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Hier wird getastet: Leuphana Masterstudentin Sonja Schulz an der Waschbärstation des Pfad der Sinne im Wildpark Lüneburger Heide. Foto: be
Hier wird getastet: Leuphana Masterstudentin Sonja Schulz an der Waschbärstation des Pfad der Sinne im Wildpark Lüneburger Heide. Foto: be

Wildpark eröffnet „Pfad der Sinne“

pet Nindorf. Bis zu 1000 Mal besser als der Mensch kann der Wolf riechen. Der Waschbär macht sich von seiner Nahrung ein Bild durch das genaue Abtasten mit seinen hochempfindlichen Tatzen. Der Adler könnte mit seinen scharfen Augen aus 100 Metern Entfernung ein Buch lesen – wenn er denn lesen könnte. Welche außerordentlichen Fähigkeiten die Sinnesorgane verschiedener Tiere haben, ist im Wildpark Lüneburger Heide in Nindorf seit dieser Woche ganz praktisch zu erfahren. Nach halbjähriger Bauzeit wurde dort jetzt der „Pfad der Sinne“ eröffnet.

Das Konzept für die neue Attraktion, gelegen zwischen Riesenseeadlervoliere und Wildschweingehege, hat eine Lüneburger Studentin geliefert: Die 26-jährige Sonja Schulz, an der Leuphana Masterstudentin auf Lehramt mit den Fächern Biologie und Englisch. Vermittelt hatte die Zusammenarbeit Prof. Dr. Thorsten Buck von der Leuphana, aktives Mitglied im „Verein Artenschutz Wildpark Lüneburger Heide“. Der Verein, der sich für den Erhalt gefährdeteter Tierarten einsetzt, hat das Projekt dann auch finanziell gefördert.

Praxisnahes Lernen, auch „entdeckenlassendes Lernen“, gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern, habe einen größeren Effekt als das Lernen aus Büchern, erzählt Sonja Schulz. Das hätten Studien ergeben. Diese Erkenntnis ist der eine Effekt, den die angehende Lehrerin mit dem Projekt „Pfad der Sinne“ erreichen will.
Der zweite: Besuchern des Wildparks soll näher gebracht und erlebbar gemacht werden, um wieviel besser als bei Menschen die Sinne bei verschiedenen Tieren ausgeprägt sind. Und auch, dass Tiere die Umwelt komplett anders wahrnehmen als Menschen. Damit könne auch die „Wertschätzung für Tiere“ gesteigert werden, ist sich Wildpark-Geschäftsführer Norbert Tietz sicher.

Acht Stationen hat Sonja Schulz für den „Pfad der Sinne“ entwickelt, die wurden dann vom Team der Wildpark-Pädagogik unter Leitung von Monika Tischbierek gemeinsam mit einfallsreichen Handwerkern umgesetzt. Da kann dann etwa verglichen werden, wie beschränkt das Gehör des Menschen ist, wenn man anschließend die riesige hölzerne Eule betritt und über Hörtrichter die Vögel in den Bäumen oder die benachbarten Wildschweine grunzen hört. Kurz und einfach werden die Stationen an den vom Göttinger Künstler Michael Brand gestalteten Tafeln erklärt, damit es vor allem Kinder leicht haben, den „Pfad der Sinne“ mit Spaß an der Sache zu absolvieren.
Noch aus mehr als 250 Metern gegen den Wind kann der Wolf seine Beute erschnüffeln – wie gut ihr Riechsinn entwickelt ist, können Besucher ausprobieren, wenn sie eine Prise Kaffee, Schafwolle oder auch Curry schnuppern. Und wie sich Pfoten, Tatzen oder Hufe ihrem Untergrund anpassen, können Besucher barfuß auf einem speziellen Pfad erkunden.

Über das rege Interesse der großen und kleinen Besucher freut sich Wildpark-Chef Tietz schon jetzt, da der Pfad erst seit wenigen Tagen in Betrieb ist. „Die Leute biegen vom Weg ab und erkunden, was es da Neues gibt“, hat er schon beobachtet.

Der „Pfad der Sinne“ wird Sonja Schulz im Verlauf ihres Studiums noch weiter beschäftigen. Im Zuge ihrer Masterarbeit will sie einen Fragebogen entwickeln, mit dessen Hilfe sie die Resonanz auf das neue Angebot im Wildpark Lüneburger Heide untersuchen will.