Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Luk Yan Yan aus Hongkong studiert in Lüneburg, verdient ein bisschen Geld mit Straßenmusik. Das allerdings ist nicht die Motivation für ihre Auftritte auf Straßen und Plätzen: Ich will meine Gedanken und meine Musik mit anderen Menschen teilen. Foto: be
Luk Yan Yan aus Hongkong studiert in Lüneburg, verdient ein bisschen Geld mit Straßenmusik. Das allerdings ist nicht die Motivation für ihre Auftritte auf Straßen und Plätzen: Ich will meine Gedanken und meine Musik mit anderen Menschen teilen. Foto: be

Einige Straßenmusiker begeistern die Passanten – Andere sorgen für Unmut

rast Lüneburg. Mit klarer Stimme singt sie den Leonard-Cohen-Klassiker „Hallelujah“, jeder Ton sitzt, auch mit „Yesterday“ von den Beatles oder „Teach me“ des britischen Singer/Songwriters Keaton Henson überzeugt sie die Passanten. Am liebsten aber präsentiert Luk Yan Yan ihre eigenen Titel wie „Blue Backpack“: „Es ist für mich ein Kanal, meine Gefühle zu verarbeiten. Und ich will, dass die Leute durch meine Lieder etwas erleben.“ Die junge Frau aus Hongkong, die nächsten Freitag ihren 20. Geburtstag feiert, geht dafür allerdings nicht auf Bühnen, sie singt und spielt auf Straßen: „Da bin ich den Menschen ganz nah.“ Am Sonnabend hörten ihr Passanten am Sand zu.

Die Chinesin, die seit zwei Monaten an der Leuphana Digital Media studiert und für die Lüneburg in den nächsten zwei Jahren ihr Zuhause ist, gehört zu den zahllosen Straßenmusikanten, die mit Start der Freiluftsaison jetzt wieder in der Stadt auftreten — und die Regeln zu beachten haben.

Nicht jeder der Straßenmusikanten betört die Passanten und Anwohner mit einer solch reizenden Stimme wie Luk Yan Yan, manch selbst ernannter Künstler quält die Gehörgänge. Auch arbeiten einige der Musiker mit Verstärkern, was nach der städtischen Satzung mit dem Titel „Erlaubnisse für Sondernutzungen in Gemeindestraßen und Ortsdurchfahrten“ verboten ist. Da spitzen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes immer wieder die Ohren. Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck weiß: „Der Bereich Ordnung wird gerade in der Freiluftsaison regelmäßig von Anliegern angesprochen, weil die Ansichten über die Lautstärke, das Einhalten von Zeiträumen und den Wechsel von Standorten oder schlicht die jeweilige Qualität der Musik oft sehr weit auseinandergehen. Das sind zum Beispiel auch Beschwerden aus anliegenden Büros oder etwa Arztpraxen, die dann beklagen, dass sie sich bei einer andauernden Beschallung oder bei bestimmten Tonlagen und Lautstärken nicht mehr konzentrieren können oder bei der Untersuchung ihrer Patienten gestört fühlen.“

Die Musiker brauchen eine Genehmigung für ihre Auftritte, die erhalten sie im Ordnungsamt oder sonnabends in der Tourist-Information. Wochentags gehen aktuell im Schnitt zwei solcher Genehmigungen täglich raus, an den Sonnabenden sind es drei. Doch nicht alle Künstler haben die Erlaubnisse in der Tasche, Suzanne Moenck: „Es spielen erfahrungsgemäß eine ganze Reihe von Straßenmusikern ohne Genehmigung. Wir könnten in solchen Fällen zwar Bußgelder in Höhe von 5 bis 1000 Euro verhängen, setzen aber in aller Regel auf das direkte Gespräch und das vor allem dann, wenn es zu Beschwerden kommt. Es kann auch mal einen Platzverweis geben.“

Bei Beschwerden geht der städtische Außendienst dem nach Möglichkeit nach und weist die Musiker auf die Modalitäten in der Stadt hin. Die Erfahrung der städtischen Mitarbeiter laut Suzanne Moenck: „Das hilft meistens. Wenn es mit einzelnen Musikern dann überhaupt nicht funktioniert, ist das immer eine undankbare Aufgabe, denn dann kommen auch bei Umstehenden schnell Emotionen ins Spiel. Wir müssen aber auch den Menschen gerecht werden, die eben nicht nur beim Bummeln ein paar Lieder lang lauschen, sondern die jeden Tag in der Innenstadt leben und arbeiten.“

Die Regeln für die Künstler

Wer in Lüneburg öffentlich spielen will, muss sich zuvor beim Ordnungsamt oder in der Tourist-Information eine Sondernutzungserlaubnis besorgen. Die kostet eine Gebühr von 3,50 Euro pro Tag. Laut Satzung sind Auftrittsorte wie auch -zeiten begrenzt. Montags bis freitags darf nur zwischen 10 und 13 Uhr sowie von 15.30 bis 18.30 Uhr musiziert werden, an Sonnabenden gelten die Zeiten 10 bis 13 und 15 bis 16 Uhr.

Folgende Bereiche dürfen genutzt werden:

Grapengießerstraße: 30 Minuten im Bereich zwischen Neue Sülze und Kuhstraße, 30 Minuten zwischen Kuhstraße und Am Sande.

Kleine und Große Bäckerstraße: 30 Minuten im Bereich zwischen Am Sande und Glockenhof-Passage, 30 Minuten zwischen Am Markt und An den Brodbänken.

Schröderstraße: 30 Minuten im Bereich Apothekenstraße sowie 30 Minuten im Bereich Obere Schrangenstraße.

Die Stadt erteilt diese Erlaubnisse für maximal drei Einzelmusiker oder Gruppen täglich. Wer den Schein in der Tasche hat, kann aber nicht nach Lust und Laune nach Ablauf der Frist den Platz wechseln und so den ganzen Tag lang spielen. Die tägliche Spieldauer je Musiker oder Gruppe ist auf maximal eine Stunde begrenzt.

Die Satzung sieht weitere Einschränkungen vor. So dürfen Musiker keine elektronischen Instrumente, Tonwiedergabegeräte oder Verstärker bei ihren Auftritten einsetzen. Zudem besagt die Satzung: „Straßenhandel mit Tonträgern (CD, Kassetten, Schallplatten) ist im Rahmen dieser Sondernutzungserlaubnis unzulässig.“

One comment

  1. Zum Glück tritt die Bulgarisch/Rumänische-Krawall-Familie seit einigen Monaten nicht mehr auf. Die waren wirklich Horror.