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In vier Abschnitten möchte der Landkreis den nördlichen Bereich des Standortübungsplatzes zwischen Deutsch und Wendisch Evern als Gewerbegebiet erschlossen wissen. Zusätzlich ist am Elbe-Seitenkanal ein Anlegeplatz für Binnenschiffe geplant. Eine entsprechende Anfrage hat der Kreis jetzt ans Bundesverteidigungsministerium geschickt. Grafik: hm
In vier Abschnitten möchte der Landkreis den nördlichen Bereich des Standortübungsplatzes zwischen Deutsch und Wendisch Evern als Gewerbegebiet erschlossen wissen. Zusätzlich ist am Elbe-Seitenkanal ein Anlegeplatz für Binnenschiffe geplant. Eine entsprechende Anfrage hat der Kreis jetzt ans Bundesverteidigungsministerium geschickt. Grafik: hm

Präsident lehnt Gewerbeplan ab

kre Wendisch Evern. Gescheitert sind die Bemühungen von Stadt und Kreis, Teile des Standortübungsplatzes in Wendisch Evern vom Bund als Gewerbeflächen zu erhalten. Aufgeben will Landrat Manfred Nahrstedt aber offenbar nicht.

„Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass auch nach gründlicher Prüfung die Flächen des Standortübungsplatzes vollständig für die Belange der Bundeswehr erforderlich sind und eine Abgabe von Teilflächen nicht möglich ist“, hatte der Präsident des „Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr“ Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) schriftlich mitgeteilt. Das Schreiben mit Datum vom 31. März endet mit dem Hinweis, dass in „diese Entscheidung auch die Leitung des Bundesministeriums der Verteidigung eingebunden ist“.

Nichtsdestotrotz hat Nahrstedt am 5. April einen weiteren Anlauf unternommen, um in Berlin zum Erfolg zu kommen mit einem Schreiben an Gerd Hoofe, Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Mitgeliefert hat der Kreis eine Skizze, auf der zu erkennen ist, wo die Wunschflächen des Kreises liegen: im nördlichen Abschnitt des Übungsplatzes von der Panzerwaschanlage bis zum ESK. Mittendrin die Standortschießanlage.

Auf die Absage des Präsidenten des Bundeamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr angesprochen, sagte Nahrstedt auf LZ-Anfrage: „Zum Zeitpunkt meines Schreibens kannte ich diese Absage nicht!“ Gleichwohl bekräftigt er: „Als Landrat sehe ich es nach wie vor als meine Aufgabe und meine Pflicht an, mich um neue Gewerbeflächen zu kümmern.“

Nahrstedt schreibt denn auch: „Wie bereits besprochen, würde uns zunächst der in der Anlage als erster Abschnitt ausgewiesene Bereich ausreichen, um dann in enger Abstimmung mit Ihrem Haus in den nächsten Jahren weitere Abschnitte für unsere Gewerbeansiedlung abzusprechen.“ Schließlich hänge die weitere positive Entwicklung der Region davon ab, „dass wir dem Gewerbe weitere Flächen zur Entwicklung anbieten können. Das sichert und schafft Arbeitsplätze“, erinnert Nahrstedt, der deshalb „auch im Namen von Oberbürgermeister Ulrich Mädge“, noch einmal Staatssekretär Hoofe um eine „wohlwollende Entbehrlichkeitsprüfung“ bittet. „Ich kenne Herrn Hoofe noch aus meiner Zeit als Landtagsabgeordneter“, sagt Nahrstedt und ergänzt: „Als Niedersachse kann er etwas für einen niedersächsischen Landkreis tun.“

Rund 160 Hektar groß ist die Fläche im nördlichen Bereich des Standortübungsplatzes, auf die Nahrstedt ein Auge geworfen hat: Mit der Zufahrt ausschließlich über Deutsch Evern und in der vierten und letzten Ausbaustufe bis zum Elbe-Seitenkanal (ESK). Der soll ebenfalls aufgewertet werden mit einem Anlegeplatz für Schiffe. Nahrstedt begründet seinen Vorstoß in dem Schreiben nach Berlin damit, „dass die Verfügbarkeit geeigneter Gewerbeflächen in der Metropolregion Hamburg als eine entscheidende Voraussetzung dafür gesehen wird, die dynamische Entwicklung des Wirtschaftsstandortes auch in Zukunft sicherzustellen.“ Und da der Landkreis, so der Landrat weiter, dringend Gewerbeflächen benötige, hätten sich Stadt und Landkreis „noch einmal intensiv Flächen am Rande des Standortübungsplatzes angesehen“.

Verwundert reagieren einige Kreistagspolitiker auf Nahrstedts neuerlichen Vorstoß. In der jüngsten Kreisausschuss-Sitzung wiesen sie auf das bestehende Gewerbe-und Industriegebiet in Vastorf hin, wo es noch mehr als 120.000 Quadratmeter freie Fläche für ansiedlungswillige Unternehmen gibt. „Darauf ist er überhaupt nicht eingegangen“, ärgert sich ein Mitglied des Kreisausschusses.

4 Kommentare

  1. Typisch Staat eben – erstmal Planungen machen von Flächen, die man gar nicht erwerben kann. Es werden somit Gelder ausgegeben für die Planung einer Fläche, die einem gar nicht gehört, dessen Besitzer diese auch nicht veräußern möchte. Hat der Landrat denn gar nichts anderes zu tun im Kreis?
    Ich glaube langsam, dass einige Politiker sehr verstrickt mit der Immobilienwirtschaft sind.

    • Hallo Harry, hier eine schöne Ergänzung zu Ihrem wichtigen Kommentar: Heinz Küpper, Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache (Band 3, 1983, Spalte 1939 ff, Punkt 5): „Holzauge, sei wachsam! = gib acht, daß man dich nicht übertölpelt oder hintergeht. Dabei wird mit dem Zeigefinger das Unterlid eines Auges herabgezogen. Nach weitverbreiteter Soldatenmeinung ist mit Holzauge der Blick durch ein Astloch (im Bretterzaun) gemeint: man sieht, ohne gesehen zu werden.“

      • Was, wenn der Observierende grad keinen Bretterzaun zur Hand hat? Reicht auch ein einzelnes Brett (mit Astloch) vorm Kopf?

        Winnetou, das weiß man ja, konnte sich hinter einer Handvoll Wildgräser versteckt bis auf eine Armlänge an Landräte und Staatssekretäre heranschleichen.

  2. Zitat: „Verwundert reagieren einige Kreistagspolitiker auf Nahrstedts neuerlichen Vorstoß. In der jüngsten Kreisausschuss-Sitzung wiesen sie auf das bestehende Gewerbe-und Industriegebiet in Vastorf hin, wo es noch mehr als 120.000 Quadratmeter freie Fläche für ansiedlungswillige Unternehmen gibt.“

    Egal! Diese Art von Aktionismus ist gut, wenn es darum geht, zu zeigen, dass man seiner Lobby hilfreich zur Seite steht. Herr Nahrstedt setzt sich eben konsequent ein, für Wachstum und Beschäftigung in unserer Region …! Veilleicht kann hier ja doch noch eine Kiesgrube, ein Betonwerk oder eine Biogasanlage enstehen … Der Verbuschung und drohenden Einwanderung des Wolfes muss ja Einhalt geboten werden! Und außerdem: für solche Industriegebiete gibt’s EU-Subventionen, die müssen abgerufen werden! In Vastdorf freuen wir uns schon seit Längerem über ein innovatives, beleuchtetes Paletten-Lager, „Video-überwacht“, mit „Gefördert-von-der-EU-Schild“ davor und Industriezaun außenrum. Da sieht man gleich: das ist so ein“ Leuchturm-Projekt“ zukunftsweisender Industriepolitik, mit ganz wichtigen Beschäftigungsimpulsen!! Und wo wir gerade bei zukunftsgerichteter Industriepolitik sind, braucht so ein Truppenübungsplatz nicht vielleicht doch bald ein paar ordentliche, befestige Wege? Beton und Schotter sind gerade groß im Kommen bei unseren Volksvertretern …