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Die farbenfrohen Feuervögel ziehen die Blicke der Zuschauer magisch an. Foto: t&w
Die farbenfrohen Feuervögel ziehen die Blicke der Zuschauer magisch an. Foto: t&w

Ritter, März-Hasen und Orks in Luhmühlen + + + Mit Fotogalerie

kre Luhmühlen. Was für ein Spektakel: Ritter hoch zu Ross, Gaukler, Zauberer und zahllose andere Märchengestalten: Sie alle haben auf dem Turniergelände in Luhmühlen ihre ganz eigene Welt geschaffen. In Anlehnung an das Mittelalter. So, wie man sich als moderner Mensch diese Zeit wünscht, müsste man in dieser Epoche leben. Nämlich mit einer gehörigen „Alice im Wunderland-Prise“. Phantasievoll, friedlich, mit viel Musik, viel guter Laune und dem einen oder anderen Spielchen zur Belustigung. Also genau so, wie es die Veranstalter und die Akteure des Mittelalterlichen Phantasie-Spectakulums (MPS) für ein Wochenende für viele tausend Besucher auf die Wiese gezaubert haben.

Als das größte reisende Mittelalter-Kultur-Festival der Welt bewerben die Organisatoren die Veranstaltung. Ob das stimmt? Schwer nachprüfbar. Auf alle Fälle aber schlagen die bunte Phantasietruppe und ihre Anhänger fast jedes Wochenende in einer anderen Stadt ihre Zelte auf. Außer in der stürmisch und kalten Zeit. Da geht das MPS-Spektakel in die Winterruhe. Bis zu diesem Wochenende: Denn Luhmühlen war der Auftakt für die diesjährige Saison. Und Petrus meinte es offenbar gut mit den Freunden des Mittelalterlichen Phantasie Spectakulums: Sonne, Wolken, blauer Himmel, bewölkter Himmel, Schauer — wie man es eben nicht anders kennt vom launischen April.

Wer durch die Budenwelt schlendert und das Gespräch mit den bunt kostümierten Gesellen sucht, macht zwei Erfahrungen: Erstens: Trotz größtenteils martialischen Gehabes sind alle äußerst friedfertig. Und zweitens: Nachnamen spielen keine Rolle. Auch auf Nachfrage stellt man sich am liebsten nur mit Vornamen vor.

So wie die drei Rendsburger, die als „verrückte Hutmacherin“, als „März-Hase“ und als „Herz-Königin“ das Gelände erkunden: Das Mittelalter-Kultur-Festival ist genau ihr Ding — „die Stimmung, die Menschen, die Musik“, listet „Herz-Königin“ Elke auf, die im echten Leben auch die Herz-Dame von „März-Hase“ Jens ist. Die beiden sind nämlich ein Ehepaar und teilen die Leidenschaft, sich als Alice-im Wunderland-Figuren zu verkleiden. Zweifellos ein schöner Ausgleich zu den überaus bürgerlichen Berufen, die sie außerhalb des MPS-Wochenendes ausüben: Die „verrückte Hutmacherin“ Steffi, Elke und Jens arbeiten nämlich in einem Windkraft-Unternehmen. Und das hat nun so gar nichts mit Mittelalter, sondern eher mit High-Tech und der Zukunft zu tun.

Einige Buden weiter steht ein Geselle, dem man im Dunkeln nicht begegnen möchte. Jedenfalls nicht außerhalb des Festgeländes: ein Uruk-hai: Herr der Ringe-Fans wird man nicht erklären müssen, was ein Uruk-hai ist. Für die, die es nicht wissen, hier die Auflösung: Die Uruk-hai waren eine größere und in vielerlei Hinsicht überlegene Form der Orks. Gezüchtet von Sauron, entstammten sie vermutlich aus verdorbenen Menschen und Elben, Uruk-hai zeichneten sich vor allem dadurch aus, dass sie sich im Gegensatz zu anderen Orks auch bei Tageslicht bewegen konnten, ohne wesentlich geschwächt zu werden. Alles klar?

Der Mensch im Uruk-hai-Outfit hat allerdings alles andere als einen schlechten Charakter: „Ich heiße Oliver“, stellt er sich vor — im bürgerlichen Leben arbeitet er als Polizist in Hamburg. Und wie kommt ein hanseatischer Ordnungshüter dazu, ausgerechnet als Uruk-hai durch die Gegend zu laufen? „Mein Hobby ist das Live-Rollen-Spiel“, sagt Oliver. Für die Live-Rollen-Spiele gibt es verschiedene Genres: Fantasy, Vampire, Western, Science Fiction, Horror, Endzeit/Post­apokalypse, Cyber- oder auch Steampunk . Auf alle Fälle können die meisten Veranstaltungen laut einschlägiger Literatur dem Fantasy-Bereich zugeordnet werden.

Der Besuch des Mittelalterlichen Phantasie-Spectaculums in Luhmühlen ist für Oliver fast schon eine Selbstverständlichkeit: „Super nette Leute, tolle Atmosphäre, nie Stress“ — und das aus dem Munde eines Polizisten.

Da muss also auch niemand Angst haben vor „Gevatter Tod“, der seine Runden über den Platz dreht. Und bei „Hans im Dreck“ ist es wohl eher auch das Kostüm und die viele Schminke und weniger Schmutz und Grätze, die ihn so unappetitlich wirken lassen. Fabelwesen wie die „Feuervögel“ ziehen die Blicke von Besuchern und Fotografen magisch an. Und wer lieber Helden bei ihrem Tagwerk zuschauen möchte, der ist bei den Rittern der Truppe „Kaskadeure“ oder bei der Fechtkampfgruppe genau richtig.

Fotos: t&w

One comment

  1. Danke für den schönen Bericht und die tollen Fotos!
    Eure verrückte Hutmacherin 😉