstanden neu, ihre Vorgänger waren baufällig. Wer genau hinschaut, sieht, dass sie über die Jahrhunderte vermutlich ein Stück nach rechts gewandert seien dürften – ihre Lage passt nicht zur Aufteilung der Fassade. Das spricht dafür, was auch an anderer Stelle an der Hafenfront beobachtet wurde: Die Erde ist über Jahrhunderte in Bewegung.

Die Arbeiten am Pons sind ein Gewinn für das ganze Viertel, in dem viel für die alte hanseatische Anmut getan wird: Nebenan gestaltet Immobilienunternehmer Manfred Schulte den Viskulenhof um, das alte Lösecke-Haus wird wieder aufgebaut, das Nachbargebäude haben die Eigentümer sanieren lassen. Und auch an der nahen Koltmannstraße soll bald ein Haus in seiner ursprünglichen Schönheit erstrahlen.