Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Idyllisch im Wald zwischen Lüneburg und Deutsch Evern gelegen: das Forsthaus Rote Schleuse. Henning J. Claassen will die Tradition des Hauses als Ausflugslokal künftig ausbauen. Kaffee- und Biergarten sollen vom kommenden Jahr an mehr Gäste locken. Foto: t&w
Idyllisch im Wald zwischen Lüneburg und Deutsch Evern gelegen: das Forsthaus Rote Schleuse. Henning J. Claassen will die Tradition des Hauses als Ausflugslokal künftig ausbauen. Kaffee- und Biergarten sollen vom kommenden Jahr an mehr Gäste locken. Foto: t&w

Bergström-Chef Claassen kauft Forsthaus Rote Schleuse

ca Lüneburg. Bei Spaziergängen mit seiner Frau Helga kehrt Henning J. Claassen gern auf einen Kaffee im Forsthaus Rote Schleuse ein, die Lage sei „etwas Besonderes für Lüneburg, ein romantischer Ort“. Künftig will der Lüneburger Geschäftsmann und Hotelier die Geschicke des Lokals bestimmen. Zum 1. Oktober übernimmt Claassen das Anwesen, lässt es umbauen und modernisieren und will im April kommenden Jahres neu eröffnen. Peter Schilde, seit 35 Jahren Betreiber des Ausflugslokals, hat das Forsthaus verkauft und möchte sich mit 67 Jahren zur Ruhe setzen.

Claassen genießt in Lüneburg und darüber hinaus einen guten Ruf als Hotelier. Er betreibt mit 180 Mitarbeitern das Bergström und das Alte Kaufhaus mit drei Restaurants und einem Bistro, dem Mama Rosa. Im vergangenen Jahr hat er zudem ein Hotel in den Niederlanden übernommen. Es ist der Kern „einer kleinen, aber feinen Hotelgruppe“, die durchaus wachsen soll, vor allem in Lüneburg.

„Die Rote Schleuse passt sehr gut zu unserem Angebot“, sagt der Unternehmer. Gäste aus den Hotels könnten vom kommenden Jahr an eben auch einen Ausflug in das Forsthaus genießen. Aber natürlich steht das Haus auch Lüneburgern offen. Die Idee: ein Restaurant mit Bar und bürgerlicher Küche, dazu sollen ein Kaffee- und ein Biergarten kommen mit jeweils 80 Plätzen. Für Kinder entsteht ein großzügiger Spielplatz. In einem Saal sollen etwa für Hochzeiten bis zu 120 Gäste Platz finden.

Die Planungen beginnen jetzt, das Bauamt und die Denkmalpflege werden eingeschaltet. Das Konzept soll bis Herbst so weit stehen, dass die Handwerker im Oktober starten können und im April 2017 der Betrieb beginnen kann.
Der Lüneburger ist bis vor kurzem zweigleisig gefahren: Er hatte die Impreglon-Gruppe aufgebaut, Spezialisten für Beschichtungssysteme. Dieses Unternehmen hat er 2014 an einen Konzern verkauft, der Standort Lüneburg ist erhalten geblieben.

Nun steckt Claassen viel Energie in seine Hotels. Er hat im Wasserviertel das Palais am Werder gebaut, darin befinden sich Tagungsräume. Damit wurde Platz frei auf der Mühleninsel, dort ist ein Spa- und Wellnessbereich entstanden. Er hat Geld in Klimaanlagen gesteckt, lässt die Bäder im Bergström erneuern. Auch hat er sich auf die Familientradition besonnen, seine Vorfahren haben seit 1883 Bäckereien in Lüneburg betrieben. In der Ladenzeile in der Abtsmühle hat er eine Backstube eingerichtet und deren Kapazitäten gerade erweitert: „In den vergangenen drei Jahren haben wir dafür rund zwölf Millionen Euro investiert.“

Grund dafür sei auch ein Wandel in der Gästestruktur gewesen: Lange Zeit seien Tagungen das Hauptgeschäft des Betriebes gewesen, doch inzwischen sei der Anteil der Touristen gewachsen, zwei Drittel der Besucher mache das aus. Ehepaare, die in der Regel zwei Tage bleiben, um die Stadt zu genießen. Die hätten andere Wünsche als Tagungsgäste.

Das Parkhotel de Wiemsel im niederländischen Künstlerstädtchen Ootmarsum, ein paar Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, passe gut zu dieser Gruppe. Claassen sagt, er habe das Haus Jahrzehnte privat sehr geschätzt, dessen langsamen Niedergang bis zur Insolvenz verfolgt. Eher zufällig habe der Insolvenzverwalter ihn nach Monaten angerufen und gefragt, ob er das Anwesen übernehmen wolle. Claassen griff zu, modernisierte, baute aus, setzte neue Attraktionen.

Längst hat er eine Brücke geschlagen: Er hat seinen holländischen Gästen Lüneburg schmackhaft gemacht. Zudem hat er die Bergström-Kartei mit 25000 Kundennamen genutzt, um das Haus bei Nordhorn zu empfehlen. Mit Erfolg, die Zahlen stimmen.

Die „Ilmenau“ auf der Ilmenau

Peter Schilde führt das Forsthaus Rote Schleuse seit dreieinhalb Jahrzehnten. Er sagt: „Ich bin traurig und glücklich.“ Traurig, weil er sich von seinem Betrieb und einer wunderbaren Wohnung im Wald und an der Ilmenau verabschiedet. Glücklich, weil er sein Haus „in die guten Hände“ von Claassen gebe. Diese Saison will er noch für die Gäste da sein, gebuchte Veranstaltungen und Fahrten auf dem Ausflugsschiff „Ilmenau“ sollen laufen wie geplant.

Wie es mit dem 85 Jahre alten Boot weitergeht, ist allerdings noch offen. Denn das kleine Schiff, das so herrlich über die Ilmenauschleifen zwischen Schröders Garten und Roter Schleuse mäandert, ist nicht mitverkauft worden. Die Preisvorstellungen liegen ein gutes Stück weit auseinander. Claassen würde die Ausflugs-Tradition zwar gern erhalten, aber das sei eine Rechenaufgabe. Denn der Betrieb sei personalintensiv.

Schilde hingegen sagt, er könnte sich vorstellen, dass es andere Interessenten für die „Ilme-nau“ gibt. ca

Zur Person

ClaasenHenning J. Claassen wurde 1944 in Lüneburg geboren. Sein Studium in Kalifornien finanzierte er sich durchs Reparieren von Büromaschinen. 1967 kehrte er an die Ilmenau zurück, gründete Meltex, die Gesellschaft verkaufte er später an die Nordson-Gruppe. 1983 gründete er Impreglon, das weltweit tätige Unternehmen hat er vor zwei Jahren verkauft. Claassen gründete das Hotel Bergström, baute seine gastronomischen Aktivitäten aus. Er engagiert sich sozial und kulturell, drängt damit aber nicht in die Öffentlichkeit.

6 Kommentare

  1. Claasen könnte die ILMENAU als Shuttle-Service zwischen „Bergström“ und der „Roten Schleuse“ nutzen. Ok … ganz an´s Bergström kommt er nicht ran .. da müssen die Besucher noch etwas spazieren gehen. Aber so könnte er z.B. Abendveranstaltungen (inkl. Bootstour) für die Hotelgäste anbieten.

    • Jens-Jasper Henckel

      Und Dich, Ron, könnte Claas[s]en als Ideengeber anheuern und zum reichen Mann machen. Oder Du wirst so `ne Art Stadtoriginal und ziehst als Lüneburgs Hein Mück zusammen mit Samuel Langhorne Clemens den Bollerwagen mit Henning J.s Eventgästen über die Brausebrücke in Onkel Toms Hütte, um sie nach Mitternacht dann wieder auf dem renovierten Ausflugsschiff „Ilmenau“ stromaufwärts zur Roten Schleuse zurück zu treideln.

      In den fernen Zonen
      wo nur Menschen wohnen
      sogar im wilden Feuerland,
      kennt man Hein Mück von der Waterkant!
      Er ist ein Matrose
      mit ’ner weiten Hose
      die Mädchen geraten ganz aus Rand und Band,
      sehn sie Hein Mück von der Waterkant!
      Backbord und Stüerbord!
      Heut wird’s mal wieder groß.
      Stürmisch ist die Nacht,
      heute ist der Deubel wieder los!

    • tolle idee, soll das shuttle motorbetrieben sein, oder sollen die gäste selbst rudern?

  2. Er engagiert sich sozial und kulturell, drängt damit aber nicht in die Öffentlichkeit.
    verständlich, er interessiert sich ja auch nur für eine bestimmte klientel. wer schon mal persönlich mit ihm seine erfahrung gemacht hat, meltex lässt grüßen, sieht diesen herren mit anderen augen.

  3. Toll – wir freuen uns darauf!
    Jetzt fehlt nur noch ein Treffpunkt( Eisdiele/Café/Bistro /…) in Rettmer. Wäre Fuhrhop nicht auch noch etwas für Sie, Herr Classen?

  4. Renate Bomeier Ohlsson

    Grossartig! Herr Claassen aht schon soviel für Lüneburg getan! Bereits meine Grosseltern machten den Sonntagsausflug zur Roten Schleuse, meine Eltern ebenso und ich selbst war dort um Schulfeste mitzumachen, die Jo-Jos zu hören. Ich hoffe nur, dass keine zu effektive „Modernisierung“ stattfindet. Die Rote Schleuse IST Lüneburg!