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Arndt Conrad (l.) hat neben seiner Versetzungsurkunde nach Bardowick auch ein Bund Mohrrüben bekommen. Als seinen Nachfolger als Ordnungsamtsleiter begrüßt Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers den Natendorfer Frank Hagel (r.), der bislang allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters in Bienenbüttel war. Foto: dth
Arndt Conrad (l.) hat neben seiner Versetzungsurkunde nach Bardowick auch ein Bund Mohrrüben bekommen. Als seinen Nachfolger als Ordnungsamtsleiter begrüßt Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers den Natendorfer Frank Hagel (r.), der bislang allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters in Bienenbüttel war. Foto: dth

Überraschender Wechsel in Gellersen

dth Reppenstedt. Überraschung in Reppenstedt: Frank Hagel, bislang rechte Hand des Bürgermeisters in Bienenbüttel, übernimmt ab 1. Mai den Posten des Ordnungsamtsleiters in der Samtgemeinde Gellersen. Im nicht öffentlichen Teil der Sitzung des Samtgemeinderats am Montagabend sprachen sich die Gellerser Kommunalpolitiker einstimmig für Hagel als Nachfolger des bisherigen Amtsinhabers Arndt Conrad aus. Dieser wiederum erhielt nun offiziell seine Versetzungsurkunde in die Samtgemeinde Bardowick.

Wie berichtet, übernimmt Conrad in Bardowick die Leitung des Hauptamtes und die allgemeine Vertretung des Samtgemeindebürgermeisters. Nun brachte auch Frank Hagel seine Schäfchen ins Trockene. Für ihn war es bereits der zweite Anlauf, als Beamter einen neuen Dienstherrn außerhalb von Bienenbüttel zu finden.

Bereits im Februar vergangenen Jahres war Bienenbüttels Kämmerer Hagel auf dem Sprung, hatte sich in der Samtgemeinde Elbtalaue im Kreis Lüchow-Dannenberg auf den Posten des allgemeinen Vertreters des Samtgemeindebürgermeisters beworben. Doch in der entscheidenden Ratssitzung in Hitzacker fehlten schließlich zwei Stimmen für seine Berufung. Kein Wunder, dass Hagel ganz unruhig vor Nervosität nun die Gellerser Ratssitzung verfolgte. Diesmal mit einem einstimmigen Votum für den Natendorfer. Allein als Ordnungsamtsleiter spielt Hagel nun eine Gehaltsklasse tiefer als zuvor. Einen Preis, den er offenbar gerne bereit ist zu zahlen angesichts der jüngsten Querelen im Bienenbütteler Rathaus. Auf LZ-Nachfrage wollte er sich zu den Vorgängen aber nicht äußern: „Ich bin als Beamter der Gemeinde Bienenbüttel zur Loyalität und Verschwiegenheit verpflichtet.“

Auch Hagels neuer Chef, Josef Röttgers, will die Vorgeschichte in Bienenbüttel nicht bewerten. „Wir schauen in die Zukunft. Herr Hagel verfügt über eine breite Berufserfahrung und hat eine ruhige und sachliche Art. Hinzu kommen langjährige Erfahrung mit Mitarbeiterführung und er pflegt eine große Nähe zur Feuerwehr. Damit ist er die richtige Person für den anspruchsvollen Posten des Ordnungsamtsleiters.“ Hagel hatte sich in der letzten Bewerbungsrunde unter acht Personen durchgesetzt.

Der Wechsel von Conrad nach Bardowick wurde zwischen den beiden Samtgemeinden einvernehmlich per Versetzung vollzogen. Beim Wechsel Hagels von Bienenbüttel nach Gellersen hingegen sticht der letzte Trumpf, soll heißen, die jüngste Ernennungsurkunde gilt. Mit der Aushändigung des Gellerser Dokuments ist die Samtgemeinde ab Mai nicht nur sein neuer Dienstherr, sondern die Beschäftigung bei der Gemeinde Bienenbüttel erlischt automatisch.

Während Conrad zuvor in der öffentlichen Sitzung von allen Seiten mit Lobreden bedacht und schließlich mit stehenden Ovationen verabschiedet wurde, rutschte der designierte Nachfolger noch sichtlich nervös in den Zuschauerreihen auf seinem Stuhl hin und her. Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers lobte seinen scheidenden Ordnungsamtsleiter überschwänglich. Er habe das Ordnungsamt und die Samtgemeinde mitgeprägt und seine Aufgabe gelebt. „Jetzt beginnt für dich der ,Zauber Bardowick.“ Für sein neues Büro erhielt Conrad ein handgeschnitztes Gellersen-Wappen und unter anderem Ratsherr Jürgen Hesse überreichte ihm noch ein Bund Mohrrüben, damit Conrad sich schon mal an die „neue Währung“ gewöhnen könne. Und Hagel kann sich nun in Gellersen an einen neuen Führungsstil gewöhnen.

Nachtragshaushalt beschlossen

Die Gellerser wollen nicht alles nehmen, was aus Bienenbüttel kommt, beispielsweise die Idee einer Schuldenuhr am Rathaus. Das hatte die CDU-Fraktion im Gellerser Samtgemeinderat gefordert. Die Christdemokraten hatten in den vergangenen Monaten gebetsmühlenartig — und immer wieder vergeblich — gegen die Investitionen im energetischen Bereich gewettert. Nun wollten sie zumindest den starken Anstieg der Schulden plakativ und für alle sichtbar dokumentiert wissen — Ende 2016 liegt der Schuldenstand bei voraussichtlich rund elf Millionen Euro. Die rot-grüne Mehrheitsgruppe nahm den Ball auf. Doch anstatt einer Schuldenuhr soll nun regelmäßig auf der Internetseite der Samtgemeinde sowie im Mitteilungsblatt über Schuldenstand, Vermögen und Investitionen informiert werden. Zudem verabschiedete der Rat mehrheitlich den dritten Nachtrags-Etat, der bereits im Finanzausschuss für Diskussionsstoff sorgte.

Laut Gellersens Kämmerer Dietmar Meyer ist der neue Ergebnishaushalt mit einem Volumen von jeweils rund 11.793.000 Euro in Einnahmen und Aufwendungen ausgeglichen. Im Finanzhaushalt hingegen stehen 11.345.400 Euro Einzahlungen nun 10.609.200 Euro Auszahlungen gegenüber. Ein Ungleichgewicht zeigt sich dabei aber bei den Investitionen, die sich für 2016 nun auf rund 4,4 Millionen Euro belaufen. Zu den veränderten Posten sagte
Samtgemeindebürgermeister Röttgers: „Im dritten Nachtragshaushalt kommt das Thema Flüchtlinge nicht vor. Das zeigt, dass es noch ein Leben neben Unterbringung und Integration gibt.“ Der größte neue Posten entfällt auf die geplante Erweiterung des Kindergartens Westergellersen. In den benachbarten Jugendraum soll eine neue Kleingruppe einziehen. Der Ausbau schlägt mit 145.000 Euro zu Buche. Weitere 30.000 Euro werden in Westergellersen für neue Jugendräume zu Verfügung gestellt, weitere 35.800 Euro als Zuschuss für das Projekt Lehmscheune. – dth