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Eine Isetta als Polizeifahrzeug. Der Oldie von Gerd Krause war jedoch nie wirklich im Einsatz. Fotos: ki
Eine Isetta als Polizeifahrzeug. Der Oldie von Gerd Krause war jedoch nie wirklich im Einsatz. Fotos: ki

Tausende pilgern zum Oldtimertreffen nach Ellringen + + + Mit Fotogalerie

ki Ellringen. Das regnerische Wetter der vergangenen Tage mag den einen oder anderen Besitzer eines alten Schätzchens davon abgehalten haben, zum Oldtimertreffen nach Ellringen zu fahren. Dennoch riss die Schlange ankommender Fahrzeuge bis in den frühen Nachmittag nicht ab. Zudem pilgerten Zigtausende Besucher in den 200-Seelen-Ort. Durch die Feuchtigkeit war nicht nur das Platzangebot für Fahrzeuge eingeschränkt, es beeinflusste auch die Vorbereitungen. „Die Feuerwehrleute, die hier gearbeitet haben, vollbrachten eine Meisterleistung“, lobte Ellringens Ortsbrandmeister Ulrich Schulz. „Wir mussten Wege auskoffern und vier Lkw-Ladungen Mineralgemisch einarbeiten, um den Hauptweg gängig zu machen.“

Die Oldtimer-Parade war beeindruckend, obwohl etwa einhundert Fahrzeuge und Motorräder weniger an der Ausstellung teilnahmen. Einige hatten Anfahrtswege von hundert Kilometern und mehr in Kauf genommen, um ihr Schätzchen vorzustellen. Wie auf Autosalons präsentierten sich die betagten, auf Hochglanz polierten Fahrzeuge, die teils siebzig Jahre alt waren.

Ein Hingucker war unter anderem eine ehemalige russische Staatskarosse. Alexander Gossmann hat sie vor sieben Jahren in Deutschland gekauft. „Ich bin Aussiedler, und es war für mich immer ein Traum, einen solchen Wagen zu besitzen“, schwärmt der Oldie-Fan. Die 1977 gebaute, 195 PS starke Limousine kommt aus Sibirien. Ausfahrten sind damit nicht ganz billig, denn der Oldie ist durstig und schluckt je nach Tempo 20 bis 25 Liter auf 100 Kilometern.

Eine weitere Rarität war ein kleines Kettenfahrzeug aus dem Jahr 1944, bei Stoewer-Stettin gebaut. „Ich bin technikbegeistert, und mehr Technik als bei diesem Fahrzeug geht nicht“, stellt Frank Ohlhagen aus Lüneburg sein von einem Sammler aus Süddeutschland erworbenes Fahrzeug vor. Es hat 36 PS und ist 70 km/h schnell. Das Vorderrad muss abgebaut werden, wenn Ohlhagen damit in schwerem Gelände fährt. In Stettin wurden 1300 Exem­plare hergestellt und etwa 7500 bei NSU. Stolz ist der sechsjährige Henry, dass er mit seinem Vater mitfahren durfte.

Für Aufsehen sorgte in der Isetta-Parade ein Polizeifahrzeug von Gerd Krause aus Gifhorn. Allerdings war die 1959 gebaute 13 PS starke Kugel nie im Einsatz. Sie wurde erst vor zwei Jahren von mausgrau mit allem Drum und Dran umgerüstet. Allerdings müssen bei Fahrten alle Embleme abgedeckt werden. „Das hat die Polizei mir vorgeschrieben“, sagte Krause, nachdem er kurz das Blaulicht eingeschaltet hatte. „In Bayern waren diese Modelle durchaus als Polizeifahrzeuge im Einsatz“, weiß Torsten Buran aus Barendorf, der eine knallrote Isetta, Baujahr 1960, besitzt, die er 1989 gekauft und dann restauriert hat. Das Besondere an seiner Isetta: Sie hat eine Anhängerkupplung, darauf ist ein Teufel installiert; und wenn er bremst, leuchten die Augen rot.

Fahrzeug-Modelle von Lloyd, Opel, Mercedes, Porsche, Ford, Lada und amerikanischer Marken faszinierten die Besucher ebenso wie die historischen Trecker. Hochbetrieb herrschte zudem auf dem Teilemarkt, wo es ein enormes Angebot an Ersatzteilen gab — für die einen ein Haufen Schrott, für andere eine lang gesuchte Rarität.

Fotos: ki