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Lüneburg und Müll: Luft nach oben beim Sparen

lz/kre Bardowick. Menschen machen Müll. Allerdings nicht alle gleich viel. Die Einwohner im Landkreis Lüneburg zum Beispiel produzierten 2014 pro Kopf 183,5 Kilo Haus- und Sperrmüll. Was sie in der Teamwertung der deutschen Meisterschaft im Müllsparen nicht für einen Podestplatz qualifiziert: Die Müll-Spar-Meister leben im Kreis Aschaffenburg mit 55 Kilogramm Haus- und Sperrmüll pro Kopf. Mit 128,6 Kilogramm mehr landet der Landkreis Lüneburg abgeschlagen auf Platz 218 unter 393 Müllmachern bundesweit, deren Daten die Statistischen Landesämter ausgewertet haben. Die rote Laterne hat Bremerhaven: 2014 fielen dort 358,7 Kilo Haus- und Sperrmüll pro Kopf an.

Eigentlich produzierten auch die Einwohner im Kreis Lüneburg 2014 mehr Müll als die ausgewiesenen 183,5 Kilogramm pro Kopf. Der Haus- und Sperrmüll lag bei einer Menge von 32692 Tonnen, er ist aber nur ein Teil des gesamten angefallenen Mülls. Die gesamten Haushaltsabfälle, die Haus- und Sperrmüll, Bioabfälle, Wertstoffe und sonstige Abfälle enthalten, beliefen sich auf insgesamt 93 570 Tonnen.

Die Menge des Haus- und Sperrmülls hat im Landkreis Lüneburg seit 2004 zwar stetig abgenommen, ist aber immer noch deutlich höher als im Kreis Aschaffenburg. Dort leben die Meister im Müllvermeiden.
Die Menge des Haus- und Sperrmülls hat im Landkreis Lüneburg seit 2004 zwar stetig abgenommen, ist aber immer noch deutlich höher als im Kreis Aschaffenburg. Dort leben die Meister im Müllvermeiden.

Trotzdem ist Hubert Ringe, Vorstand des kommunalen Abfall-Entsorgers GfA in Bardowick, mit dem Lüneburger Ergebnis und dem praktizierten Sperrmüll-System zufrieden. „Das funktioniert reibungslos. Durch die regelmäßige Abfuhr sorgen wir dafür, dass der Sperrmüll bei uns auf der Deponie und nicht irgendwo im Wald landet.“ Ein so gut funktionierendes Sperrmüll-System könnten längst nicht alle Kreise anbieten, ist Ringe überzeugt.

Die Statistiken der Landesämter sieht er kritisch. „Ein exakter Vergleich ist schwer“, sagt Ringe. Der Trick liege in der Deklaration. Denn Abfall ist nicht gleich Abfall. Wird Abfall als Wertstoff deklariert, kommt er raus aus der Müllmenge. Wie dem auch sei: Insgesamt fielen 2014 im Landkreis Lüneburg pro Kopf 525,3 Kilogramm Haushaltsabfälle an. Zehn Jahre zuvor, 2004, waren es noch 563,9 Kilogramm. Die Menschen in Stadt und Kreis produzieren also weniger Müll.

Schwierig wird es zu erklären, warum die Lüneburger 3,3-mal soviel Müll pro Nase in die Tonne werfen wie die Menschen im bayerischen Kreis Aschaffenburg. Ein Grund ist die föderale Struktur. Gelbe Tonnen, gelbe Säcke, blaue Tonnen, grüne Tonnen, braune Tonnen, Heimkomposter, Glascontainer, Wertstoffhöfe – die Städte und Landkreise in Deutschland organisieren ihre Müllentsorgung sehr unterschiedlich. Und es gibt viele Besonderheiten.

Vergleichen lässt sich aber, wie Spitzenreiter, Schlusslicht und Lüneburger bei den anderen Müllarten aufgestellt sind: So liegt das Pro-Kopf-Aufkommen organischer Abfälle im Kreis Aschaffenburg bei 178,4 Kilogramm, in Lüneburg sind es 147,7 Kilogramm pro Kopf und Haushaltsabfall-Schlusslicht Bremerhaven kommt auf 58,5 Kilogramm. Dazu sortierten die bayerischen Mülltrenner pro Nase 191,9 Kilo Wertstoffe aus und stopften sie nicht in die graue Tonne. In Bremerhaven sind es dagegen nur 102,1 Kilo pro Kopf. Eifrig getrennt wird mit 191,3 Kilo Wertstoff pro Mensch aber auch im Kreis Lüneburg. Spitzenreiter in dieser Disziplin ist jedoch Rosenheim mit 281,1 Kilogramm pro Kopf.

Die deutsche Meisterschaft beim Müllsparen ist also eng mit der Weltmeisterschaft im Mülltrennen verbunden, die die Deutschen gerne für sich reklamieren. Wobei es erkennbar solche und solche gibt: Doch der Haushaltsabfall bleibt. Er ist bundesweit in den letzten zehn Jahren auch nicht weniger geworden, sondern sogar um 10,6 Kilo pro Kopf gestiegen. In dieser Kategorie kann Lüneburg als Vorbild dienen: In Stadt und Kreis waren es 38,6 Kilo pro Kopf weniger.