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Beim Mahngang  Gemeinsam gegen Antisemitismus in Bleckede waren gestern rund 200 Teilnehmer dabei. Foto: phs
Beim Mahngang Gemeinsam gegen Antisemitismus in Bleckede waren gestern rund 200 Teilnehmer dabei. Foto: phs

Jüdischen Friedhof ins Zentrum geholt

pet Bleckede. Zwei Orte miteinander verbinden, die für das jüdische Leben in Bleckede stehen, das war das Ziel des „Mahngangs — Gemeinsam gegen Antisemitismus“, zu dem unter anderem die Antifaschistische Aktion Lüneburg/Uelzen und der Deutsche Gewerkschaftsbund für gestern aufgerufen hatten. Treffpunkt war am Mahnmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten Jüdinnen und Juden aus Bleckede im Schlosspark — von dort ging es dreieinhalb Kilometer zum Jüdischen Friedhof. Knapp 200 Menschen, darunter auch eine Gruppe von rund 15 Asylbewerbern, nahmen teil.

Unbekannte hatten Mitte März den Jüdischen Friedhof verwüstet, dabei unter anderem elf Grabsteine zerschlagen. Wer für die Aktion verantwortlich ist, ist weiterhin unklar. Es habe kein Bekennerschreiben gegeben, hatte Polizeisprecher Kai Richter nach der Tat erklärt. Wahrscheinlich sei aus Sicht der Ermittler, dass die Täter aus dem rechtsextremen Bereich kommen. Der polizeiliche Staatsschutz ist in die Ermittlungen eingebunden.

Für Olaf Meyer, Sprecher der Antifaschistischen Aktion, steht die Täterschaft Rechtsextremer allerdings fest. Er verwies auf „neofaschistische Aktivitäten“ in Bleckede, auf „antisemitische Aufkleber und Naziparolen, rassistische Pöbeleien und Übergriffe“. Mit dem „Mahngang“ wollte man seine Solidarität mit den Juden zeigen. Man trete für eine Gesellschaft ein, „in der Jüdinnen und Juden in Deutschland sich nicht vor antisemitischen Attacken fürchten müssen, niemand Angst haben muss, mit einer Kippa auf die Straße zu gehen“.

Unterstützung für den Mahngang hatten im Vorfeld auch das Studierendenparlament und der AStA der Lüneburger Leuphana Universität und das Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland signalisiert.

Esther Bejarano, deutsch-jüdische Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz, erklärte schriftlich: „Ich kann mir nichts Schlimmeres vorstellen, als dass die Erfahrung meiner Generation in Vergessenheit gerät. Dann wären alle Opfer des Faschismus und des Krieges, alles, was wir erlitten haben, umsonst gewesen.“

Die örtliche Bundestagsabgeordnete Hiltrud Lotze (SPD) hatte die Schändung der Grabmäler auf dem Jüdischen Friedhof als „erschreckend und beschämend“ bezeichnet und erklärt: „Es gilt nun, Rechtsextremen und Antisemiten deutlich zu machen, dass sie hier unerwünscht sind.“