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Einfamilienhäuser und Mietwohnungen für Senioren plant ein Investor auf diesem Gelände in Wilschenbruch. Im Hintergrund das Neubaugebiet Auekamp. Foto: t&w
Einfamilienhäuser und Mietwohnungen für Senioren plant ein Investor auf diesem Gelände in Wilschenbruch. Im Hintergrund das Neubaugebiet Auekamp. Foto: t&w

Wilschenbruch: Gelände in Wartestellung

us Lüneburg. Noch sieht die Fläche grau und trist aus, doch wenn es nach Uwe Gerner geht, könnte sich das schnell ändern. Der Eigentümer des acht Hek­tar großen Grundstücks am Reiherstieg in Wilschenbruch, auf dem bis vor kurzem noch das ehemalige Kinderheim stand, möchte bauen. Im vergangenen Jahr lag er mit der Stadt im Clinch, sie wollte das leerstehende Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen beschlagnahmen. Vergebens. Uwe Gerner siegte vor Gericht, ließ kurz darauf die Altbauten abreißen, die Stadt hatte das Nachsehen. Jetzt hat sich das Blatt gewendet: Investor Gerner braucht für seine Baupläne die Stadt.

„Wenn man sich schnell einig wird, könnten wir schon bald beginnen und im Herbst 2017 fertig sein“, zeigt sich Gerner zuversichtlich. Er plant dort sechs bis sieben Einfamilienhäuser sowie im vorderen Bereich zur Straße hin einen zweiteiligen Gebäudetrakt mit 15 bis 20 Mietwohnungen für altersgerechtes Wohnen für Senioren, „die auch schon in Wilschenbruch wohnen und dort bleiben wollen, ohne sich aber um Haus und Garten kümmern zu müssen“.

Ob es dazu kommt, ist offen. Laut Bebauungsplan aus dem Jahr 1967 ist für das Grundstück eine Gemeinbedarfsfläche vorgesehen. Sie ermöglichte es, dass dort viele Jahre das ehemalige Kinderhaus der Therapeutischen Gemeinschaft betrieben werden konnte. „Wenn dort eine andere Nutzung vorgesehen ist, müsste zuvor der Bebauungsplan geändert werden“, sagt Suzanne Moenck, Pressesprecherin der Stadt.

Das weiß auch Gerner. Er hatte seine Pläne bereits im vergangenen Sommer der Stadt vorgelegt, „sie sollten kurz darauf im Bauausschuss vorgestellt werden“, erinnert er sich. Dazu kam es nicht, die Stadt hatte wegen der Flüchtlingskrise andere Prioritäten gesetzt. Am Ende verhärteten sich die Fronten zwischen Stadt und Investor wegen der gerichtlichen Auseinandersetzung um die versuchte Beschlagnahmung.

„Der Konflikt war nicht von mir ausgelöst worden“, sagt Gerner rückblickend. Er habe damals im Interesse der Käufer handeln müssen, denen er die Grundstücke im Auekamp auf der gegenüberliegenden Seite der Straße verkauft hatte, auf dem ehemaligen LSK-Gelände. Auch hätte es nicht zu der städteplanerischen Entwicklung gepasst, die gemeinsam mit der Stadt für den Auekamp festgelegt worden sei. Selbst Schadensersatzforderungen der Auekamper hätte er nicht ausschließen wollen. „Außerdem wollte ich mir nicht vorwerfen lassen, als Immobilien-Hai aus der runtergekommenen Immobilie auch noch Profit zu schlagen.“ Im Übrigen habe die Stadt genügend Ausweichquartiere gehabt was die Verwaltung damals anders sah und deshalb vorübergehend die BBS-Turnhalle am Schwalbenberg als Notunterkunft belegen musste.

Gerner möchte die alten Wogen nun glätten, wohlwissend, dass er seine Pläne nicht ohne die Stadt wird umsetzen können. „Ich habe schon damals Verständnis für die Stadt gehabt, und finde, dass sie die Flüchtlingssituation hervorragend managt. Ich musste mich aber damals anders positionieren.“ Nun will er einen erneuten Vorstoß für seine Neubaupläne wagen und kündigt an, in Kürze das Gespräch mit der Stadt suchen zu wollen.

Dort gibt man sich gelassen und reagiert nach Vorschrift: „Wir werden den Bauantrag prüfen wie jeden anderen auch“, sagt Suzanne Moenck. Sollte sich ergeben, dass das Bauvorhaben dem Bedarf und den Anforderungen der Stadt entspricht, sei es üblich, den Bauausschuss einzubinden. „Hier gibt es aber einen Ermessensspielraum der Stadt. Ein Automatismus ist damit nicht verbunden.“

So lange wird sich Gerner an den bunten Frühlingsblumen erfreuen können, die er als Blühstreifenmischung auf dem Grundstück aussäen ließ. „Wir wollten nach den Abrissarbeiten keinen aufgewühlten Boden hinterlassen und die Nachbarn vor Staubentwicklung schützen“, begründet er das gartenpflegerische Engagement.