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Rund 70 Mitarbeiter der Psy­chiatrischen Klinik folgten gestern dem Aufruf der Gewerkschaften zum Warnstreik. Foto: t&w
Rund 70 Mitarbeiter der Psy­chiatrischen Klinik folgten gestern dem Aufruf der Gewerkschaften zum Warnstreik. Foto: t&w

Signal an die Arbeitgeber + + + Mit Video

as Lüneburg. Sechs Prozent mehr für die Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes sind nicht nur notwendig, sondern auch realistisch aufgrund der guten Finanzsituation des Bundes. Das sagte Robert Kirschner, ver.di-Fachsekretär für den Bereich Gesundheit, am Mittwoch bei der Warnstreik-Aktion an der Psychiatrischen Klinik Lüneburg (PKL). „Ihr steht hier mit Fahnen und Westen, um dieser und anderen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Wir hoffen, dass dieses Zeichen bei den Arbeitgebern ankommt und Bewegung in die Verhandlungen bringt.“ Sollte dies nicht so sein, werde man noch weitere Zeichen setzen müssen.

Die Gewerkschaft ver.di und die Gesundheitsgewerkschaft Niedersachsen (GeNi), die den überwiegenden Teil der mehr als 1000 Arbeitnehmer der PKL vertreten, hatten gemeinsam zu dem Warnstreik aufgerufen, nachdem die Arbeitgeber in der ersten Verhandlungsrunde am 21. März nicht bereit waren, ein erstes Angebot abzugeben. Gefordert sind neben sechs Prozent mehr Gehalt 100 Euro mehr Vergütung für Auszubildende sowie deren Übernahme nach erfolgreichem Abschluss. Kirschner machte auch deutlich: „Hände weg von der Altersversorgung.“ Seine Kritik richtete sich auch an Oberbürgermeister Ulrich Mädge, der als Vizepräsident des Kommunalen Arbeitgeber Verbandes Niedersachsen (KAV) an den Verhandlungen teilnimmt, und nach der ersten Runde gesagt hatte: Sechs Prozent seien zu viel, es handele sich um „Mondforderungen“.

Zu dem zweieinhalbstündigen Warnstreik am PKL-Gelände waren rund 70 Mitarbeiter gekommen, um „ein erstes Signal“ zu setzen, wie Karola Soetbeer (29) sagt. Darunter auch Brigitte Wobbe (58), Leiterin der Krankenpflegeschule der PKL. „Mir ist es wichtig, dass Pflegekräfte entsprechend ihrer Leistungen bezahlt werden.“ Das sei eine Voraussetzung, um Pflegekräfte zu gewinnen. „Wir reden immer über Fachkräftemangel, aber wir tun wenig, um gegenzusteuern.“ Punkt zwei ist für sie die Altersvorsorge. „Man kann nicht Leute ein Leben lang arbeiten lassen und sie im Alter schlecht finanziell versorgen.“ Das könne sich eine Gesellschaft nicht leisten. „Ich verbinde mit unserem Beruf eine ethische Haltung dem Patienten gegenüber, aber auch den Mitarbeitern.“

Karsten Witte (54) arbeitet seit 38 Jahren in der Einrichtung am Wienebütteler Weg. Die Arbeitsbelastung sei höher geworden. „Ich finde, dass wir sechs Prozent verdient haben.“ Bei den letzten Tarifrunden seit 2010 habe es erst nur ein Prozent, danach 2,5 Prozent pro Jahr mehr gegeben. Auch er stellt sich hinter die Forderung, dass die Altersversorgung nicht schlechter werden dürfe.

2 Kommentare

  1. Herr Vorragend

    Der Herr mit dem Pullover links und der Aufschrift „Gierig“ gefällt mir am besten!

    • Na ja. Richtig gierig empfinde ich eher diejenigen, die ohnehin schon fürstlich bezahlt werden und dennoch nach mehr verlangen weil sie den Hals nicht voll genug bekommen. Ich denke hier an die Diskussionen um die Bonus-Zahlungen für den Vorstand bei VW. Ethisch oder moralisch darf man darüber gar nicht nachdenken. Es tangiert mich auch weniger, weil es hier um Gelder in der freien Wirtschaft geht.

      Die Tarifverhandlungen um die es in obigem Artikel geht betreffen aber jeden Bürger. Denn alle Beschäftigten werden hier aus öffentlich Mitteln, sprich Steuergeldern bezahlt. Ich frage mich ob es fair ist, dass „normale“ Arbeitnehmer diesen Beschäftigten im öffentlichen Dienst mit ihren Steuerzahlungen eine zusätzliche Altersversorgung finanzieren sollen. Außerhalb des öffentlichen Dienstes muss sich jeder selbst um eine Ergänzung seiner Altersversorgung kümmern und erhält keine Zuschüsse von anderen Bürgern. Ist das gerecht?

      Und wenn ich dann das Video sehe bin ich beeindruckt. Überschlägig waren es höchsten fünfzig Teilnehmer und im Hintergrund lief das normale Leben des Alltags/Werktags weiter. Es wirkt ein wenig wie ein Familienfest zum sechszigsten Geburtstag. Überzeugend jedenfalls nicht.