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Seit mehr als 25 Jahren engagiert sich Ursel Steuernagel (r.) in der Tschernobyl-Hilfe. Unser Archivbild zeigt sie bei der Gedenkveranstaltung zum 25. Jahrestag der Katastrophe in St. Michaelis mit Prof. Dr. Irina Gruschewaja. Foto: nh
Seit mehr als 25 Jahren engagiert sich Ursel Steuernagel (r.) in der Tschernobyl-Hilfe. Unser Archivbild zeigt sie bei der Gedenkveranstaltung zum 25. Jahrestag der Katastrophe in St. Michaelis mit Prof. Dr. Irina Gruschewaja. Foto: nh

Benefizgala zum 30. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe am 2. Mai

cst Lüneburg. Seit fast 25 Jahren unterstützen die Sparkasse Lüneburg und die Landeszeitung die Arbeit der Landesstiftung „Kinder von Tschernobyl“. Damit auch das große Engagement der Barskamperin Ursel Steuernagel, die mit ihrem Verein „Für die Kinder von Tschernobyl“ mittlerweile insgesamt weit mehr als 1000 Kindern aus der radioaktiv verseuchten Region einen Erholungsaufenthalt in Lüneburg ermöglicht hat. Frau Steuernagel sitzt als Vertreterin der vielen niedersächsischen Initiativen auch im Kuratorium der Landesstiftung.

Anlässlich des 30. Jahrestages der Reaktorkatastrophe im Norden der Ukraine laden die Sparkassenstiftung und die LZ gemeinsam mit der Landesstiftung am Montag, 2. Mai, um 19.30 Uhr zu einer Benefizveranstaltung unter Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Ulrich Mädge ins Kulturforum Wienebüttel ein. Der Abend für die Tschernobylhilfe unter dem Motto „Hoffnung geben“ wird gestaltet von 20 jungen Tänzerinnen und Tänzern des Staatlichen Musiktheaters in Minsk, die mit ihrem Auftritt in Lüneburg ihre einwöchige Tournee durch Niedersachsen beenden werden. Tags darauf reist das Ensemble per Bus zurück in die weißrussische Hauptstadt.

Die Nachwuchskünstler wollen ihr Publikum im mit 400 Plätzen hoffentlich ausverkauften Kulturforum mit Szenen aus berühmten Ballett-Stücken erfreuen. Bevor der Tanzgenuss beginnt, zeigt die Landesstiftung ihren in Cannes mit dem Silbernen Delphin prämierten Tschernobyl-Film („Leben mit einer Tragödie“). Zum Auftakt wendet sich Prof. med. Heyo Eckel an das Publikum. Der frühere Chefarzt des Evangelischen Krankenhauses von Göttingen, zugleich Vize-Vorsitzender der Landesstiftung, hilft seit 1992 den Menschen in Weißrussland und in der Ukraine. Auch als mittlerweile 80-Jähriger reist Eckel noch mehrfach im Jahr in die Tschernobyl-Region, um dort insbesondere Kinder zu untersuchen und zu behandeln. Der Mediziner berichtet von einem signifikanten Wiederanstieg von Schilddrüsen-Krebserkrankungen, auch 30 Jahre danach hat Tschernobyl Hilfe bitter nötig.

Abgerundet wird der Benefizabend im Kulturforum durch eine kleine Ausstellung („Architektur und Poesie“) mit Arbeiten des Tschernobyl-Fotografen Rüdiger Lubricht, dessen eindrucksvolle Bilder schon einmal 2009 in der Lüneburger Kirche St. Johannis zu sehen waren.

Der Eintritt für den 2. Mai beträgt 20 Euro, die Eintrittskarten sind von Mittwoch, 13. April, an in der LZ-Veranstaltungskasse Am Sande erhältlich. Die Einnahmen fließen komplett an die Landesstiftung zur Unterstützung deren vielfältiger Arbeit, weil anfallende Kosten von den Sponsoren übernommen werden und die Räumlichkeiten des Kulturforums Wienebüttel unentgeltlich zur Verfügung stehen. Wer neben der Eintrittskarte auch noch spenden und damit dem Beispiel verschiedener Lüneburger Unternehmen folgen will, findet auf dieser Seite die Bankverbindung der Landesstiftung.

Das staatliche Musiktheater in Minsk…

…wurde 1970 als „Belarussisches staatliches Operettentheater“ gegründet. Auf dem Spielplan standen überwiegend klassische Operetten.

Den heutigen Namen erhielt das Theater erst 2000. In den ersten zehn Jahren hatte das Ensemble kein eigenes Gebäude und war gezwungen, die Räumlichkeiten für die Proben und Aufführungen zu mieten. Da die Künstler sehr oft umziehen mussten und die Räume nicht selten über die ganze weißrussische Hauptstadt Minsk verstreut waren, erschwerte das die Arbeit.

Erst 1981 konnte das Ensemble in das eigene Theatergebäude einziehen. Man hat immer neue Genres in das Repertoire aufgenommen Musical, Rock-Oper, musikalische Komödie, komische Oper. Das Ballett gehört seit der Gründung des Theaters zum Ensemble. Die Tänzerinnen und Tänzer traten aber ursprünglich nur in den Tanzeinlagen der Operetten auf. 1982 wurde der erste Versuch unternommen, eine rein choreographische Inszenierung von „Baryschnya i chuligan“ (Fräulein und Raufbold) zur Musik von Schostakowitsch auf die Bühne zu bringen. Diese war ein großer Erfolg und zeigte das große künstlerische Potenzial.

Seitdem wurden nach und nach auch andere choreographische Aufführungen ins Repertoire aufgenommen. Anfang der 1990er-Jahre bildete sich dann die Truppe des klassischen Balletts heraus. Viele klassische Inszenierungen standen auf dem Spielplan des Theaters. Besonderer Beliebtheit beim Publikum erfreuten sich „Scheheresade“ von Rimskij-Korssakow, „Chopiniana“ zur Musik von Frederic Chopin, „Nussknacker“ von Tschaikowski, „Giselle“ von Adam. Es folgten Gastspiele in Spanien, Portugal, Großbritannien, der Schweiz.

2006 wurde die Truppe des klassischen Balletts dennoch aufgelöst. Erst 2010, als der heutige Direktor A. Petrovitsch und der künstlerische Leiter A. Mursitsch die Leitung des Theaters übernommen hatten, wurde das klassische Ballett erneut aus dem Bühnentanz ausgegliedert. Die künstlerische Leitung des klassischen Balletts wurde Katsyaryna Fadzeyeva anvertraut, einer namhaften Balletttänzerin, Volkskünstlerin und begnadeten Pädagogin. Heute sorgt das Ballett neben den schon bewährten „Giselle“ und „Nussknacker“ mit Werken wie „Don Quichotte“ von Minkus, „Carmen Suite“ von Bizet-Schtschedrin, „Tausend und eine Nacht“ von Amirov und vielen anderen Ballettaufführungen für Begeisterung im Zuschauerraum. Und das nicht nur in Weißrussland. 2015 boten die Bal-lettinszenierungen des Musiktheaters den Zuschauern in Russland, Lettland und China einen hohen künstlerischen Genuss. Alle Mitglieder der Balletttruppe sind Absolventen des Belarussischen staatlichen Kollegs für Choreographie.

Die Schüler des Kollegs werden noch während ihrer Ausbildung für die Ballettvorstellungen am Theater engagiert, hier sammeln sie ihre ersten Bühnenerfahrungen. Die Solisten und Solistinnen der Ballettkompanie Alena Hermanovich, Yulia Slivkina, Dzimitryi Lazovik, Kseniya Stankevich u.a. sind Preisträger internationaler Tanzwettbewerbe. – nh